Trost aus der Tiefe

Waren Sie schon mal so richtig untröstlich? So frustriert, verletzt und am Boden zerstört, dass kein Wort des Mitgefühls und kein guter Rat von außen mehr zu Ihnen durchdringen wollte?

Ich kenne solche Momente – und ich bin dankbar dafür, dass es in meinem Leben bisher nicht allzu viele davon gegeben hat.

In solchen untröstlichen Momenten macht es wenig Unterschied, wie viele Menschen einem Mut zusprechen wollen. Und es kommt auch nicht so sehr darauf an, was genau gesagt wird. Wahrer Trost ist weder eine Sache von Mehrheiten noch von guten Argumenten. Was für mich wirklich den Unterschied macht, wenn ich untröstlich bin, ist die Person des Trösters. Ob jemand selbst schon einmal ähnlich frustriert, verletzt und am Boden zerstört war wie ich.

Wahrer Trost kommt von Menschen, die selbst als Getröstete leben. Wer selbst Tiefen durchlebt und Trost gefunden hat, dem gibt Gott dadurch eine Stimme des Trostes für andere. Der Apostel Paulus schreibt einmal darüber, in seinem zweiten Brief an die christliche Gemeinde in Korinth, den wir heute im Neuen Testament finden. Dort heißt es:

Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, tröstet uns in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind.

So können Christen trösten. Nicht durch Bibelkenntnis oder Ratschläge. Sondern in dem sie aufrichtig mit den Tiefen des eigenen Lebens umgehen – und aus dem eigenen Getröstet-Sein heraus anderen Mut machen.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Das war ja abzusehen!

„Das war ja abzusehen“ – sagen wir, wenn sich jemand so verhält, wie man es aufgrund seines Charakters vermutet hätte. Zum Beispiel wenn ein als unbestechlich geltender Schiedsrichter vor 40.000 Zuschauern einen Elfmeter gegen die Heimmannschaft pfeift. Das war ja abzusehen…

Das haben sie vor 2.000 Jahren wohl auch gedacht, kurz bevor Jesus in Betlehem zur Welt kam. Seit Jahrhunderten schon hatten Propheten angedeutet: Gott wird sein Volk Israel erlösen und einen Retter schicken. Und als dessen Vorläufer wird er noch ein einziges Mal einen Propheten entsenden.

Eines Tages wird dieser Prophet tatsächlich geboren. Es ist Johannes, den sie später „den Täufer“ nennen. Sein Vater Zacharias ist Priester im Tempel in Jerusalem. Der kennt die Hoffnung auf Erlösung, weiß um Gottes Versprechen, einen Retter zu schicken. Und da hält Zacharias nun seinen kleinen Johannes auf dem Arm, wenige Tage alt, und es wird ihm klar: Der ist der Vorläufer! Gottes Rettungsaktion steht unmittelbar bevor! Jetzt geht es los! Und Zacharias ruft aus:

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Er hat sich seines Volkes angenommen und hat ihm Erlösung gebracht. Aus dem Haus seines Dieners David hat er für uns einen starken Retter hervorgehen lassen…

Für Zacharias sind alle diese Dinge schon so gut wie geschehen. Warum? Weil er weiß: Gott hat es versprochen. Und Gott hält seine Versprechen. Dass Gottes versprochene Hilfe nun tatsächlich kommt – das war ja abzusehen.

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Stolz

Auf dem Schulhof. Die erste Klasse tobt in der Pause. Eine Gruppe Jungs hat sich in eine Ecke zurückgezogen. Alle reden durcheinander, jeder versucht den anderen zu überbieten und zu übertönen. Das Thema: Ihre Väter. „Mein Vater ist super, der spielt immer mit mir auf unserer Playstation“, legt Lukas vor. „Meiner geht mit uns in den Wald und denkt sich immer spannende Abenteuer aus“, versucht Viktor Lukas zu übertrumpfen. „Meiner ist total mutig, der arbeitet bei der Feuerwehr und hat schon Leute aus brennenden Häusern gerettet“, weiß Denis. Und so geht es reihum weiter. „Mein Vater hat…“  „Mein Vater ist…“ „Mein Vater kann…“ Wenn doch die Väter einmal hören könnten, wie stolz ihre Söhne auf sie sind, und sogar mit ihren Vätern angeben!

Und ich frage mich: Worauf sind Christen eigentlich stolz? Womit geben Christen eigentlich an? (mehr …)

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