Vertrauen säen, Dankbarkeit ernten

ERF Erschienen als Beitrag im Medienmagazin ERF ANTENNE

Wann ist Ihnen das letzte Mal jemand als undankbar aufgefallen?

Vielleicht denken Sie an die Dreijährige, die erst noch lernen muss, dass ihr nicht alles zusteht und zu Füßen liegt? Oder an den Nachbarn, der knallhart seine Karriere durchzieht und jeden Millimeter seines Lebens im Griff hat? Oder an das verbitterte Rentnerehepaar aus Ihrer Kirchengemeinde, die an allem etwas auszusetzen haben, weil „früher alles besser war“?

Undankbarkeit fällt einem selten im Spiegel auf, aber schnell bei anderen. Bei denen, die denken, dass ihnen alles zusteht, dass sie alles im Griff haben oder dass ihnen das Leben übel mitgespielt hat. Und wenn sie mir auffällt, die Undankbarkeit – dann auch meistens so richtig unangenehm.  Warum ist das so? Und wie kann es einüben, dass mein Leben von Dankbarkeit geprägt ist?

Ich glaube: Dankbar kann nur der sein, der vorher als Vertrauender gelebt hat.

Vertrauen wird uns allen ab dem ersten Atemzug abverlangt. Wir alle kommen nackt auf die Welt, verletzlich und verletzbar, abhängig von anderen Menschen – und von Gott, der uns in diese Welt gerufen hat. Aber als Vertrauende zu leben ist schwer in einer Welt, in der nicht alles „sehr gut“ ist. Eine Welt, in der auch Leid und Schmerz zu Hause sind und Gott oft unsichtbar scheint. Eine Welt voller Menschen, die sich gegenseitig verletzen können und es oft genug auch tun.

Und so versteinert das Vertrauen – und wird zu Anspruchsdenken, Kontrollbedürfnis und Bitterkeit. Aber mitten hinein in diese Welt kommt Jesus. Nackt und verletzlich  und verletzbar wie wir alle. Gott selbst begibt sich in die Hände der Menschen – und wir schlagen ihn am Ende ans Kreuz. Aber Jesus überwindet den Tod, und sät damit eine neue Art zu leben. Ein Leben, das Gott mitten in einer bedrohlichen Welt die Kontrolle überlässt. Ein Leben des Vertrauens, und damit auch ein Leben der Dankbarkeit.

Diesem Jesus will ich folgen und als Vertrauender leben. Und vielleicht kann ich morgen im Spiegel schon ein ganz kleines bisschen mehr Dankbarkeit erkennen. Wie wär’s – sind Sie dabei?

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