Ein Gott der dich sieht

„Du bist ein Gott, der mich sieht“ – so lautet der Bibelvers aus 1. Mose 16, 13, der als Jahreslosung über die kommenden 365 Tagen gesetzt wurde.  

Ein Gott, der Menschen sieht – das klingt theologisch irgendwie nachvollziehbar, erwartbar, auf den ersten Blick nicht der langen Rede wert.  Aber da ist dieses „Du“. Und da ist dieses „mich“. Im Bibelvers, der zur Jahreslosung 2023 geworden ist, geht es nicht einfach um einen Gott, der Menschen sieht – in einem allgemeinen, immer und irgendwie richtigen Sinn. Es geht um einen Gott, der sich selbst für mich zum „Du“ macht. Und der mich sieht. Jetzt und hier und nein, das ist auch keine Verwechslung. Gott sieht mich, und er meint mich. 

„Du bist ein Gott, der mich sieht“ – dieser Satz stammt nicht aus der Feder eines theologischen Gremium nach einer langen Klausur in einer Bibliothek. Es ist der tiefe Stoßseufzer einer verzweifelten und verstoßenen Frau mit einer wund geschrieenen Kehle und einem tränennassen Gesicht – Hagar. Sie war die Magd von Abraham lebte mit ihm und seiner ganzen Familie unter einem Zelt. Bis eines Tages Eigensinn, Eifersucht und Streit eskalierten. Hagar wurde von denen, die alles an Familie waren, die sie hatte, ausgegrenzt, gedemütigt und in die Wüste geschickt. Im wahrsten Sinne des Wortes. 

Aber genau dort, in der Wüste, im Moment ihrer tiefsten Verzweiflung, begegnet sie Gott. Hagar staunt: „Du bist ein Gott, der mich sieht“ – und das verändert ihr Leben. Nicht ihre Lebensumstände – sie ist immer noch in der Wüste. Aber sie bekommt neuen Mut und neue Kraft für die Zukunft. 

Ich glaube, heute geht es vielen Menschen ähnlich wie Hagar. Menschen, die sich ausgegrenzt und gedemütigt fühlen. Menschen, die auf der Flucht sind oder in Sorge vor der Zukunft. Menschen, die suchen nach einem neuen Halt und einem neuen Sinn. Manchen sieht man es an, manche sind es im Verborgenen: Verzweifelte in der Wüste. Aber genau dort, in der Wüste, ist immer noch ein „Gott, der mich sieht“. Ein Gott, der seinen Menschen persönlich begegnet, auf Augenhöhe, in Jesus. Ein Gott, der sich auch für Menschen in der Wüste zum „Du“ macht.   

Und Gott zeigt sich Hagar so, wie er davor und danach unzähligen Menschen begegnet ist – als ein Gott, der sich allen Menschen von Herzen zuwendet. Der Menschen auch in ihren Wüstenzeiten erfahren lässt, dass sie von ihm gesehen, wertgeschätzt und geliebt sind. Und alle diese Menschen haben erlebt, wie Gott ihnen neuen Mut und neue Kraft für die Zukunft schenkt. Für sie alle macht sich Gott selbst zum „Du“. Für Sie alle wird er zu „Gott, der mich sieht“. 

Im Namen und im Auftrag dieses Gottes wollen wir als ganzes Team bei ERF – der Sinnsender im neuen Jahr allen Menschen Mut, Hoffnung und Sinn zusprechen: Vielleicht bist du gerade in der Wüste. Vielleicht fühlst du dich gerade ausgegrenzt, verstoßen und unsichtbar. Aber es gibt einen Gott, der dich sieht.  

Ich glaube, du und ich – wir alle brauchen neuen Mut und neue Kraft für die Zukunft. Und so wünsche ich dir wie auch mir selbst eine neue, echte Begegnung mit Gott in der vertrauensvollen Gewissheit: „Du bist ein Gott, der mich sieht“. 

Ein gesegnetes neues Jahr 2023 – wir bleiben in Verbindung! 

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