#WCHSN – die wahre Story

Seit drei Tagen dreht ein Teil der christlich-kirchlichen Social Media-Blase hohl. Wegen eines einzelnen Bibel-Posts. 1.200 Likes und 120 Kommentare auf Instagram, über 100.000 Reichweite auf Facebook ohne einen Euro Werbebudget, auf Twitter über 700 Retweets durch Dritte mit 7.000 Likes, und selbst bei Reddit 10.000 Upvotes und 360 Kommentare…  und das alles wegen eines einzelnen Bibelverses. Da soll noch einer sagen, das Wort Gottes bewege die Menschen nicht mehr!

Na gut, in dem Fall bewegt vielleicht nicht nur das Wort Gottes. Sondern eher die kognitive Spannung – zwischen Text und Kontext, zwischen Kommunikationsabsicht und Interpretation, zwischen Missverstandenwerdenkönnen und Missverstandenwerden, zwischen der bei manchen von Bibelmenschen erwarteten Langeweile und dem für sie dann doch überraschenden Talent für Ironie.

Was ist passiert?

Schon lange postet das Social Media Team von ERF Medien regelmäßig Bibelverse in Verbindung mit einem zentralen Begriff, der durch Vokalauslassung und mit Hashtag versehen als Hingucker fungiert. Bibelverse wie der hier:

Und alle dürfen mal raten, was gemeint ist mit dem Textfragment #RMTGNG – und der Bibelverses löst es dann im Kontext auf: Na klar, offensichtlich Ermutigung! Denn: Gott ist ein Ermutiger, wie der Apostel Paulus in 2. Thessalonicher 2,17 beschreibt.

So weit, so klar, so berechenbar. Bis letzten Montag, als unser Social Media Team eine neue Versgrafik postet, diesmal mit dem Textfragment #WCHSN. Und alle dürfen mal raten, was gemeint ist:

Und – wie soll ich sagen – ein Großteil der Kommunikationsempfänger geht bei der Interpretation in unerwarteter Richtung und Eigenständigkeit vor. Manchmal auch ein bisschen anzüglich und infantil. Und in zahlreichen Kommentaren und Retweets wird die Frage gewälzt: Können die vom ERF wirklich gemeint haben, was ich hier lese? Oder haben die nicht gemerkt, wie uneindeutig sich #WCHSN bei der Vokalergänzung verhält? So viel zur viel zitierten Ambiguitätstoleranz… können die überhaupt was dafür? Oder liegt die Missdeutung nicht ganz im Auge des Betrachters?

Und dann kommt auch noch der Bibelvers. Wieder Paulus, diesmal 1. Korinther 3,6:

Es war Gott – nicht wir – der ihn wachsen ließ.

Der Bibelvers macht es nicht besser – im Gegenteil: Er dreht die kognitive Spannung erst so richtig auf und auch die denkerische Beschäftigung mit dem Post: Wer ist „ihn“? Und wer oder was wächst hier eigentlich?

Spätestens jetzt geht’s so richtig los auf Social Media. Bei vielen scheint der Spieltrieb erwacht, Politikberater und Kirchenkritiker Erik Flügge („Die Kirche verreckt an ihrer Sprache„) fühlt sich zu einem „LOL“ bemüßigt, und selbst die BILD kommentiert „Da schmunzelt selbst die Kirche – Bibel-Fans gehen mit Schmuddel-Hashtag viral„.

Und plötzlich hat das ERF Social Media Team alle Hände voll zu tun. Das machen die Kolleginnen und Kollegen so bravourös und professionell, dass jetzt eine neue, zweite Welle durch die Blase rollt:





Wir sind am Ende dankbar für diese erhöhte Aufmerksamkeit für Bibleserver.com, wenn sie wenigstens einigen der erreichten Menschen am Ende das eröffnet, worum es uns bei den ganzen Bibel-Posts und bei Bibleserver.com überhaupt schon immer gegangen ist: Einen einladenden zeitgemäßen Zugang zu schaffen für die persönliche Beschäftigung mit dem Wort Gottes. Ob suchend, zweifelnd oder zur Not auch flachsend: Wir glauben, dass Gott selbst den größten Mix an Motiven aushält und dass sein Geist am Ende durch sein Wort seinen Job machen wird und Menschen inspiriert.

Was lernen wir daraus? Kommunikation ist immer das, was beim Empfänger ankommt. Ein professionelles Social Media Management endet nicht mit dem Posten, sondern sucht die gewinnende Interaktion. Und: Sollten Christen, ihre Gemeinden und Kirchen in ihren Medienaktivitäten manchmal vielleicht weniger auf die Weitergabe wasserdichter Wahrheiten fixiert sein und ihren Rezipienten stattdessen durchaus auch mal kognitive Spannungen zumuten? Als Chance zum Hinschauen, Reflektieren und zum #WCHSN?

Zum Schluss möchte ich hier noch die eine Frage auflösen, zu der es in den sozialen Netzwerken bisher nur wilde Vermutungen gibt: War die ganze Nummer am Ende gar… Absicht? Ich weiß es aus sicherer Quelle: #HRLCH NCHT.

PS: Wie auch immer man #WCHSN persönlich mit Vokalen füllen möchte – wir haben das passende weiterführende Medienangebot: Entweder Das Jesus-Experiment oder Raus aus der Pornofalle

5 Antworten
  1. Iris Sommer

    Ist schon eigenartig, was Menschen so hinein interpretieren. Auf diesen Zusammenhang wäre ich nie gekommen. Es gibt durchaus manchmal Rätsel, wo ich es auch nicht erraten kann, weil es aus dem Vers nicht deutlich wird. Doch eh ich da irgendwelche Spekulationen anstrebe , frage ich in solchen Fällen direkt über Facebook bei Bibel Server nach. Bekomme auch sehr schnell Antwort. Doch mittlerweile wird es besser, je mehr Bibelwissen, desto einfacher erscheint mir die Lösung. In diesem Fall wäre es sinnvoll gewesen, den Vers in der Bibel nachzuschlagen. Wieder ein Gebetsanliegen, Ihr als ERF müsst echt ein starkes Rückgrat besitzen. JESUS segne Euch. Ganz herzliche Grüße von einem User und Fan von Euch. Mit ERF segensreichen Grüßen Iris Sommer

  2. Alfred Förster

    Wachset in der Gnade unseres Herrn Jesus Christus! – In allem brauchen wir Jesus. Darum hat Gott ihn zu uns auf die Erde geschickt. Weil, weil wir nicht mit unserem Menschsein fertig werden. Werden schuldig, schlagen uns gegenseitig tot, sei es durch Worte oder Taten. Fing scho bei Kain an. – Herr, Vater im HImmel erbare dich meiner, das ich nicht so handle weie Kain. Mache mich neu durch Jesus deinem Sohn. Gib mir deine verändernde Kraft deiner Liebe und Gnade.

  3. Hach. Ich bin begeistert – hier wird es wunderbar aufgelöst und weiter geführt. Auch wenn ich ein wenig betrübt bin aufgrund der beraubten Illusion, dass es nicht so geplant war… 😉 Was aber euer Reden und Posten noch viel sympathischer macht. Und mein Respekt #wchst! Gott hat Humor – schön, wenn wir ihn auch haben. Und wer wenig Humor hat, der bete um #wchstm. 😇

  4. Peter Frenzer

    Herrlich! Nicht nur der viral gegangene Post, sondern auch Deine Story dazu, Jörg. Als Abonnent des täglichen ERF-Newsletters (sehr zu empfehlen!) habe ich zugegebenermaßen am frühen Morgen auch kurz gestutzt, aber selbst vor dem ersten Kaffee konnte ich schnell erkennen, was mit #wchsn wirklich gemeint war.

  5. fuanegua

    Das Problem ist, dass dieses Wort ohne Vokale nunmal so ausgesprochen wird. Der Laut, der zwangsläufig zwischen W und CH ensteht, siedelt sich zwischen E und I an, aber ganz sicher nicht beim A. Und der automatische Schwa-Laut zwischen S und N ist dann auch wieder ganz korrekt. So entsteht das Ganze eben ganz ohne Vokale, wenn man es gedanklich ausspricht. Da braucht es also auch keine große Phantasie.

    Letztendlich ist es trotzdem schade, dass es gerade mal zu einem „Gott hält so etwas aus“ führt. Wer hat denn den Penis samt seiner Errektion und das zugehörige Sperma geschaffen und am Ende alles für „gut“ befunden?
    Wer steht denn für himmlischen Sex in voller Liebe und Hingabe?
    Eigentlich sind wir Christen diejenigen, die den Weg zur erfüllten Sexualität aufzeigen können, stattdessen baden wir uns in unserer eigenen Verklemmtheit und rechtfertigen das auch noch biblisch. Das ist die eigentliche Sünde, und die Strafe ist, dass so viele Suchende nichts von unserem Schatz wissen wollen.

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