Stichwort: Veränderung

Immer wieder neu denken

Es ist ein Modewort und zugleich ein Schlüsselbegriff für viele Organisationen: Innovation. Das Dumme an Innovation ist: Wenn man sich nicht aktiv drum kümmert, geht sie verloren. Wie können Organisationen dem entgegenwirken und immer wieder neu denken?

In seinem Artikel „Six Ways to Create a Culture of Innovation in your Church“ liefert Rick Warren ein paar wichtige Erkenntnisse zum Thema „Innovation“:

1. Eine Theologie der Innovation: Wie denken und lehren wir über Innvation, Erneuerung, Kreativität? Ist Veränderung notwendiges Übel oder gar zeitgeistige Bedrohung? Oder beschreibt unsere Theologie einen Schöpfer, der es liebt kreativ zu sein und der es liebt, wenn seine Kreaturen selbst ebenfalls kreativ sind? Alle Kinder sind kreativ. Als Erwachsene bekommen wir sie dann ausgetrieben, und meist aus Angst. Was wird durch unsere Theologie gefördert: Wiederentdeckung kindlicher Ideenfreude oder die erwachsene Angst vor Fehlern und dem Urteil Anderer?

2. Eine kreative Atmosphäre: In welcher Art von Umgebung können wir kreativ sein? Wenn das nicht der Sitzungsraum mit dem großen rechteckigen Tisch ist, warum verbringen wir dann soviel Zeit im Sitzungsraum mit dem großen rechteckigen Tisch? In welchen Raum, in welche Umgebung, in welche Körperhaltung kann ich mich begeben, damit ich wirklich kreativ denken kann?

3. Eine spielerische Art. Dazu gehört ein Schutzraum vor vorschneller Kritik, Lachen und Verrücktheit. Wer den selbst ernannten Machbarkeitsexperten und Ordnungswächtern zu früh zu viel Einfluß gewährt, wird sich mit Innovation schwer tun.

4. Die Freiheit, Fehler zu machen. Wer innovativ ist, hat vor allem viele Ideen, die nicht funktionieren. Darf man in deiner Gemeinde experimentieren? Dinge tun, die man noch nie getan hat? Dinge versuchen, die wirklich schief gehen können? Wirklich innovative Organisationen erzeugen deutlich mehr Ideen, die nicht funktionieren – als solche, die es dann letztlich tun!

5. Die Freude, groß zu denken. Sicherheitsdenken im kleinen Rahmen ohne großes Risiko bewahrt eine Organisation vor Fehlern. Aber es verhindert auch Innovation. Erst wenn wir unseren eigenen berechenbaren Erfahrungsraum verlassen, sind wir tatsächlich offen für wahrhaft neue Ideen (und wir sind auch verzweifelt auf sie angewiesen).

6. Etwas tun, das wirklich bedeutsam ist. Neues um des Neuen willen trägt nicht lange. Die „coole trendige Gemeinde“ zu sein mag sich gut anfühlen – aber wahre Innovation beruht nicht auf dem Kopieren von Modeerscheinungen. Immer wieder neu denken, innovativ sein – das geht langfristig nur, wenn wir dicht dran sind an dem, was Gott uns anvertraut hat. An dem, was das Leben von Menschen verändert. An dem, was wirklich bedeutsam ist.

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Steve Jobs & ich

Heute nacht ist Steve Jobs gestorben, heute morgen sind die Online-Ausgaben der großen Zeitungen voll davon. Und ich merke dass ich selbst seltsam berührt bin vom Tod eines Menschen, den ich nicht persönlich gekannt habe, der nicht mehr war als der Chef einer Firma, die mein Handy hergestellt hat und meinen Computer.

Warum eigentlich?

Ist das nur die Kehrseite des völlig überdrehten Medien-Hypes der letzten Jahre, die den Hersteller technisch mittelmäßiger Mobiltelefone völlig übertriebenerweise zur wertvollsten Firma der Welt gemacht? Ist das ein Zeichen, einem Technik-Kult erlegen zu sein, der eindeutig religiöse Züge trägt und ein völlig übersteigertes Konsumdenken befördert hat?

Vielleicht ist da etwas dran. Aber ich glaube, da ist mehr, warum mich die Nachricht vom Tod von Steve Jobs berührt:

1. Die Lebensleistung. Jobs ist einer der letzten Pioniere aus der Anfangszeit des Silicon Valley gewesen. Lange bevor das Internet kam und die Mark Zuckerbergs (Facebook) und Larry Pages (Google) dieser Welt reich und berühmt gemacht hat. Jobs hat in der Garage seiner Eltern den ersten Apple-Computer mit Holzgehäuse zusammengeschraubt, ein Unternehmen gegründet, er wurde aus seinem eigenen Unternehmen rausgeworfen, ist Jahre später wiedergekommen – und hat Apple heute zur wertvollsten Firma der Welt gemacht. Bei vielen Fehlschlägen ist er immer ein Innovationstreiber gewesen – mit massiven Auswirkungen darauf, wie wir heute unsere Computer benutzen (Bedienoberfläche), Musik hören (MP3 Player), Filme machen (Pixar) oder mobil telefonieren (Touchscreen). Vieles davon gab es schon, vieles machen andere technisch besser – aber Jobs hat immer wieder alles auf eine Karte gesetzt und hat mit Apple Neuland betreten. Davor habe ich Respekt.

2. Die Leiterschaft. Vermutlich war Jobs kein angenehmer Chef. Die Informationen aus dem Apple-Imperium sind dünn gesät; es scheint plausibel dass er ein Kontrollfreak war und nicht selten diktatorische Züge im Umgang mit seinen Mitarbeitern an den Tag legte. Vermutlich hätte ich nicht gerne mit ihm zusammen gearbeitet. Aber dennoch hat mich an seinem Leitungsstil vieles inspririert und mir wichtige Fragen für meine eigene Leiterschaft mitgegeben: Habe ich den Mut, kreative neue Wege zu beschreiten und nicht einfach das zu kopieren, was andere tun? Habe ich den Mut, einen als richtig erkannten Weg auch bei Kritik und Unverständnis beizubehalten?  Habe ich den Mut, meine eigene Lebensberufung auszuleben? Und: Werde ich einmal den Mut haben, eine Verantwortung rechtzeitig innerlich und äußerlich loszulassen, wenn es dran ist?

3. Der Mensch. Erfolg erzeugt Kritiker. Was wurde in der Fachpresse in den letzten Monaten nicht diskutiert, hinterfragt und kritisiert: Was wird aus Apple wenn Jobs einmal stirbt, warum trifft er keine Nachfolgeregelung? (Es gab sie längst, und Jobs hat sich rechtzeitig zurückgezogen.) Warum ist die Vorstellung des iPhone 4S so wenig begeisternd verlaufen? (Dienstag abend wusste die Apple-Führungsriege vermutlich schon, dass Steve Jobs nur noch Tage zu leben hätte.) Warum spendet Steve Jobs eigentlich nicht einen Teil seines Vermögens so wie andere? (Inzwischen weiß man, dass er viel mehr gespendet hat als andere, die sich öffentlich gerne als Wohltäter zeigen.) Ob diese Kritik nun berechtigt ist oder nicht – es ist vor allem auch ein Mensch gestorben, so wie es zehntausendfach jeden Tag auf dieser Welt passiert. Bei allem Hype hat Jobs seine Frau und seine Kinder stets von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Im Kreis dieser Familie ist er nun gestorben, und diese Familie trauert um ihren Ehemann und Vater wie unzählige andere Familien heute auch auf der ganzen Welt.

Umso befremdlicher finde ich, wenn sich manche Christen im Netz an der Frage abarbeiten, ob da jetzt ein ehemals überhöhter Technik-Messias dem echten Messias begegnet, oder ob Jobs christliche Glaubensüberzeugungen hatte. Ist das das erste und wichtigste, was Christen zum Tod von Steve Jobs zu sagen haben?

Ich finde, als Christ ist die eigentliche Frage an mich heute eine ganz andere. In Abwandlung der Rede von Jesus über „den schmalen und den breiten Weg“ (Matthäus 7,13) formuliert:

Stell dir vor, es gibt einen breiten Weg, auf dem alle gehen, der aus Routine besteht, der normal ist, üblich, einigermaßen frei von Kritikern, risikolos, berechenbar und bequem. Und es gibt einen schmalen, steinigen, mühsamen Weg, auf dem ich Widerstände überwinden muss und meinen inneren Schwenehund, auf dem mir Unverständnis und Kritik der Umgebung entgegenschlägt. Ein Weg, auf dem ich viele Rückschläge einstecken muss, der mich letztlich in die eigene Lebensberufung hineinführt, ein Weg der dazu führt, dass die Welt ein Stück besser wird, dass das Leben vieler Menschen positiv verändert wird, dass Menschen gesegnet werden, dass sich das Reich Gottes ausbreitet.

Wenn ich diese beiden Wege vor mir hätte – welchen würde ich wählen?

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Dafür, dagegen oder dazwischen?

„Früher war alles besser“ oder „es kann nur besser werden“? Es gibt mehr als diese zwei Haltungen in Veränderungsprozessen, vermutlich so viele, wie es Menschen in einem Team gibt. Sobald jemand eine Veränderung in einem Team ankündigt, gibt es bei den Teammitgliedern Spontanreaktionen: Grundmuster, in denen wir auf die anstehende Veränderung reagieren. Die Teammitglieder lassen sich in verschiedene Grade von „dafür“, „dagegen“ oder „dazwischen“ aufteilen.

Meist kommt dabei eine Häufigkeitsverteilung heraus, die z.B. Geoffrey A. Moore in seinem Buch „Dealing with Darwin“ im Fall technischer Innovationen so darstellt:

Je nach Grundmuster der persönlichen Reaktion auf anstehende Veränderungen unterscheidet Moore zwischen…

  • Technikfans – Sagen zu allem erstmal „Ja“ und probieren gerne neue Dinge aus
  • Visionäre – Lassen sich gerne schneller als Mehrheit auf Veränderungen ein
  • Pragmatiker – Machen mit, wenn es die meisten anderen auch tun
  • Bewahrer – Bleiben lieber erstmal bei dem, was sich bewährt hat
  • Skeptiker – Sagen zu allem erstmal „Nein“

Die Begriffe mögen eher auf technische Erfindungen passen – die Grundmuster gegenüber Veränderungen und ihre Häufigkeitsverteilung in Teams dürften beinahe universell sein. Wer ein Team von Mitarbeitern in einer Organisation, einer Gemeinde, einer Firma, einem Sportverein oder wo auch immer leitet und das Team mit anstehenden Veränderungen konfrontiert, wird mit diesem Spektrum an Reaktionen rechnen können (und müssen).

Um damit konstruktiv umzugehen und alle Mitarbeiter in ihren Reaktionsmustern wertschätzend begegnen zu können, ist nun ein wenig Selbstreflektion für Leiter dran. Ich finde drei Fragen hilfreich, die Brian Barela dazu aufwirft:

  1. Welche Beschreibung trifft am ehesten auf dich selbst zu? (zeigt dir auch, wo du Leiter Ergänzung brauchst: Wenn du jeden neuen Trend mitmachst, solltest du z.B. einen Bewahrer in Leitungsverantwortung einbinden)
  2. Wie setzt sich dein Team aus den verschiedenen Typen zusammen? Wie ist die Teamkultur geprägt?
  3. Welche positiven Gesichtspunkte bringen die verschiedenen Typen in Veränderungsprozesse ein? (hilft, Mitarbeiter wertzuschätzen, unabhängig von ihrem Veränderungs-Grundmuster. Die „Techies“sind nicht einfach die „Guten“, und die „Skeptiker“ die „Bösen“)

Viel Spaß beim Reflektieren. Und dann beim Verändern. Falls du nichts dagegen hast…

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