Stichwort: Vertrauen

Pfingsten und Kontrollverlust

Am Wochenende ist Pfingsten: Geburtsstunde der christlichen Gemeinde, Stunde Null der Mission, Geist-Fest. Heute morgen sagte eine Kollegin (sinngemäß): „Wir haben in Deutschland den Heiligen Geist ein Stück weit wiederentdeckt – jetzt müssen wir nur noch lernen, dass wir nicht den Geist dirigieren, sondern er uns“. Es geht also nicht um die Frage „Hast du den Heiligen Geist?“, sondern um „Hat der Heilige Geist dich?“.

Ich finde, meine Kollegin spricht damit etwas an, was in allen Menschen tief verankert ist (und erst recht im aufgeklärten, individualistischen Westen): Kontrolle. Wir können viel ertragen, aber fast nie, die Kontrolle abzugeben. Wie viele Leute versuchen vor Gott wegzulaufen, weil sie die Kontrolle nicht verlieren wollen? Und wie viele Leute versuchen fromm zu sein, weil sie meinen, dadurch Kontrolle über Gott zu gewinnen? (mehr über die „zwei verlorenen Söhne“ z.B. von Tim Keller bei The Prodigal God).

Die Angst vor Kontrollverlust beschränkt sich meiner bescheidenen Erfahrung (im Selbstversuch und im Leben mit Anderen) nach auch nicht auf den Heiligen Geist. Es geht uns mit der ersten oder der zweiten Person der Dreieinigkeit nicht anders. Und deshalb sind Erkenntnis und Erfahrung des Heiligen Geistes nicht die Vorstufe zum Abgeben von Kontrolle – sondern genau anders herum wird ein Schuh daraus: Erst wenn ich im Angesicht von Gottes Güte und Treue lerne, ihn nicht mehr kontrollieren zu wollen, werde ich offen für sein Reden und Eingreifen, auch übernatürlich. Und entdecke dabei neu den Heiligen Geist genauso wie den Vater und den Sohn.

Und es geht mir richtig gut dabei – auch ohne Kontrolle.

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Wo klopfst du?

Menschen sind Klopfer. Jeder von uns. Wir alle.

Wir klopfen auf den Tisch, um unserer Meinung besondere Durchschlagskraft zu verschaffen.
Wir klopfen Vereinbarungen fest, damit sie sich im Alltagsgewusel nicht wieder losrütteln.
Wir klopfen auf den Busch, um jemanden zu einer Reaktion zu provozieren.
Wir klopfen uns auf den Oberschenkel, wenn wir etwas besonders lustig finden (oder wenn wir am Lagerfeuer „We will rock you“ von Queen nachgrölen).

Wir klopfen jemand anderem auf die Schulter, wenn wir finden dass er oder sie etwas gut gemacht hat. Manchmal sind wir es selbst, die sich auf die Schulter klopfen.

Bei den meisten Menschen bleibt es beim „manchmal“ – zum Glück. Aber jeder von uns kennt Männer und Frauen, die sich bei jeder passenden (oder unpassenden) Gelegenheit selbst auf die Schulter klopfen. Bei diesen „Klopfern“ schwingt zwischen den Zeilen immer ein „ich bin gut“ mit. Genauer gesagt: Ein „bin ich nicht gut?“. So erfolgreich, souverän und von sich selbst eingenommen mancher auch scheint, ganz tief innen ruft ein kleines Kind nach Anerkennung.

Anerkennung – vielleicht wurde sie den einem Klopfer von einem harten oder abwesenden Vater vorenthalten. Vielleicht ist sie aus dem Blick geraten durch Lebenskrisen und eine Reihe falscher Entscheidungen. Vielleicht…

Sicher ist: Gott spricht zu dem Kind ganz tief innen. Gott spricht Wert zu. Gott spricht Anerkennung zu, um Jesu Willen, nabhängig von einer nach außen sichtbaren Leistung. Alles was es braucht, um Gottes Reden zu hören, ist Klopfen. Nicht das Klopfen auf die eigene Schulter. Sondern das Klopfen an die Tür zum Herz Gottes. Jesus hat seinen Freunden einmal versprochen (Matthäus 7,7):

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

Die Frage ist: Wo klopfst du? Du kannst nur eins von beiden – dir auf die eigene Schulter klopfen und mit deiner eigenen Leistung stehen und fallen. Oder an die Tür zum Herz Gottes klopfen. Und erleben, wie das Versprechen von Jesus an dich war wird: Gott macht dir die Tür zu seinem Herzen auf. Er spricht dir Wert zu. Er gibt dir Anerkennung.

Eigene Schulter oder Tür zum Herz Gottes – du kannst nur an eine Stelle klopfen. Wo klopfst du?

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Sprung ins Wasser

Hab heute meine Tochter vom Schwimmunterricht abgeholt. Zum Schluss mussten die angehenden Wasserratten vom Beckenrand über eine Stange ins Wasser hopsen. Meine Tochter bückte sich… ganz tief runter… (na, spring endlich)… noch tiefer… (was macht sie da nur?)… dann hält sie sich mit der Hand an der Stange fest und wuchtet ihren schwimmgürtelbewehrten Körper wie ein Hochspringer im Straddle-Stil bäuchlings über die Stange.

„Warum bist du nicht einfach reingesprungen (wie die anderen)“, will ich nachher wissen, während ich ihr unter dem (kostenpflichtigen) Schwimmbad-Helm-Fön die Haare trockenreibe. Ihre kurze, klare, schnelle Antwort: „Weil ich den Boden nicht gesehen habe, auf den ich springen sollte“. „Aber das Wasser trägt dich doch, nicht der Boden untendrunter…!“ – einige Stunden später habe selbst ich erkannt, dass man diesen Einwand nicht theoretisch verstehen kann. Man muss es ausprobieren.

Manchmal sind Christen ganz schön ängstliche Leute. Manchmal bin ich ganz schön ängstlich. Warum nur? Warum fällt es mir manchmal so schwer, auf Gottes Versprechen hin zu springen? Nur ein bisschen zu springen?

Ich klammere mich an alle möglichen Krücken und Hilfskonstrukte, um irgendwie vorwärts zu kommen. Alles nur weil ich den Boden nicht sehe, Gottes Gründe und Be-Gründungen nicht komplett erkennen, verstehen und nachvollziehen kann. Aber es ist das Wasser, das mich trägt, nicht der Boden. Es ist der Charakter und die Treue Gottes, die mich tragen – nicht dass ich alle seine Gründe komplett und rechtzeitig vorher nachvollziehen kann…

Ich hoffe, dass ich dieses Vertrauen von Mal zu Mal ein bisschen besser lernen kann. So wie meine Tochter das Springen vom Beckenrand.

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