Stichwort: Werte

Zaun oder Brunnen?

Im ansonsten eher komplizierten und umständlich geschriebenen Buch „Die Zukunft gestalten“ habe ich eine interessante Gegenüberstellung gefunden – zwischen einer „Fokus-orientierten“ und einer „Status-orientierten“ Gemeinschaft:

Die „Status-orientierte“ Gemeinschaft ist an den Rändern fest definiert (was geht, was geht nicht, wer ist drin, wer ist draußen, was sind die klaren Anzeichen wer dazu gehört und wer nicht), aber ihr Mittelpunkt ist dagegen eher unscharf. Hauptsache, man hält sich innerhalb der „Einzäunung“ ein. Dieser fest definierte Rand hält Leute gleichermaßen drinnen – wie auch draußen. Er sorgt dafür, daß Leute eine Hürde überwinden müssen um dazuzugehören – und dass die Leute drinnen sich vor allem über ihr Verhältnis zum Rand definieren (wir ziehen die richtigen Sachen an, verwenden die richtige Sprache, hören die richtige Musik, usw.).

Das Gegenteil ist die „Fokus-orientierte“ Gemeinschaft: Die Ränder bleiben unscharf, dafür ist der gemeinsame Mittelpunkt klar definiert: Was ist unsere Mitte, unsere Botschaft, unsere Werte, unser Selbstverständnis? Die Mitglieder einer solchen Gemeinschaft können individuell sehr verschieden und auch verschieden weit vom gemeinsamen Fokus weg sein. Aber diese Mitte ist anziehend – egal wie weit man von ihm weg ist, ob „drin“ oder „draußen“.

Im Bild eines Bauernhofs beschrieben: „Status-orientierte“ Gemeinschaften errichten einen Zaun, „Fokus-orientierte“ Gemeinschaften einen Brunnen.

Welcher Art von Gemeinschaft entspricht die Kirche/Gemeinde, die du kennst? In welcher Art von Gemeinschaft willst du lieber leben? Warum?

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Hauptsache Grün

Ohne Regen wird der Rasen braun – auch in der israelischen Küstenstadt Netanja. Künstlich bewässern wollen die Stadtväter angesichts einer Dürreperiode den Rasen auch nicht. Die Lösung: Lebensmittelfarbe. 40 Hektar Rasenfläche im Stadtgebiet sollen kurzerhand auf frisch gefärbt werden. Das ist vergleichsweise kostengünstig (nur 18.000 Euro) und auf den ersten Blick nicht von wirklich frischem gesunden Rasen zu unterscheiden.

Hauptsache Grün.

Einziger Nachteil: Bei näherer Betrachtung – oder vielmehr Besetzung – färbt die Lebensmittelfarbe auf Hosenböden und andere Kleidung ab. Deshalb sollen zunächst nur Verkehrsinseln und Straßenränder eingefärbt werden, auf denen meistens eh niemand sitzt.

Hauptsache die Optik stimmt, hoffentlich kommt niemand zu nahe und findet die Wahrheit raus, abfärbende Folgen von „mehr Schein als Sein“… die Assoziationen mit manchmal leider real existierenden Glaubens-, Lebens- und Gemeindestilen sind nahezu unerschöpflich.

Dabei ist Jesus immer hinter „innen gesund“ her – und nicht hinter „außen grün“…

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Würde Jesus bei IKEA einkaufen?

Würde Jesus bei IKEA einkaufen?So heißt ein neues Andachtsbuch von Tobias Faix. Schon wieder ein Andachtsbuch? Nicht ganz… drehen sich die meisten Bücher dieser Kategorie meistens um meine geistlichen Innenansichten (zugegeben – meine eigenen Andachten tun das oft auch…), wagt Tobias Faix den Blick über den Tellerand. Und er wagt ihn nicht nur – er provoziert ihn geradezu. Was hat Glaube mit der Globalisierung zu tun? Mit Armut in den Schwellenländern der Dritten Welt? Mit Umweltschutz? Wo stößt das Evangelium heute noch an im Supermarkt der Spiritualität… die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Genau deshalb habe ich das Buch dann doch nicht zu Ende gelesen: Man kann es eben nicht konsumieren wie „schon wieder ein Andachtsbuch“. Entweder man legt nach dem ersten Kapitel das Buch weg und investiert in die Umsetzung. Oder man wird als Leser dem Buch nicht gerecht. So wollte ich das Buch nicht behandeln – aber zu zusätzlichen radikalen Investitionen fehlt mir im Moment auch die Power und Übersicht.

Daran merke ich, wie stark ich selber auf den Konsum geistlicher Inhalte gepolt bin. Vielleicht sollten wir deutlich weniger Andachtsbücher lesen. Um mehr Zeit, Luft und Kraft für die Umsetzung ins wirkliche Leben zu haben…

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