Der tut nichts, der will nur spielen

Jetzt wäre es fast gelungen, das brutale Farbmassaker mit dem hübsch-harmlosen Namen Paintball endlich zu verbieten.
Zwar hat keiner der Beteiligten der Amokläufe der letzten 20 Jahre Paintball gespielt (dafür aber Zugang zu privaten Waffen gehabt und/oder große Teile der Freizeit mit gewaltverherrlichenden Computerspielen verbracht). Aber weil die Freizeit-Farb-Verspritzer aus der Paintball-Szene keine große Lobby haben, schien es einigen Politikern den Versuch wert zu sein, Aktivität zu demonstrieren ohne wirklich schmerzhafte Wurzelbehandlungen des Problems riskieren zu müssen (falls es überhaupt identifizierbare Wurzeln gibt).
Liebe Politiker, ich finde, dieser Versuch ist nicht zu Ende gedacht gewesen:
Wie viele Schulhöfe verwandeln sich im Winter in Schauplätze menschenverachtender Killerspiele? In so genannten „Schneeballschlachten“ wird mit voller Absicht das Zielen auf Menschen eingeübt. Oft werden die Wurf-Schwächsten dabei zu Opfern einer ganzen Meute von Angreifern. Allein der Begriff „Schlacht“ sollte den Jugendschutz umgehend aufhorchen lassen und zum Eingreifen bewegen!
Nicht besser steht es um das Freizeitverhalten Heranwachsender auf sich als harmlos tarnenden Volksfesten: Mit großen Holzhämmern wird auf Köpfe eingeschlagen, unter dem Johlen der Menge entflammt der Wettstreit, wer die stärksten Schläge austeilen kann. Schon der Name dieses angeblich harmlosen Spiels ist ob seines Aufforderungscharakters menschenverachtend: „Hau den Lukas“.
Also, liebe Politiker – wenn Ihr meint politisch korrekt und medienwirksam aber dafür völlig an der Sache vorbei aktiv werden zu müssen: Denkt Eure Vorschläge demnächst bitte zu Ende! Oder wollt ihr gar nichts effektiv tun, sondern nur Aktivität vor-spielen?
Übrigens: Was die Schneeballschlacht angeht, wird Euer Eingreifen vermutlich gar nicht notwendig sein – die globale Erwärmung dürfte das Gewaltrisiko zumindest in unseren Breiten von ganz alleine reduzieren…