Der Anfang der Hoffnung

„Die Stärke einer Gesellschaft zeigt sich an ihrem Umgang mit den Schwachen“ – dieser Satz ist bei Politikern so populär, das ich keinen einzelnen Urheber für dieses Zitat ausmachen konnte.

Es gab und gibt immer wieder Gesellschaften, die aus einer moralischen Stärke heraus Schwache  auffangen und mittragen. Und es gibt andere Gesellschaften, in denen das Recht des Stärkeren gilt und die Schwachen unter die Räder geraten.

Ein solches Negativbeispiel beschreibt Psalm 94: Das Volk Israel leidet unter dem Recht des Stärkeren. Bisherige Wertvorstellungen werden mit Füßen getreten, korrupte Richter beugen das Recht, die Schwachen zahlen die Zeche. Witwen, Waisen und  Ausländer müssen um ihr Leben fürchten.

Aber Psalm 94 ist keine Analyse, sondern ein Aufschrei, ein verzweifeltes Gebet: Gott, lege endlich denen das Handwerk, die ihre Stärke missbrauchen!  Gott, lass nicht länger zu, dass deine Leute – die Menschen, die an dich glauben und dir vertrauen – unter die Räder geraten! Und mittendrin im Aufschrei: Ein kleines, funkelndes Stück Gewissheit, in Psalm 94,14:

Der Herr wird doch sein Volk niemals verstoßen – sein Eigentum lässt er nicht im Stich!

Gott steht auf der Seite der Schwachen. Gott gibt die Menschen, die ihm vertrauen, nicht verloren. Gott  nimmt die Schwachen so wichtig, wie einer sein Eigentum wichtig nimmt.

Diese Gewissheit ist der Anfang von Hoffnung: Wer mit der Gnade Gottes rechnet, ist nicht länger nur der Gnade der Starken ausgeliefert.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

Mehr

Mit Gott auf Tuchfühlung

Kennen Sie das Bild aus der Sixtinischen Kapelle im Vatikan? Das, wo sich Gott und Mensch die Arme entgegenstrecken und sich beinahe mit den Fingerspitzen berühren? Auch wenn Sie noch nie in Rom waren, haben Sie das bestimmt schon gesehen, denn das Deckenfresko von Michelangelo ist eines der am häufigsten reproduzierten Kunstwerke der Welt.

Michelangelo hat mit seiner Darstellung eine widersprüchliche Empfindung getroffen, die viele Menschen teilen: Zwischen Gott und Mensch herrscht Distanz – und doch sind Gott und Mensch aufeinander bezogen, fast auf Tuchfühlung. Das haben Menschen schon Jahrtausende vor Michelangelo erlebt. Nicht in Rom, sondern in der Wüste rund um den Berg Sinai. (mehr …)

Mehr

Gleiches Recht für Alle

Gleiches Recht für alle! So lautet ein wichtiger Grundpfeiler des modernen Rechtsstaats. Alle Menschen sind Recht und Gesetz in gleicher Weise unterworfen, unabhängig von ihrem Ansehen bei Anderen, ihrer Machtposition in der Gesellschaft und ihrem persönlichen Besitz.

Machen wir uns nichts vor – seit es uns Menschen gibt, versuchen wir gut dazustehen, zu behalten was wir haben, uns einen Vorteil zu verschaffen. Wer bekommt das größte Stück vom Kuchen ab, die meiste Aufmerksamkeit der Lehrerin, die Beförderung im Büro? Wer fährt das bessere Auto, bucht den schöneren Urlaub, hat die attraktivere Figur?

Zum Problem wird mein Streben nach „mehr“ und „besser“ dann, wenn es mit dem Streben meines Mitmenschen kollidiert. Dann ist Konfliktlösung angesagt: Wer ist im Recht? Was ist richtig? (mehr …)

Mehr