Knick im Buch

„Gehe sorgfältig mit Sachen um, die du dir ausgeliehen hast“. Ich dachte eigentlich, ich hätte diesen Satz verinnerlicht – bis zu diesem Tag während meiner Studienzeit, als ich mir von Rainer ein Buch auslieh. Rainer war ein guter Freund, seine Eltern hatten mal eine Buchhandlung geführt, und entsprechend wichtig war die Unversehrtheit von Büchern in Rainers Familie. Gerne lieh er mir eins seiner Bücher aus, und ich ging so mit dem Buch um, wie ich eben mit Büchern so umgehe. Nicht mutwillig, aber eben nicht wie ein Buchhändler.

Ein kleiner aber feiner Unterschied, den ich kennen lernen sollte, als ich Rainer das ausgeliehene Buch zurückgab. (mehr …)

Mehr

Herr Z und das bedürftige Herz

Herr Z hatte es gut. Mit unternehmerischem Geschick hatte er sich eine lukrative Existenz aufgebaut. Alle Menschen, die er kannte, mussten nach seiner Pfeife tanzen. Die einen, weil sie für ihn arbeiteten. Die anderen, weil sie ihm ständig Geld schuldeten. Die ganze Stadt kannte ihn, die ganze Stadt empörte sich über ihn, aber das schien ihm wenig auszumachen. Er lebte im Luxus. Herr Z hatte wenige Freunde, aber viel Geld.

Bis eines Tages Jesus in seine Stadt kam. Wir finden die Geschichte im Lukasevangelium Kapitel 19. Herr Z wird dort mit vollem Namen genannt: Zachäus, der Oberste der Zolleintreiber. Von der römischen Besatzungsmacht hatte er die Lizenz ersteigert, Zölle zu erheben. Längst hatte er andere eingestellt, die an den Stadttoren saßen und für ihn arbeiteten. Zachäus war als der, der mit den ungeliebten Römern zusammenarbeitete und als superreicher Finanzhai die Zielscheibe für den Volkszorn. Er war zudem auffallend kleinwüchsig, und es würde mich wundern, wenn man keine stadtbekannten Spottlieder auf ihn gedichtet hätte.

Eines Tages kommt Jesus in seine Stadt – Jericho. Zachäus ist schaulustig wie alle anderen auch, aber er ist klein, er ist unbeliebt, er mischt sich nicht gern unters Volk. Also klettert er auf einen Baum. Der Evangelist Lukas hat aufgezeichnet, was dann passiert – Lukasevangelium Kapitel 19 Vers 5: (mehr …)

Mehr