Gott schreibt Briefe

Hatte vor ein paar Tagen meine Bibel in der Hand – mittlerweile schon ein altgedientes Exemplar. Außenrum eine Schutzhülle, die man mit einem Reißverschluß öffnen und schließen kann. Vorne drauf eingeprägt steht mein Name. Das ist praktisch: Auch wenn ich die Bibel irgendwo aus Versehen liegen lasse, landet sie immer wieder in meinen Händen – ehrliche Finder vorausgesetzt. „Ist schon praktisch“, dachte ich, „meinen Namen als Besitzer außen drauf stehen zu haben“.
Während ich auf meine Bibel starrte, formte sich langsam, fast unmerklich ein Gedanke in meinem Hinterkopf: Eigentlich bezeichnet mein Name auf der Schutzhülle gar nicht den Besitzer dieses Buches – sondern den Empfänger. Wie die Adressangabe oder die Anrede in einem Brief bedeutet mein Name an dieser Stelle: Dieses Buch ist für Dich. Von Gott, für Dich!
Ist das wirklich so weit hergeholt? Wir meinen, die Bibel zu besitzen, mit einem Reißverschluß unter Verschluß zu halten – und dabei ist die Bibel trotz und in ihrer gesamten Entstehungsgeschichte auch ein Brief Gottes an seine Menschen… auch an mich? Redet Gott nicht manchmal sehr persönlich durch Worte, die mich mit einem Mal ganz unmittelbar angehen?
Ich will meinen Namen auf der Schutzhülle in Zukunft ganz bewusst lesen, bevor ich die Bibel aufschlage. Er symbolisiert für mich: Dieses Buch ist für Dich bestimmt. Dieses Wort ist an Dich gerichtet. Dieses Buch ist Gottes Liebesbrief… an Dich.