Wenn Aufhören die beste Entscheidung ist

Heute habe ich als Mitgesellschafter und Geschäftsführer der sinnkubator gGmbH verkündet, was kein Gründer oder Unternehmer gerne tut: Wir hören auf (unser offizielles Statement findest du hier).

Nicht weil wir keine Leidenschaft mehr für das Thema Entrepreneurship im christlichen Kontext hätten – im Gegenteil. In den letzten 14 Monaten Aufbauarbeit bei sinnkubator ist uns immer wieder große Dankbarkeit für unser Engagement begegnet, und immer wieder auch erwartungsvolle Resonanz: Ja, mehr unternehmerisches Denken und Handeln für eine wirksame Umsetzung von neuen Ideen mit christlichem Impact brauchen wir – in christlichen Kirchen, Gemeinden, Non Profit-Organisationen und Verbänden.

Ich habe zusammen mit meinen Mitgesellschaftern bei der Aufbauarbeit für sinnkubator seit Anfang 2025 unfassbar viel gelernt. Nicht in der Theorie, sondern in der Praxis. Über das Abenteuer „Gründen“, über christliche Gründerinnen und Gründer, über Finanzierungsmodelle und über die Chancen und Grenzen von Entrepreneurship im christlichen Kontext. Und wie es sich ganz persönlich anfühlt, nach 25 Jahren in einer vergleichsweisen großen Organisation wie ERF – der Sinnsender und 10 Jahren in der Rolle des Vorstandsvorsitzenden wieder auf die grüne Wiese zu gehen, wo noch nicht viel ist aber noch viel werden kann.

Grüne Wiesen bieten viele Chancen, aber keine Erfolgsgarantien. Für mich war von Anfang an klar: Entweder kommt sinnkubator in den ersten beiden Jahren wirtschaftlich erkennbar ins Laufen – oder wir beenden das Projekt wieder. Für’s Ins-Laufen-Kommen habe ich mich gemeinsam mit meinen Mitgesellschaftern 14 Monate engagiert, aber die Praxis hat gezeigt: Unser Träger- und Finanzierungsmodell hat eine zu schmale Basis, um die Begleitung von Gründerinnen und Gründern dauerhaft zu finanzieren. Die Wertschöpfungsbeiträge der begleiteten Startups konnten in der verfügbaren Zeit nicht in dem Umfang wachsen, der für einen nachhaltigen Betrieb nötig gewesen wäre. Das ist eine schmerzhafte Erkenntnis, und sicher kommt die Wehmut noch, dass es nicht wie geplant funktioniert hat. Aber dass wir den Mut haben, ein Modell zu beenden, das nicht tragfähig war, spiegelt die unternehmerische Konsequenz, die wir von unseren Gründern erwarten.

Ich bin sehr dankbar für viele neue Erfahrungen, die ich auf dem Weg gemacht habe, und viele Begegnungen mit Gründerinnen und Gründern, mit Ratgebern, Mentorinnen, Partnern und Unterstützerinnen, die uns seit Januar 2025 auf unserem Weg begleitet haben. Was mich immer wieder begeistert und inspiriert hat: Die Überzeugung so vieler Menschen, dass es eine gute Zukunft geben kann, und dass wir mitwirken können, diese Zukunft herbeizuführen. Ich glaube, diese optimistische und selbstwirksame Haltung brauchen wir viel mehr in Deutschland – und wir brauchen sie vor allem auch, wenn wir als Christen positiv in unsere Welt hineinwirken und sie mitgestalten wollen. Dass wir im Praxistest mit sinnkubator jetzt herausgefunden haben, welches Geschäftsmodell dabei wirtschaftlich nicht funktioniert, ändert daran gar nichts an der Überzeugung: Christlich motiviertes Unternehmertum wird in Deutschland dringend gebraucht – als Brücke zwischen Glauben, gesellschaftlicher Verantwortung und wirtschaftlicher Innovation. Deshalb sehe ich die jetzt anlaufende Abwicklung von sinnkubator auch nicht als Zeichen für einen Fehler oder für ein Scheitern, sondern als Ergebnis eines Experiments, das es wert war, gewagt zu werden.

Wie geht es nun weiter – bei sinnkubator und bei mir persönlich?

Kurzfristig werden wir unsere Gründerinnen und Gründerdabei unterstützen, eine neue Begleitung zu finden. Und für alle anderen stellen wir auf unserer Website sinnkubator.de eine Übersicht mit Anlaufstellen, Netzwerken und Förderprogrammen zusammen, die auf der Gründerreise weiterhelfen können.

Am 24. März bieten wir eine offene Learning Session über Zoom an, in der wir unsere Erkenntnisse über Finanzierungsmodelle, Gründerbegleitung und die Frage reflektieren, wie eine tragfähige Infrastruktur für Impact-Gründungen im christlichen Bereich aussehen kann. Wenn du Interesse an der Frage hast, wie wir im christlichen Kontext mehr Entrepreneurship wagen können, bist du herzlich eingeladen:


Dienstag, 24.03., 19 Uhr (Zoom)
Learning Session
Wir teilen Erfahrungen aus 14 Monaten sinnkubator und suchen gemeinsam neue Perspektiven für mehr Entrepreneurship im christlichen Kontext.

Anmeldung: sinnkubator.de/learnings


Bis Ende September werden ich mich als Geschäftsführer um die Abwicklung kümmern und mit bereits vereinbarten Seminaren, Unterricht und Vorträgen zum Thema Entrepreneurship unterwegs sein und in die nächste Generation investieren.

Für mich persönlich beginnt gleichzeitig eine Phase, wo ich nach 2014 und 2024 innerlich und im Gebet wieder neu die Frage bewege: Was ist meine Berufung? Was ist das, was von Gott her Wirklichkeit für mein Leben und meinen Beruf sein könnte und sein sollte?

Ich gehe in diese Phase mit Dankbarkeit –  für 14 Monate mit unserem „Baby“ sinnkubator, für das konstruktive, zugewandte und professionelle Miteinander unter den Gesellschaftern, für alles was ich gelernt habe und alle Menschen, denen ich begegnet bin. Und wie auch immer die Antwort auf meine neue Berufungsfrage am Ende sein wird, eins steht für mich außer Zweifel, sogar an einem Tag wie heute: Dass es eine gute Zukunft geben kann, und dass wir – jeder und jede von uns – mitwirken können, diese Zukunft herbeizuführen.