Manchmal macht man in der Bibel Entdeckungen an einer Stelle, die man vorher schon hunderte Male gelesen hat, ohne dass einem etwas aufgefallen wäre. So ging es mir heute morgen mit Psalm 23:
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
Was mir heute zum ersten Mal aufgefallen ist: Zu Anfang des Psalms redet David von „dem Herrn“ – er bewertet, schätzt und lobt Gott gegenüber Dritten. Sozusagen aus der Beobachterperspektive.
Aber dann wird sein „er“ plötzlich zum „Du“:
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal… denn Du bist bei mir…“
In den negativsten Umständen, von denen im Psalm 23 die Rede ist, rückt David Gott nahe, wird aus dem beobachtenden „er“ ein persönliches „Du“ – erstaunlich! Wohl niemand der bei klarem Verstand ist, sucht die finsteren Täler seines Lebens gerne auf. Aber für David bergen gerade diese Täler ein wichtiges Geheimnis: Auch dort ist Gott bei mir.
Und genau dort bietet Gott mir sein „Du“ an…
