Wer nicht schuld sein kann, ist nicht frei

„Ich war es nicht“ – so lautet die Überschrift einer Kolumne des Cicero-Chefredakteurs Wolfram Weimer. Er kritisiert darin ein „Grundgesetz der Gegenwart“, das in vielen Lebensbereichen immer öfter anzutreffen ist – von der Politik über die Justiz bis zu den alltäglichen Konflikten zwischen Sandkasten und Fernbedienung. Dieses Grundgesetz scheint zu besagen, dass niemand mehr persönlich Verantwortung zu tragen hat für sein Verhalten und seine Entscheidungen.
Die Umstände, die Familie, die Herkunft, die Gesellschaft – die vermeintlichen Verantwortungsträger entkoppeln uns aber nicht nur von etwas, das früher einmal „Moral“ hieß, sondern  führen uns gleichzeitig in eine persönliche Unfreiheit hinein, wie Weimer eindrucksvoll zeigt.
Und er kommt zu dem Schluß:

Zu einer wahren Freiheit gehört die Ichnatur, die Strapaze der Autonomie, die Fähigkeit zur Schuld. Wir müssen sie wohl wieder erlernen.

Vielleicht hat die Bibel ja doch Recht mit der Geschichte von Adam und Eva und dem Sündenfall – dem Risiko persönlicher Schuld als Preis der Freiheit…