Ich habe Grammatik in der Schule nie gemocht. Grammatik, das war für mich ein undurchdringliches Gestrüpp aus Regeln und Ausnahmen von Regeln. Bis heute habe ich volle Sympathie für jeden, der Deutsch als Fremdsprache lernt und sich mit der deutschen Grammatik herumschlägt.

Zum Beispiel die Sache mit Einzahl und Mehrzahl. Im Gegensatz zu anderen Sprachen wird das in der deutschen Sprache verschieden konstruiert. „Ich gehe“ ist etwas anderes als „Wir gehen“. Im Deutschen unterscheiden wir peinlich genau, ob wir den Einzelnen meinen oder die Vielen.

Interessanterweise trennt Gott da gar nicht so genau.

Das fängt schon ganz am Anfang der Bibel an, gleich in Kapitel fünf. Als der Schöpfer die Menschen erschafft, heißt es dort (1. Mose 5,2):

Gott schuf sie als Mann und Frau und segnete sie und gab ihnen den Namen »Mensch«.

Bemerkenswert, oder? Gott erschafft den Menschen als Mann und als Frau – eine Mehrzahl – und dann nennt er beide zusammen „Mensch“ – Einzahl. Gott erschafft Menschen unterschiedlich, aber die gerade frisch unterschiedlich Geschaffenen fasst er dann gleich wieder in einem Begriff zusammen.

Ich glaube, dass Gott das mit voller Absicht so gemacht hat. Gott bejaht meine Einzigartigkeit und will mich gleichzeitig für Gemeinschaft. Und das gleiche gilt für alle anderen Menschen auf dieser Welt. Wir sind voneinander ganz verschieden. Und doch sind wir gemeinsam alle „Mensch“.

Im Spannungsfeld zwischen Einzahl und Mehrzahl, zwischen Verschiedenheit und Gemeinschaft – da liegt Gottes Segen. Deshalb möchte ich lernen, beides gleich wertzuschätzen.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)