Ich habe heute auf dem Willow Creek Leitungskongress in Leipzig einen ganz hervorragenden Vortrag von Gottfried Locher gehört über die Frage, was für eine Art Chef ein Christ eigentlich ist und wo die inneren und äußeren Herausforderungen geistlicher Leiterschaft liegen. Hier ein paar Gedanken, die mir dabei wichtig geworden sind (gilt alles natürlich gleichermaßen für männliche wie weibliche Chefs):

1. Ein Chef ist keine Führungskraft innerhalb einer Managementtheorie oder eines ausgeklügelten Organigramms, sondern ein Mensch mit Vorlieben, Macken und einem ganz persönlichen Profil. Ein guter Chef eckt an und ist kantig, aber auf seine ganz persönliche Weise. Er hat seinen eigenen Kopf und hält seinen Kopf hin für seine Leute. Er schaut hin, wenn es Probleme gibt und geht auf Augenhöhe, um seinen Mitarbeitern ins Gesicht schauen zu können.

Du bist als Chef Teil der frohen Botschaft, indem du dein eigenes Profil entwickelst, indem du deinen Kopf hinhältst, indem du dein Gesicht zeigst.

2. Ein guter Chef, der geistlich leitet, will vor allem das entscheiden, was sein Herr will. Er überzeugt mehr durch sein Leben als durch sein Reden. Er weiss, dass er einmal für seinen Umgang mit Mitarbeitern Rechenschaft ablegen muss. Er hasst die Fehler aber liebt die Mitarbeiter. Für diese Art zu leiten braucht es regelmäßig und nachhaltig einen ganz eigenen Kontakt zu Gott in der Stille und im Gebet.

Du lernst in der Stille wie du leitest im Sturm.

3. Ein guter Chef weiss, dass nicht nur die anderen das Problem sind. Er entdeckt Gott in seinen Mitarbeitern und weiss, dass in seinen Leuten ein Teil der guten Nachricht steckt, die in ihm nicht steckt. Er ist für seine Mitarbeiter Teil der frohen Botschaft und hält in sich selbst die widersprüchliche Spannung in Römer 7 zwischen Wollen und Können aus. Er weiss, dass er nicht immer ein guter Chef ist – ganz einfach, weil er Mensch ist. Er weiss, dass sein Leben ein Gemisch ist aus gut und schlecht, auch sein Chefsein.

Mut und Demut gehören zusammen.

Jeder einzelne dieser Aspekte ist menschlich gesehen schon eine Lebensaufgabe, Alle zusammen können nur gelebt werden im Vertrauen auf die Gnade Gottes. Aber ich glaube, es ist es Wert, auf diesem Weg weiter zu kommen. Denn Christen hören auch als Chefs nicht auf, Teil der frohen Botschaft Gottes an seine Menschen zu sein. Es steht mehr als nur ihre persönliche Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.

Mehr zum Willow Leitungskongress gibt es hier oder bei Twitter unter #Leitungskongress.