Manchmal frage ich mich, warum Menschen überhaupt bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. In der Politik, in der Gesellschaft, in Kirchengemeinden. Kaum macht man was, gibt es Kritik. Macht man nichts, gibt es am Ende auch Kritik.

Und auch der persönliche Anspruch an Verantwortungsträger ist hoch: Mutig sollen sie sein, geradlinig und authentisch, aber auch transparent, kritikfähig und lernbereit. Sie sollen normale Menschen mit Macken sein, aber gleichzeitig bitte keine fehlerhaften Charaktere.

Unser Anspruch an Menschen in Verantwortung ist hoch – und an gläubige Menschen meist noch ein bisschen höher. Ist der Glaube authentisch? Ist da keine Heuchelei? Gibt es wirklich keine Leichen im Keller?

Bemerkenswert, wenn ein Verantwortungsträger in der Bibel so charakterisiert wie Noah im ersten Buch Mose Kapitel 6. Von ihm heißt es:

Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten; er wandelte mit Gott.

„Ohne Tadel“ heißt nicht „ohne Kritik“. Denn viele lachten ihn aus, weil er mitten auf dem Trockenen ein Schiff baute. Und „frommer Mann“ heißt nicht „fehlerfrei“. Die Bibel berichtet später offen über Noahs allzu freizügigen Umgang mit Alkohol.

Nein, das Entscheidende ist dies: Noah „wandelte“ mit Gott. Noah wusste, was Gott von ihm hielt und was Gott von ihm wollte. In der Zwiesprache mit Gott konnte Noah Kritik aushalten und seine eigenen Fehlern verarbeiten.

So eine Zwiesprache mit Gott – die wünsche ich allen, die Verantwortung tragen.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)