Fleiß, Ordnung, Sauberkeit – viele Eltern ringen damit, ihren Kindern ein Mindestmaß dieser klassischen Tugenden beizubringen. Nicht unbedingt das, was alle Kinder mögen, oder was ihnen leicht fallen würde! Aber so unterschiedlich Kinder sind – eins haben sie dann doch alle schnell raus: Eltern freuen sich über Fleiß, Eltern ärgern sich über Unordnung.

Und Gott? Worüber freut sich Gott eigentlich? Worüber ärgert er sich?

Es geistert da eine bestimmte Vorstellung durch die Welt, die besagt, dass Gott eigentlich ein eher ärgerlicher Typ sei. Demnach sollten wir uns als Menschen besser so verhalten, dass wir Gott nicht ärgern. Ich fürchte, es gibt nicht wenige Menschen, die heute ein solches Bild von Gott haben. Und es gab dieses Bild auch schon zur Zeit Jesu, bei den Pharisäern und Schriftgelehrten. In Lukas 15 prallt dieses Gottesbild unsanft auf die Wirklichkeit. Dort lesen wir:

Immer wieder kamen viele Zolleinnehmer und andere verrufene Leute zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und Schriftgelehrten ärgerten sich und schimpften: »Mit welchem Gesindel gibt der sich da ab! Er isst sogar mit ihnen!«

Die Pharisäer und Schriftgelehrten waren wütend, denn sie waren an einer gottgefälligen Gesellschaft interessiert, als deren Vorreiter sie sich sahen. Die Zolleinnehmer und andere verrufene Leute störten da nur, passten ihnen nicht in den Kram. Wie kann Jesus mit denen zu Tisch sitzen? Diese Leute ziehen doch verdientermaßen Gottes Ärger auf sich! Ein bisschen wie der unordentliche kleine Bruder, der die Eltern wütend macht, obwohl der ältere Bruder doch so fleißig, brav und gehorsam ist.

So dachten die Pharisäer und Schriftgelehrten. Jesus bemerkt ihren Ärger und erklärt ihnen durch eine Reihe von Beispielgeschichten, wie falsch sie mit ihrem Bild von Gott lagen. Er will ihnen deutlich machen, dass Gott kein ärgerlicher Typ ist, sondern freundlich und menschenzugewandt. Dass Gott sich von Herzen freut, wenn Menschen sich auf die Nähe zu ihm einlassen, von eigensinnigen Wegen umkehren und ihm vertrauen lernen.

Eine dieser Beispielgeschichten lautet so:

Eine Frau hat zehn Silbermünzen gespart. Eines Tages verliert sie eine davon. Sofort zündet sie eine Lampe an, stellt das ganze Haus auf den Kopf und sucht in allen Ecken. Endlich findet sie die Münze. Sie ruft ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und erzählt: ›Ich habe mein verlorenes Geld wiedergefunden! Freut euch mit mir!‹

Ein ganz alltägliches Beispiel: Eine gewissenhafte Frau verliert ein Silberstück von erheblichem Wert. Was tut sie? Logisch – Suchen. Und zwar mit allem Aufwand, der dazu nötig ist. Sie zündet eine Lampe an. Sie stellt ihr Haus auf den Kopf. Sie sucht bis in alle Ecken.

Genauso, sagt Jesus, genauso sucht Gott nach seinen verlorenen Menschen. Nach denen, die sich von ihm entfernt haben. Er tut alles, was dazu nötig ist. Er zündet eine Lampe an. Er stellt die Welt auf den Kopf. Er geht bis in die hintersten Ecken der Gesellschaft – auch zu Zolleinnehmern und anderen verrufenen Leuten.

Solange, bis er seine Menschen wiederfindet. Und was passiert dann?

Dann, sagt Jesus, dann freut sich Gott! Keine Standpauke, keine Vorwürfe, kein Ärger. Einfach Freude. Denn Gott ist freundlich und menschenzugewandt. Er freut sich von Herzen, wenn Menschen sich auf die Nähe zu ihm einlassen, von eigensinnigen Wegen umkehren und ihm vertrauen lernen.

So verhält sich Gott bis heute.

 

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)