Wohin geht die Reise in christlichen Gemeinden, Kirche und Organisationen in Deutschland? Um im Bild des Theologen Peter Kuzmic zu fragen: Was ist die Musik der Zukunft, und wie können wir als Christen schon heute dazu tanzen?

Eine derartige Verortung und Vorausschau vorzunehmen, hat sich die Deutsche Evangelische Allianz mit ihrem Zukunftsforum von 31.10. bis 2.11.2019 zur Aufgabe gemacht. Im Gemeindezentrum der Elim-Gemeinde in Hannover kamen dazu 225 Teilnehmer zusammen – ein wilder Mix von etablierten Verantwortungsträgern sowie Engagierten der nächsten Generation.

In verschiedenen Formaten – Grundlagenvorträgen, Praxisbeispielen, Zukunftsreferaten, Barcamp-Sessions, Gebetszeiten, Diskussionsrunden – erarbeiteten die Teilnehmer eine Reihe möglicher Zukunftsprojekte in den Themenfeldern Gebet, Bibel, Evangelisation, Gesellschaftsverantwortung, Einheit und Digitalisierung.

Einblick zu Atmosphäre und inhaltlichen Impulsen gibt’s in einem Videoclip

sowie über die Social Wall des Zukunftsforums.

Und hier ist mein ganz persönliches Takeaway aus diesen drei Tagen:

Evangelisation – Es gibt immer mehr säkulare Ahnungslose und immer mehr christliche Erwartungslose. Evangelisation heißt, zunehmend mit ihrer Identitätsdefinition überforderten Menschen ihre gottgegebene Identität zu zeigen und ihnen Heimat zu vermitteln.

Gebet – Gebet ist der Beginn eines Aufstandes gegen die Unordnung der Welt (Karl Barth). Gebet stellt sich in die Vollmacht des Vaters hinein und der Vater verändert durch dieses Gebet die Welt. Den Wert von Gebet haben wir aber ein stück weit verloren, weil wir alle so gerne Macher sind.

Bibel – Der Großteil der Menschen wird über die Bibel nur noch das wissen, was wir Christen ihnen zeigen. Aber eine von uns nur behauptete Relevanz der Bibel wird immer weniger automatisch akzeptiert. Wir müssen neu erkunden, wie Menschen die Relevanz der Bibel von sich aus erkunden.

Gesellschaftsverantwortung Die christlichen Werte in unserer Gesellschaft verblassen langsam, weil sie entkoppelt sind von Christus. In dieser Welt brauchen wir reife, balancierte, auf Christus ausgerichtete Persönlichkeiten. Jesus kam nicht nur als Erlöser, sondern um die Herrschaft des Vaters wiederherzustellen. Jünger Jesu können wir nur als Lernende sein. Wenn wir die Gesellschaft verändern wollen, können wir nicht uns selbst nicht verändern wollen.

Einheit – Jesus hat gesagt, dass seine Jünger eins sein sollen. Aber was könnten christliche Gemeinden und Denominationen besser, als jeder für sich alleine zu arbeiten? Wir ziehen die Richtigkeit des Glaubens des Anderen klammheimlich in Zweifel, damit wir ihn aus der Ansage Jesu stillschweigend ausklammern können. Ob wir uns mit anderen eins machen sollten, entscheiden wir selbst, obwohl Jesus es längst entschieden hat.

Es besteht ein absolutes Missverhältnis zwischen den Ressourcen, die uns als Leib Jesu in Deutschland zu Verfügung stehen, und der geistlichen Frucht, die wir in unsere Land sehen. Darin liegt eine Frustration, die uns nicht in die Abstumpfung führen darf, sondern in ein gemeinsames hör- und lernbereites Fragen.

Über Jahre haben wir Etablierten uns – auch in den Allianzgremien – gewünscht, dass „die jungen Leute“ und „mehr Frauen“ auftauchen und unser Allianzanliegen „neuen Schub“ bekommt. Dieses Zukunftsforum hat mir gezeigt: Die sind alle da, und sie bringen ganz viel Energie mit. Aber sie werden sich nicht einfach unseren etablierten Gremien anschließen und in unseren etablierten Methoden arbeiten.

Wie bei den Etablierten gibt es auch bei der nächsten Generation Nebeneinander und Noch-nicht-voneinander-Wissen. Hier hat die Allianz eine originäre Aufgabe und Potential.

Was es als nächstes braucht, ist die Anfänger und Vollender zusammenzubringen – die die neues machen, und die, die viel Erfahrung haben mit systematischer Entwicklung. Wenn wir die horizontale Allianz wollen – quer über Gemeinden und Werke hinweg – geht es nicht ohne die vertikale Allianz – quer über die Generationen hinweg.

Die Frage ist: Lassen wir uns als Christen in Deutschland auf diese Zukunft ein? Seit diesem Zukunftsforum der Deutschen Evangelischen Allianz bin ich da ein ganzes Stück optimistischer.