Wann hast du zuletzt das Gefühl gehabt, auf festem Grund zu stehen?
Mit Blick auf die Weltpolitik, die Wirtschaft, den schwindenden Zusammenhalt unserer Gesellschaft, die Zukunftschancen unserer Kinder, den Klimawandel, die drohende Disruption durch Künstliche Intelligenz oder die zeitlose Achterbahn des eigenen Lebens haben nicht wenige den Eindruck: Es wackelt. Und die Frage: Wer oder was hält mich?
Als Christ fällt mir da als erste Antwort „Gott“ ein oder „Jesus“ oder „mein Glaube“, und das ist ja auch nicht ganz falsch. Aber irgendwie auch nicht ganz richtig. Oder besser: In der Verkürzung nicht so erlebbar. Der Anmarschweg meines Vertrauens bis zum Ankerpunkt meines Lebens dauert meistens länger als meine fromme Antwort. Viel länger.
Gut, dass ich damit nicht alleine bin. Könnte man ja denken, wenn einem so manche Sinnsprüche auf christlichen Postkarten oder in Social Media Memes in den Sinn kommen. Auch die sind oft nicht an sich falsch – aber meistens verkürzt, notgedrungen. Und damit an den entscheidenden Tiefpunkten des Lebens zu oberflächlich, zu formelhaft, zu … richtig. Es fehlt der Anmarschweg, und so schnell ich gerne Gewissheit hätte wenn alles wackelt – so wichtig ist dieser Anmarschweg für meine Seele. Es scheint fast, als könnten wir nur solchen Ankern vertrauen – wahrhaft vertrauen – deren Ankerkette nicht zu kurz ist. Zu denen sich mein Herz erst durchkämpfen muss.
Wie gut, dass ich dabei nicht auf christliche Postkarten oder Social Media Memes angewiesen bin. Wie gut, dass es die Psalmen gibt – jahrtausendealte Gebete, die existentiell aus der Seele sprechen und zur Seele sprechen. In Worten, die wir uns oft nicht selbst sagen können.
Auch Psalm 89 ist so ein Gebet, und Vers 3 lautet: „Auf ewig steht die Gnade fest; du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel.“
Ich muss es zweimal lesen, um es nicht zu übersehen: Gottes Treue hat einen Grund – und der ist nicht unten, unter meinen Füßen (wo der Grund eben im Alltag normalerweise so ist), sondern „im Himmel“. Ich sehe einen Anker vor mir, und seine Ankerkette führt nicht nach unten in die Tiefe, in Richtung Meeresboden – sie führt nach oben in den Himmel.
Es mag so einiges ins Wanken gekommen sein in unserer Welt, vielleicht auch in meiner oder deiner Lebenssituation, der Grund unter unseren Füßen mag sich alles andere als fest anfühlen – aber Gottes Treue steht nicht auf diesem Grund. Sie ist verankert im Himmel – in dem, wer und wie Gott ist. Ich weiß mich getragen von dieser Treue und gehalten von einem Anker, der nicht dem Schwanken unter meinen Füßen unterworfen ist. Denn Gottes Treue ankert im Himmel. Da, wo Gott ist. In dem, wer Gott ist – treu.
Ja, es bleibt ein Anmarschweg für die Seele, Gott vertrauen zu lernen. Mag sein, der Boden unter unseren Füßen schwankt immer noch. Vielleicht fährt mein Gottvertrauen mit mir Achterbahn. Und wenn schon: Der Anker ist gesetzt – Gott gibt seiner Treue zu mir sicheren Grund im Himmel. Und damit unabhängig von der emotionalen Achterbahn meines Lebens oder der Dynamik einer wilden Welt.
Ich habe immer noch nicht das Gefühl, auf festem Grund zu stehen. Aber ich bin dabei zu lernen, dass es darauf auch gar nicht ankommt.
Ja, danke für das Bild ‚Anker nicht am Boden, der schwanken kann, sondern im Himmel, der eine andere Realität bedeutet, auf die wir hoffen können‘. Das bleibt (hoffentlich) im Gedächtnis. 🙏🏻