Das Problem mit dem ersten Schritt

ERF Erschienen als Beitrag in der Sendereihe "Anstoß" auf ERF Plus

Ein Sprichwort sagt: Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Wissen Sie, was oft mein Problem ist? Ich würde gerne den kompletten Reiseverlauf kennen, bevor ich den ersten Schritt tue.
Vielleicht kennen Sie das auch: In welche weiterführende Schule soll meine Tochter gehen? Wenn ich wüsste, wie sie sich in den nächsten Jahren entwickeln wird – dann wüsste ich auch, welcher Schritt jetzt richtig ist! Soll ich das neue Jobangebot annehmen oder nicht? Wenn ich wüsste, wie es in der Branche wirtschaftlich weitergeht – dann wüsste ich auch, welcher Schritt jetzt richtig ist!
Immer mal wieder habe ich gedacht: Ich habe kein Problem mit dem ersten Schritt – wenn, ja wenn ich nur den richtigen Weg vorab schon vollständig kenne!
Aber ich glaube, dass das ein Irrtum ist.
Es gibt immer wieder Lebenssituationen, wo es gut ist, den gesamten Weg vorab noch nicht zu kennen. Nicht kennen zu müssen. Weil der Weg vorab so steil, so mühsam, so überfordernd erscheint – dass ich den ersten Schritt vielleicht niemals gehen würde. Den ersten Schritt in eine bevorstehende Chemotherapie zum Beispiel oder den ersten Schritt in die berufliche Selbständigkeit.
Was wirklich hilft, den ersten Schritt zu gehen, ist nicht, den ganzen Weg schon zu kennen. Sondern wenn mich jemand begleitet. Das ist schon seit Jahrhunderten und Jahrtausenden so. In der Bibel, in Psalm 25 heißt es in Vers 12: Was ist mit dem, der Gott, dem Herrn gehorcht? Der Herr zeigt ihm den richtigen Weg.
Dem Psalmdichter geht es um meine innere Haltung: Gehorche ich Gott, d.h. bin ich innerlich bereit, mich von Gott durch mein Leben begleiten und führen zu lassen? Bin ich innerlich bereit, mich nach seinen Werten und Maßstäben zu richten? Wenn ja, dann zeigt er mir auch den richtigen Weg, den ich gehen soll.
Darauf vertraue ich – und zwar vom ersten Schritt an, der vielleicht gerade heute vor mir liegt.
(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

0 Antwort
  1. Gut gesagt. Wenn man auf Gott zusteuert, dann ist es vielleicht gar nicht so wichtig, welche Wegstrecke vor einem liegt, bzw. wenn man sich auf Gott verlässt, ist es viel leichter, sich selbst zu verlassen und den ersten Schritt zu gehen.

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