Gott lässt sich nicht bequatschen

ERF Erschienen als Beitrag in der Sendereihe "Anstoß" auf ERF Plus

Gott lässt sich nicht bequatschen. Sie wissen bestimmt, was ich mit „bequatschen“ meine: Viele Worte machen, um von jemandem eine Gefälligkeit zu erhalten. Unser Leben ist voll davon.
Zum Beispiel am Arbeitsplatz: Ich bequatsche meine Kollegin, damit sie den nächsten Wochenenddienst für mich übernimmt. Oder in der Familie: Teenager bequatschen ihre Eltern, dass sie den Eintritt fürs Kino nicht vom Taschengeld zu bezahlen brauchen.
Oft genug bringt „bequatschen“ auch etwas: Da ist mein Gegenüber überrumpelt oder will nicht unhöflich erscheinen oder keinen Streit vom Zaun brechen – und schon bekomme ich, was ich will. Manche Menschen versuchen das auch mit Gott – und stellen fest: Gott ist anders. Gott lässt sich nicht bequatschen.
Im Alten Testament gibt es eine Geschichte, in der Gottes Volk das auf die harte Tour lernen muss. Das sind im Prinzip fromme, gottesfürchtige Menschen – aber ihr Lebensstil hält nicht, was ihre Worte versprechen. Sie bestürmen Gott mit wortreichen Gebeten – aber Gott lässt sich nicht beeindrucken, sondern beauftragt den Propheten Jesaja, sie mit der Wahrheit zu konfrontieren:
Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit“, sagt Gott zu Jesaja. Und dann wird Gott konkret: Ihr beschwert euch, dass ich euer Beten ignoriere – dabei tretet ihr meine Maßstäbe in eurem Leben mit Füßen! Ständig streitet ihr und unterdrücken die Tagelöhner, die euch anvertraut sind. Glaubt ihr, euer Fasten und Beten beeindruckt mich? Wenn ihr nicht fromm lebt, dann braucht ihr mir auch nicht so fromm daher zu kommen! Unterdrückt nicht länger die, die euch anvertraut sind, teilt euer Essen mit denen, die Hunger haben! Gebt denen Obdach und Schutz, die es brauchen. Wenn ihr euch glaubwürdig um eure Mitmenschen kümmert – dann und erst dann kümmere ich mich auch um eure Gebete!
Gott liebt seine Menschen und will sie aus Fehlverhalten befreien. Wo er ein klares Wort redet, will ich besser hinhören. Denn Gott lässt sich nicht bequatschen – mir zuliebe.
(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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