Stichwort: Begegnung

Das schwierige Gespräch

Es leuchtet auf dem Terminkalender wie ein Warnblinklicht auf der Autobahn oder der entzündete Pickel im Gesicht. Und ungefähr so sehr freuen wir uns auch darauf – ein schwieriges Gespräch mit einem schwierigen Kollegen. Oder Chef. Oder Gemeindemitglied.

„Not lehrt beten“, heißt es – bevorstehende schwierige Gespräche auch. Das erste Gebet, wenn wir ehrlich sind? „Gott, mach das das weggeht“. Weg mit der Auseinandersetzung, dem Konflikt, dem An-sich-Schwierigen.

Ich habe dieses Stoßgebet im Lauf der letzten Jahren intensiv genutzt. Als Kollege, als Vorgesetzter in der Organisation, in der Gemeinde. Und meistens ist mein erster Impuls ein ähnlicher wie vor der Terminanfrage beim Zahnarzt: „Muss das wirklich sein? Kann ich dem nicht irgendwie ausweichen? Geht das Problem nicht vielleicht von selbst weg?“

Nein, geht es nicht. Im Lauf der letzten Jahre habe ich nicht nur ausweichende Stoßgebete gelernt, sondern auch etwas darüber, warum es sich lohnt, schwierige Gespräche tatsächlich anzupacken:

  1. Ausweichen, Vermeiden, Wegschauen mag sich kurzfristig besser anfühlen. Langfristig verschlimmert es die Situation nur noch weiter. Wie beim Zahnarzt.
  2. Ein Gespräch selbst ist nicht „schwierig“ – es ist einfach ein Gespräch. Was ich als schwierig empfinde, ist meine eigene unsichere Haltung. Oder die Unberechenbarkeit der Reaktion des Gegenüber. Oder dass ich vorher keine Lösungsmöglichkeit für einen Konflikt sehe. Das Gespräch selbst ist aber nur die Tür in einen Raum, den ich am liebsten nicht betreten würde.
  3. Jedes Gespräch ist eine Begegnung – und damit auch immer die Chance zum Lernen. Ich kann mein Gegenüber besser kennen lernen. Auch wenn sich aus dem Gespräch keine einfache Konfliktlösung ergibt – es ist immer die Chance, den Konflikt tiefer zu verstehen. Und mein Gegenüber kann mich besser kennen lernen. Auch wenn er/sie sich meiner Überzeugung nicht anschließt, ist auch ein schwieriges Gespräch eine Gelegenheit, meine Sicht der Welt und auf den Konflikt zu erklären.
  4. Was ein Gespräch schwierig macht, ist in Wahrheit meine Angst. Angst vor den Emotionen des anderen. Angst vor meinen eigenen. Angst vor möglichen Konsequenzen. Manchmal hilft mir die Gegenfrage: Was passiert, wenn nichts passiert? Was sind die Konsequenzen davon, dem Gespräch auszuweichen?

Diese Punkte sind keine Zauberlösung für schwierige Gespräche, ich weiß. Aber vielleicht eine Hilfe, das nächste schwierige Gespräch auf dem Kalender mutig anzupacken. Oder vielleicht – endlich – überhaupt mal einen Termin dafür zu vereinbaren.

Was hilft dir bei schwierigen Gesprächen? Welches schwierige Gespräch solltest du als nächstes anpacken?

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Vom Umgang mit negativen Mitmenschen

Jeder kennt sie. Aber niemand mag sie: Die Begegnung mit negativen Menschen. Manchmal kann man ihnen aus dem Weg gehen, aber oft auch nicht. In der Familie, im Freundeskreis, in der Gemeinde, am Arbeitsplatz – an vielen Stellen sind wir gefordert, mit negativen Menschen umzugehen. Erst recht dann, wenn wir für andere Verantwortung tragen und es uns nicht egal bleiben kann, in welcher Haltung z.B. die eigenen Kinder oder die eigenen Mitarbeiter unterwegs sind.

Einen wirklich guten Gedanken dazu habe ich neulich in einem Artikel von Peter Bregman gefunden. In der Begegnung mit negativen Menschen habe ich mich unbewusst schon hier und da entsprechend verhalten, aber ich finde es hilfreich, das anhand von Bregmans Ausführungen noch mal bewusst zu reflektieren:

Instinktiv, so Bregman, reagieren wir auf negative Menschen in zwei Stufen:

  1. Zuerst versuchen wir, dem Negativen das Positive entgegen zu setzen: „Das war doch gar nicht schlimm“, „Sie meint das bestimmt nicht so“, „Es gibt doch auch positive Seiten an dem Projekt“.Wenn das nicht hilft, tritt Stufe 2 in Aktion:
  2. Wir regen uns über das negative Verhalten des Gegenübers auf, kritisieren die unkonstruktive Haltung, reagieren ungeduldig, und… negativ.

Wir versuchen es zunächst mit positiven Gegenargumenten, und wenn das nicht hilft, mit negativen Gegenargumenten. Das Problem dabei: Beides ist letztlich gegen den negativen Menschen gerichtet. Beides hilft dem negativen Menschen nicht, sein Verhalten zu ändern. Denn beides versucht, einer emotionalen Befindlichkeit mit Argumenten zu begegnen. Wer aufgrund einer Situation negativ empfindet, dem helfen keine Gegenargumente. Im Gegenteil – oft verstärken Gegenargumente noch das Beharren auf der eigenen, negativen Emotion.

Was negativen Menschen oft besser weiter hilft, ist ein Stück weit an ihrer Seite zu gehen anstatt eine (positive oder negative) Gegenposition einzunehmen:

  1. Zeige deinem Gegenüber, dass du verstehst wie er empfindet. Das bedeutet nicht, dass wir negative Haltungen und Bewertungen absegnen, unterstützen oder uns zu eigen machen würden. Es heißt nicht, dass wir dem negativen Mensch in der Sache Recht geben. Aber es heißt, dass wir jemandem so zuhören, dass er sich wirklich verstanden fühlt.
  2. Zeige deinem Gegenüber, wo du seine Meinung teilst. Hier ist natürlich Wahrhaftigkeit gefragt; wer jedem nach dem Mund redet kann anderen nicht glaubwürdig begegnen. Vielem von dem, was dein negatives Gegenüber sagt, wirst du vermutlich nicht zustimmen können. Aber da wo es ein Körnchen Wahrheit gibt, die du so siehst wie er oder sie – da kannst du seine oder ihre Meinung teilen, ohne dich zu verbiegen. Zu wissen dass man mit seinem Frust nicht alleine ist, ist eine wichtige Voraussetzung um aus einer negativen Haltung heraus zu finden.
  3. Bestärke dein Gegenüber in seinen eigenen positiven Gedanken. Nicht in denen von denen du denkst, er sollte sie haben. Sondern in den wenigen positiven Bruchstücken, die inmitten aller Negativität auch da sind. Es geht nicht darum, jemandem deine eigene Brille aufzusetzen. Es geht darum, ihn darin zu bestärken, den bereits selbst wahrgenommenen Lichtblicken vermehrt Glauben zu schenken.

Ich glaube, diese Art des helfenden Umgangs mit negativen Menschen kann man in allen möglichen Lebenslagen konstruktiv anwenden – von der Erziehung von Teenagern bis hin zur Führung von Mitarbeitern. Es mag Menschen geben die so festgefahren sind, dass es nicht dein Job ist ihnen zu helfen. Für alle anderen Situationen lohnt es sich, Bregmans Anregung mal bewusst in die Praxis umzusetzen.

Oder wie begegnest du negativen Menschen?

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Die Vorder- und die Rückseite Gottes

„Alles hat zwei Seiten“, weiß der Volksmund, und Gott hat sie auch, die zwei Seiten. Zumindest wenn es darum geht, Gott zu begegnen, ihn zu erkennen wie er wirklich ist. Genau das ist der Wunsch, den Mose vor tausenden von Jahren auf dem Berg Sinai äußert (2. Mose 33,18):

Lass mich deine Herrlichkeit sehen!

Aber kein sterblicher, fehlerhafter Mensch kann Gottes heiliges Angesicht sehen – und es überleben. Gott macht damals für Mose das Maximum dessen möglich, was für Menschen damals möglich war:

Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht. Und der Herr sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen. Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. Dann will ich meine Hand von dir tun und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.

Mose durfte die Rückseite Gottes sehen – und selbst das reichte aus, dass seine Haut „glänzte, weil er mit Gott geredet hatte“ (2. Mose 34, 29).

Über viele Jahrhunderte ist niemand Gott mehr so nahe gekommen, wie Mose. Bis Gott selbst seinen Menschen eines Tages seine Vorderseite zuwendet. Ihnen nahe kommt. Sein Angesicht zeigt. So heißt es zu Anfang des Hebräerbriefs im Neuen Testament:

Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn.

Was für Mose unvorstellbar war, wird nun Realität: Gott zeigt uns Menschen sein Gesicht, in seinem Sohn, in Jesus Christus. Gott hat ein Gesicht, und es ist ein Gesicht der unverdienten Gnade, des liebevollen Erbarmens, der verliehenen Gerechtigkeit.

Jesus macht es durch Kreuzigung und Auferstehung möglich, dass wir Gott ins Gesicht schauen können – und doch nicht vergehen müssen. Nirgendwo können Menschen Gott so nahe kommen, wie in der persönlichen Begegnung mit dem auferstandenen Jesus. Wer diese Begegnung erlebt hat und immer wieder erlebt, der  glänzt.

Nicht unbedingt auf der Haut – aber dafür mit dem ganzen Leben.

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