Stichwort: Ermutigung

Gegen das Vergessen

Wissen Sie noch, wo Sie am 11. September 2001 waren? Was Sie gefühlt haben, als Sie die brennenden Wolkenkratzer im Fernsehen sahen? Menschen, die orientierungslos durch die Straßenschluchten irren? Niemand, der diese Bilder gesehen hat, wird sie wohl jemals wieder vergessen.

Andere Erfahrungen würden wir gerne für immer festhalten – um jeden Preis. Der grandiose Sonnenuntergang im Urlaub. Der erste Schultag der Kinder. Der friedvolle Abschied von einem geliebten Menschen. Wir würden so gerne festhalten, was wir in diesen Augenblicken sehen, fühlen, erleben. Mir geht es jedenfalls so.

Aber dann „geht das Leben weiter“. Dann deckt der Alltag diese besonderen Momente wieder zu. Dann muss ich mich bewusst erinnern an das Gute, das zu meinem Leben gehört – und wofür ich Gott dankbar sein kann.

Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben – so hat Mose das Volk Israel vor vielen Jahrhunderten herausgefordert (5. Mose 4,9). Mose wusste: Was die Leute mit dem lebendigen Gott erleben, ist so wichtig für ihr Leben, dass es vom Alltag nicht wieder zugedeckt werden darf.

Deshalb erinnert er jeden einzelnen daran: Vergiss nicht, was deine Augen von Gottes Handeln gesehen haben! Bewahre deine Seele, geh achtsam damit um, was Gott dir an Gewissheit geschenkt hat! Hüte dich, achte darauf, dass der Alltag nicht zudeckt, was du mit Gott erlebt hast!

Heute brauche ich diese Herausforderung – und Sie vielleicht auch.

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Herausforderung Machtmissbrauch

Bei der Wahl zum „Unbekanntesten Buch der Bibel“ ist er locker unter die letzten 5 gekommen: Der 3. Johannesbrief. Und doch ist der Brief eine Herausforderung für alle, die leiten oder unter Leitung arbeiten. Denn Johannes, der diesen Brief formuliert hat, packt ein heißes Eisen an und setzt sich mit Machtmissbrauch auseinander. Weil es das heute noch genauso gibt, kann man auch aus einem 2000 Jahre alten Brief noch etwas lernen.

Zum Beispiel diese drei Dinge:

  1. Ein Mann namens Diotrephes, der „unter ihnen der Erste sein will“ (Vers 9), nutzt seine geistliche Leitungsposition, um andere Mitarbeiter auszugrenzen. Vermutlich, weil er sie als Konkurrenten sieht, die seinen eigenen Einfluß auf die christliche Gemeinde möglicherweise schmälern könnten. Dabei schottet er die Gemeinde gleichzeitig vor den wichtigen geistlichen Impulsen mit, die diese Leute einbringen könnten und sollten. Egal ob in der Firma, in der Politik, im Sportverein oder in der Kirchengemeinde – es kommt immer wieder vor, dass eine Organisation unter dem wunden Ego oder der persönlichen Unsicherheit eines Leiters leidet.Wofür setzt du den Einfluß ein, den Gott dir an deiner Position gegeben hat?
  2. Gajus – der Empfänger des Briefes – ist im Umfeld von Diotrephes zu Hause, aber er handelt anders. Er lässt sich nicht einschüchtern und folgt nicht dem schlechten Beispiel seines Leiters. Er „lebt in der Wahrheit“ (Vers 3) und „handelt treu in dem, was er tut“ (Vers 5). Das bedeutet: Trotz des schlechten Vorbilds und mitten in der Einflußspähre von Diotrephes handelt Gajus so, wie es einem Jesus-Nachfolger entspricht. Und integer. So etwas ist nicht leicht, aber möglich. Und nicht hoch genug zu loben. Für mich sind das in vielen Organisationen die heimlichen Helden: Die, die sich nicht anpassen, aber auch nicht zynisch werden. Sondern mit viel Mut jeden Tag neu das tun, was sie als richtig erkannt haben – auch wenn der eigene Chef etwas anderes vorlebt.Was kannst du heute Gutes tun, auch wenn das sonst keiner in deinem Umfeld tut und du kein Lob dafür ernten wirst?
  3. Johannes schließlich – er schreibt diesen Brief aus der Ferne, kann nicht direkt eingreifen, muss sich das ganze zunächst anschauen und mit-erleiden. Aber er nimmt sich Zeit, Gajus diesen Brief zu schreiben und ihm Mut zu machen (und damals waren Briefe eine teure und zeitaufwändige Angelegenheit!). Johannes handelt keine Theologie ab, er schickt keine Predigt – er macht einfach nur einem Menschen Mut, der unter schwierigen Bedingungen das Richtige tut. Und er nimmt sich vor, Diotrephes nicht beliebig gewähren zu lassen, sondern ihn bei der nächstmöglichen Gelegenheit zu „erinnern an seine Werke, die er tut“ (Vers 10). Gute Leiter konfrontieren schlechte Leiter. Weil sie wissen, wie viel Schaden, schlechtes Vorbild und Entmutigung sie in einer Organisation säen können, wenn man sie gewähren lässt.Wo musst du einen mutigen Schritt gehen und jemanden wegen seines Fehlverhaltens konfrontieren?

Herausfordernd genug?

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