Stichwort: Glaube

Gott lässt dich nicht zurück

Wenn jemandem etwas Gutes widerfährt… dann möchte ich nicht zurück bleiben.

Das war schon immer so: Wenn mein Bruder früher vom Kuchenteig naschen durfte, dann wollte ich auch. Wenn ein Klassenkamerad seine Hausaufgaben erlassen bekam, dann wollte ich auch. Wenn ein anderer aus dem Führerscheinkurs auf die Autobahn durfte, dann wollte ich auch.

Wenn jemandem etwas Gutes widerfährt… dann möchte ich nicht zurück bleiben.

Es scheint, als würde in allen Menschen eine Sehnsucht wohnen, das Gute nicht nur von außen zu beobachten, sondern darin einzutauchen. Das Gute ganz persönlich zu erleben, maßgeschneidert, ja selbst Teil des Guten zu werden.

So betet der Dichter von Psalm 106 im Hinblick auf Gottes Hilfe für das Volk Israel: Denke an mich, Herr, wenn du dich deinem Volk gnädig zuwendest – wenn du ihnen hilfst, dann hilf auch mir!

Wenn Gott seinem Volk etwas Gutes widerfahren lässt… dann möchte der Psalmdichter nicht zurück bleiben. Ich kann ihn gut verstehen.  Wenn Gott wirklich Leben zum Guten verändert, dann möchte ich das mit eigenen Augen sehen, wie es in Psalm 106 weiter heißt. Mich mitfreuen und gemeinsam mit anderen dankbar sein, mit diesem Gott durch das Leben gehen zu können.

Gottes Gnade ist anders als der Kuchenteig meiner Kindheit: Sie ist immer groß genug, dass auch für mich noch mehr als genug davon da ist. Mein Gott lässt mich nicht zurück.

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Jesus, verschlimmbessert

100 Jahre alt ist das Fresko „Ecce Homo“ in einer Kirche im Spanischen Borja mittlerweile. Eine fast genau so alte Rentnerin ist nun bei dem Versuch spektakulär gescheitert, das verblasste und abgebröckelte Bild von Jesus zu restaurieren. Nach dem missglückten Restaurationsversuch sieht das Bild nun aus wie das Bild einer mittelmäßig begabten Drittklässlerin im Kunstunterricht. Dem Sommerloch sei dank geistert die Geschichte nun schon einige Tage durch die Medien – und beschert dem bis dahin weitgehend unbekannten spanischen Örtchen einen unverhofften Touristenboom.

Ich stand in der Schulzeit mit Kunst eher auf Kriegsfuß, aber ein Motiv kommt mir dann doch irgendwie verdächtig bekannt vor:

Kann es sein, dass es Christen öfter passiert, Jesus zu übermalen? Getrieben vom Wunsch, sein verblasstes und abgebröckeltes Image aufzupolieren, fangen wir an ihn zu übermalen, zu überzeichnen – aber das Endergebnis sagt mehr über uns aus als über Jesus selbst? Mag sein, dass solche Restaurationsversuche für ein paar Wochen Neugierige anziehen – aber endet nicht jeder Versuch, Jesus mit menschlichen Mitteln besser zu verkaufen, letztlich bei einer Verschlimmbesserung?

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Die wichtigste Sitzung aller Zeiten

Was war die wichtigste Sitzung, an der du jemals teilgenommen hast? „Kann eine Sitzung überhaupt wichtig sein?“, mag da mancher aus dem eigenen Erleben und Erleiden heraus zurückfragen. Aber tatsächlich sind einige Sitzungen wichtig. Manche sind wegweisend. Und einige wenige sind tatsächlich bahnbrechend, öffnen neue Horizonte und schlagen neue Kapitel auf. Für alle Beteiligten und weit darüber hinaus.

Wie zum Beispiel die Sitzung, von der im Neuen Testament in der Apostelgeschichte 13 berichtet wird (Apg 13, 1-3):

Es waren aber in Antiochia in der Gemeinde Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaën, der mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus. Als sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe. Da fasteten sie und beteten und legten die Hände auf sie und ließen sie ziehen.
Es ist fast 2000 Jahre her, es ist im heutigen Syrien und die Leute haben seltsame Namen (Manaën? Noch schräger als die auf den Trikots der spanischen Fussball-Nationalmannschaft!). Und doch ist es – eigentlich – eine Art Sitzung. Fünf Mitarbeiter der christlichen Gemeinde in Antiochia sitzen da zusammen: Barnabas, Simeon, Luzius, Mana-Dingsbums und Saulus. Sie treffen sich nicht zufällig in der Kantine, sondern mitten in ihrer Gemeindearbeit: Als sie aber dem Herrn dienten… Gleichzeitig ist es eine ungewöhnliche Sitzung. Drei Dinge fallen mir auf:
  1. „Als sie dem Herrn dienten und fasteten…“ Fasten war in der frühen Christenheit (und mancherorts bis heute) ein bewusstes Abschalten von allzu alltäglichen Tätigkeiten, um sich auszurichten auf ein wichtiges geistliches Ziel. Um die geistlichen Antennen auf Empfang zu schalten. Um besonders sensibel zu werden für das leise Reden Gottes. Diese fünf Mitarbeiter taten das gleichzeitig. Vermutlich gemeinsam. Wahrscheinlich haben sie sich gemeinsam darauf verständigt: Lasst uns mal eine Weile fasten und hören, was Gott uns zu sagen hat.
  2. Da sprach der Heilige Geist… Die Apostelgeschichte handelt an der Oberfläche von den Erlebnissen und Taten der Apostel, der ersten Nachfolger von Jesus – aber in der Tiefe ist diese Zeit eigentlich eine Heiliger-Geist-Geschichte. Der Heilige Geist, unfassbare dritte Person des dreieinen Gottes, treibt die erste Gemeinde an, begeistert, befähigt und begabt die Christen auf eine Art und Weise, die rein menschlich nicht zu erklären ist. Ob es nur am Fasten liegt oder nicht – die fünf „Sitzungsteilnehmer“ bekommen auf jeden Fall mit, was der Heilige Geist spricht. Und der Heilige Geist spricht sehr konkret: Er spricht zwei unter ihnen direkt mit Namen an. Er spricht Berufung aus. Er hat einen Plan („das Werk, zu dem ich sie berufen habe“).
  3. Sie legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen… Nach noch ein bisschen Fasten (haben wir wirklich den Heiligen Geist gehört?) und Beten (wir müssen unsere Fragen und Sorgen schon noch loswerden!) lassen sie Barnabas und Saulus ziehen. In eine unbekannte Zukunft, raus aus einer bekannten, berechenbaren, erfolgreichen Gemeindesituation in Antiochia. Zwei von fünf gehen – das schlagkräftige Team löst sich auf, in einer dramatischen Sitzung.

Der Rest ist (Kirchen-)Geschichte. Und zwar noch wesentlich dramatischer, als sich die fünf das in der Sitzung haben vorstellen können: Ein neues Kapitel der Kirchengeschichte wird aufgeschlagen; nachdem sich das Evangelium bisher nur durch Verfolgung und Einzelaktionen im heutigen Nahen Osten ausgebreitet hat, entsteht nun eine Missionsbewegung, die in kurzer Zeit die ganze damals den Nachfolgern von Jesus bekannte Welt erreicht.

Es war schon eine ziemlich wichtige Sitzung, damals in Antiochia. Zugegeben, nicht jede meiner Sitzungen hat das Potential zu ähnlich weitreichenden Konsequenzen. Sicher die meisten nicht. Vielleicht überhaupt keine. Und doch lässt mich ein Gedanke nicht los im Hinblick auf die Sitzungskultur in Gemeinden und christlichen Organisationen:

Was würde passieren, wenn wir tatsächlich gemeinsam fasten würden um sensibler zu werden für das, was Gott zu sagen hat? Was, wenn der Heilige Geist anfängt in diese Sitzung hinein zu sprechen? Was, wenn wir seiner leisen Stimme tatsächlich mutig Folge leisten, auch wenn das Ende noch nicht absehbar und die Machbarkeit menschlich nicht zu garantieren ist?

Was, wenn wir die wichtigste Sitzung aller Zeiten nur deshalb verpassen, weil wir für diese drei Dinge nicht bereit sind?

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