Stichwort: Jesus

Jesus, verschlimmbessert

100 Jahre alt ist das Fresko „Ecce Homo“ in einer Kirche im Spanischen Borja mittlerweile. Eine fast genau so alte Rentnerin ist nun bei dem Versuch spektakulär gescheitert, das verblasste und abgebröckelte Bild von Jesus zu restaurieren. Nach dem missglückten Restaurationsversuch sieht das Bild nun aus wie das Bild einer mittelmäßig begabten Drittklässlerin im Kunstunterricht. Dem Sommerloch sei dank geistert die Geschichte nun schon einige Tage durch die Medien – und beschert dem bis dahin weitgehend unbekannten spanischen Örtchen einen unverhofften Touristenboom.

Ich stand in der Schulzeit mit Kunst eher auf Kriegsfuß, aber ein Motiv kommt mir dann doch irgendwie verdächtig bekannt vor:

Kann es sein, dass es Christen öfter passiert, Jesus zu übermalen? Getrieben vom Wunsch, sein verblasstes und abgebröckeltes Image aufzupolieren, fangen wir an ihn zu übermalen, zu überzeichnen – aber das Endergebnis sagt mehr über uns aus als über Jesus selbst? Mag sein, dass solche Restaurationsversuche für ein paar Wochen Neugierige anziehen – aber endet nicht jeder Versuch, Jesus mit menschlichen Mitteln besser zu verkaufen, letztlich bei einer Verschlimmbesserung?

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Wenn Jesus wird wie ich bin

Habe mich heute morgen mit einem sehr herausfordernden Artikel (The Gospel for the iGens) von Scot McKnight beschäftigt, der darüber schreibt welche Weltsicht die Generation der heute 18- bis 30-Jährigen vereint und wie sie deshalb auf die traditionell übliche Kommunikation des Evangeliums reagiert.

In diesem Zusammenhang zitiert er eine Untersuchung des North England Insitute for Christian Education zur Selbstwahrnehmung und Jesus-Wahrnehmung dieser Generation. Dabei wurden den Testpersonen wertneutrale Fragen zu ihrer Persönlichkeit gestellt („Regen Sie sich schnell über Ungerechtigkeit auf?“), die diese frei mit Ja oder Nein beantworten konnten. Anschließend wurden die gleichen Fragen darüber gestellt, wie die Testpersonen die Persönlichkeit von Jesus einschätzen. Resultat: Besonders die Generation der 18- bis 30-Jährigen geht in hohem Maße wie selbstverständlich davon aus, dass Jesus so ist wie sie selbst.

Scot McKnight führt das unter anderem auf ihr hochgezüchtetes, unerschütterliches Selbstbild zurück – aber was für mich noch interessanter war, ist die Frage: Wie ist das eigentlich bei mir? Wie schnell gehe ich selbst davon aus, dass Jesus so ist wie ich?

Die Bibel sagt, der Mensch sei Gottes Ebenbild. Wie viel von meiner Vorstellung von Jesus ist in Wahrheit mein Ebenbild? Und können diese so bequemen und liebgewordenen Vorstellungen immer wieder von der Wirklichkeit Gottes korrigiert werden?

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Sünder-Magnet

Bin heute über einen interessanten Aspekt in einer Predigt von John Ortberg gestolpert. Wie stehen geistliche Reife und der Umgang mit Gott ablehnenden Menschen in Zusammenhang?

Die Pharisäer zur Zeit Jesu gaben eine klare Antwort: Sie sahen sich selbst als um so heiliger an, je mehr sie sich von moralischen Verlierern, den Schuldigen und offensichtlich Gottlosen fernhielten. Sie hätten nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein können, wie Ortberg an zwei einfachen Fragen deutlich macht:

1. Wer war der geistlich reifste Mensch, der jemals lebte? Jesus.

2. Wer war der größte Magnet für Sünder, der jemals lebte? Jesus.

Das ist nun wahrhaft kein Zufall, sondern wachsende geistliche Reife setzt eine wachsende Liebe zu den Menschen voraus, für die Jesus sein Leben gegeben hat. Du kannst nicht Gott lieben und an den Menschen gleichgültig vorübergehen, für die er in Jesus sein Leben gegeben hat.

Ich fürchte, da habe ich noch viel geistliches Wachstum vor mir. Aber wünschen darf ich mir das ab sofort – ein bisschen mehr Magnet zu sein…

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