Stichwort: Kirche

Wie christlich ist das Abendland?

Wie christlich ist eigentlich das „Christliche Abendland“? Wie gläubig sind die Menschen in Frankreich, Finnland oder der Schweiz? Eine zumindest grobe Orientierung liefert die Umfrage „Eurobarometer Poll“, die bereits 2005 europaweit der – zugegeben etwas allgemein formulierten – Frage nachgegangen ist: „Glauben Sie, dass es einen Gott gibt?“ (wer auch immer er sein mag).

Natürlich – diese Frage unterscheidet nicht zwischen biblischem und bürgerlichem Gottesbild. Und sie misst gleichermaßen katholische Frömmigkeit in Polen wie muslimische Frömmigkeit in der Türkei. Aber sie liefert eine grobe Karte des religiösen Grunwasserspiegels in Europa:

Die ganz ausführliche Auswertung gibt es als PDF hier zum Download.

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Harte Fragen für deine Kirche

In einem Artikel über Gottesdienste im Internet (Church… virtually, Leadership Journal 3/2009) schreibt Chad Hall über die Möglichkeiten und die Unmöglichkeit, Gemeinde Jesu über das Internet zu leben. Dabei stolpert Hall quasi ganz nebenbei über vier große Herausforderungen, die im Zusammenhang mit Internet-Kirchen oft debattiert werden, aber jede „reale“ Kirchengemeinde ganz genauso betreffen (nur fällt das meistens niemand auf):

  1. Information oder Transformation? In manchen Gemeinden ist die Vermittlung von Information der Kernpunkt aller Aktivitäten. Wenn es vor allem um Information geht, kann man sie genauso gut auch online vermitteln. Aber wenn das Wachstum als Nachfolger von Jesus nicht nur Information sondern auch Transformation, Lebensveränderung braucht – ist reine Informationsvermittlung dann nicht zu wenig?
  2. Gleichzeitig oder gemeinsam? Wenn viele Menschen gleichzeitig an ihrem Computer beten (oder jeder für sich Traubensaft trinkt), entspricht das nicht gerade dem, wie Bonhoeffer den Leib Christi in seinem Buch Gemeinsam Leben beschrieben hat. Aber auch eine aalglatte Höflichkeit in einer „echten“ Kirche kann weit an dem vorbeigehen, wie uns das Neue Testament die Gemeinschaft im Namen Jesu vor Augen malt.
  3. Virtuell oder physisch? Das Medium das eine Nachricht übermittelt, ist wichtig für Gott. Er hat nicht eine Vision gesandt oder eine SMS, sondern das Wort wurde Fleisch. Körperlich, begreifbar, anfassbar. Niemand würde eine virtuelle Ehefrau heiraten wollen, keine Mutter ein virtuelles Kind großziehen. Wahre Beziehungen sind immer körperlich erfahrbar, begreifbar.
  4. Auswahl oder Hingabe? Die Bedeutung von Gemeindebezügen nimmt von Generation zu Generation ab. Viele suchen sich die Art von Gemeinde und Frömmigkeitsstil, die „zu mir passt“. Aber Gemeinde Jesu bedeutet wie in jeder Art von Familie: Ich bin mit Menschen zusammen, die ich mir nicht ausgesucht habe. Ich bekomme Dinge gesagt, die ich mir selbst so nicht gesagt hätte. Gemeinde Jesu bedeutet: Ich wähle freiwillig, das ewige Auswählen aufzugeben, damit ich Hingabe leben kann. An eine Gemeinschaft, an andere Menschen, an Christus.

Vier Spannungsfelder – vier harte Fragen für meine Gemeinde, für meine Kirche:

  1. Geht es in meiner Gemeinde nur um Information – oder wirklich um Transformation?
  2. Geht es in meiner Gemeinde nur um viele Leute, die gleichzeitig etwas tun – oder tun sie es wirklich gemeinsam?
  3. Gibt es in meiner Gemeinde eine nur eine gedankliche Übereinstimmung – oder gibt es Arme für den Trost, Tränen für das Mitleiden und Hände für das Helfen?
  4. Lockt meine Gemeinde durch immer neue Wahlmöglichkeiten, mein Glaubensleben möglichst individuell zusammen zu stellen – oder ermutigt sie mich zu einem Leben der Hingabe?

Diese vier Fragen sind nicht einfach zu beantworten. Aber sie sind es wert. Gemeinde Jesu ist es wert, dass wir um die besten Antworten ringen. Und in diesen Antworten leben lernen.

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Beten, Dienen, Gastfreundschaft

Wer Jesus nachfolgt, betrachtet sein Leben als einen Dienst für seinen Herren – richtig?
Wer Jesus nachfolgt, entwickelt eine Ausdauer im Beten – richtig?

Zumindest charakterisiert Paulus das im Neuen Testament (Römer 12,10-13) in einer ganzen Salve die die Gemeinde in Rom auf ein Leben ausrichten soll, das acht Kapitel Theologie in die Tat umsetzt. Vers 10: Dient dem Herrn! Vers 11: Betet ohne Unterlass!

Und dann in Vers 12: Übt Gastfreundschaft.

Gastfreundschaft? Beten ist OK, mit Dienen tun wir uns schon schwer – aber Gastfreundschaft? Ist das nicht etwas aus längst vergangenen Zeiten, als Reisen noch gefährlich und man monatelang mit einer Kutsche auf schlammigen Pfaden unterwegs war? Ist das nicht etwas für abgelegene Dörfer, in denen jeder jeden kennt und es sich gehört, dass man zusammen gehört?

Paulus nennt das in Römer 12 in einem Atemzug: Dient dem Herrn. Betet ausdauernd. Übt Gastfreundschaft.

Vielleicht ist es ganz passend, dass Martin Luther hier das altbackene Wort „übt“ im Sinne von „ausüben“, „ausleben“ verwendet – denn wir haben als westlich-individualistische Gastfreundschaft zu großen Teilen verlernt. Und müssen sie wieder üben, einüben – bevor wir sie ausüben können.

In einem Artikel für Christianity Today wirbt Stephen Winzenburg für eine neue Kultur der Gastfreundschaft in christlichen Kirchen und Gemeinden. Für ihn ist Gastfreundschaft auch keine Frage von Gemeindegröße – sondern eine Frage der inneren Haltung vieler Einzelner.

Dabei geht es nicht um eine Strategie oder eine Methode, damit sich Gäste schneller zu Hause fühlen (das ist höchstens ein positiver Nebeneffekt). Sondern viel mehr darum, in der Nachfolge Jesu das zu tun, was Jesus auch getan hat: Menschen in seine Nähe einzuladen. An sich heran zu lassen. Am Leben anderer teilzuhaben. „Komm und sieh…“ – das kann nur sagen, wer selbst gastfreundlich ist.

Gastfreundschaft – wo fange ich an zu üben?

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