Stichwort: Predigt

Klartext im Auftrag des Herrn

Hans Peter Royer ist tot. Der Leiter des Tauernhofs in Schladming in Österreich verunglückte tödlich bei einem Gleitschirmflug am Samstag. Dieser Freizeitsport war für ihn nichts Ungewöhnliches, denn der Tauernhof verbindet als Freizeitheim und Ausbildungsstätte Angebote zum Vertiefen der Bibelkenntnisse mit erlebnispädagogischen Angeboten.

Hans Peter Royer ist über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt durch Andachten und Predigten auf kleinen und größeren christlichen Veranstaltungen sowie als Autor mehrerer Bücher. Die Nachricht vom tödlichen Unfall verbreitet sich daher schnell in den sozialen Netzwerken. Viele Menschen bringen bei Facebook ihren Schock zum Ausdruck, ihre Trauer. Manche davon sind persönliche Weggefährten und äußern tiefe Wertschätzung. Andere kennen ihn als Redner von einer Veranstaltung und erinnern sich an wichtige geistliche Impulse aus seinen Vorträgen und Predigten.

Erinnerungen, Erlebnisse, Wertschätzung von Weggefährten – all das drückt Dankbarkeit und Wertschätzung aus für einen Menschen und für die Spuren, die er im Leben von anderen hinterlässt. Ich weiß nicht, wie Hans Peter Royer über diese geäußerte Wertschätzung gedacht hätte. Ich habe ihn nicht persönlich kennen gelernt. Manchmal wünscht man sich nach einem Todesfall, man hätte den  verstorbenen Menschen zu seinen Lebzeiten kennen lernen dürfen. Hans Peter Royer war für mich so ein Mensch.

Bei den wenigen Gelegenheiten, wo ich ihn im Rahmen einer größeren Veranstaltung sprechen gehört habe, habe ich Herzschlag gespürt. Den von Hans Peter Royer und den von dem Gott, in dessen Auftrag er da predigte. In der großen Bandbreite christlicher Redner habe ich ihn als jemanden empfunden, der echt ist. Dem nicht der äußere Anschein wichtig ist, im Auftrag des Herrn unterwegs zu sein. Sondern der innerlich angetrieben ist von dem, was Gott wichtig ist – und der seine eigene Bedeutung auf der Bühne gleichzeitig nicht so wichtig nimmt.

Wir sind alle Menschen. Wir sind alle nicht frei von Eitelkeiten – auch nicht auf der Bühne christlicher Großveranstaltungen oder hinter der Kanzel. Vielleicht erst recht nicht dort. Bei Hans Peter Royer hatte ich wie viele andere den Eindruck: Der ist echt. Der ist kantig. Der sagt, was nach seiner Überzeugung gesagt gehört. Der redet im Auftrag des Herrn – und zwar Klartext. Das lässt sich – leider – nicht immer von Gottes Bodenpersonal sagen.

51 Jahre alt ist Hans Peter Royer geworden. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Zuerst ihnen und den Mitarbeitern des Tauernhofs gilt mein Mittrauern und mein Gebet.

Und ein bisschen trauere ich auch darum, dass es jetzt einen Menschen weniger gibt, der im Auftrag des Herrn Klartext redet.

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Motorcheck: Was treibt deine Gemeinde an?

Was bestimmt eigentlich letztlich das Leben in deiner Kirche oder Gemeinde? Was gibt den Menschen Energie, aufeinander zu zugehen oder in ihrem Umfeld als Christen prägend zu leben? Nach welchen Kriterien wird dem einen Projekt Priorität eingeräumt und das andere zurückgestellt?

Es gibt viele mögliche „Motoren“ von Gemeinde; vieles, was eine Gemeinde und ihre Menschen antreiben kann:

  • Tradition – was wir schon immer gemacht haben und früher auch gut war
  • Vision – was als Leitlinie auserkoren wurde (von wem auch immer)
  • Trends – was andere Gemeinden machen (oder was man auf dem letzten Kongress gehört hat)
  • Aktionismus – was dazu führt dass bei uns „etwas los ist“
  • Perfektion – was dazu beiträgt, dass alle Rädchen reibungslos ineinandergreifen

Welchen Motor sehen wir eigentlich, wenn wir unserer Gemeinde mal ganz ehrlich unter die Haube schauen? Und: Was lehrt der Erfinder im Neuen Testament darüber, was Gemeinden antreiben soll, damit sie sich geistlich gesund entwickeln?

Bei allen berechtigten Impulsen aus der Gemeindewachstumsbewegung zur Wichtigkeit einer „Gemeindevision“ oder einer „auftragsorientierten Gemeinde“ komme ich in letzter Zeit immer wieder und immer stärker zum ganz einfachen und zentralen Motor von Gemeinde zurück: Glaube.

„Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen“, heißt es im Hebräerbrief (Hebräer 11,6). Und ebenso wenig, Gemeinde Jesu zu bauen.

Durch den Glauben sind Menschen in einer Gemeinde mit Christus verbunden, dem „Haupt der Gemeinde“ (Kolosser 1,18). Durch den Glauben haben wir in allen Gemeindekonflikten Zugang zur Gnade Gottes – und Hoffnung über alle aussichtslosen Situationen hinaus (Römer 5,2). Durch den Glauben können wir sehen, was noch nicht ist aber bei Gott noch werden soll und es in seinem Auftrag in unsere Wirklichkeit „hineinleben“. Durch den Glauben ist Christus in der Mitte der Gemeinde präsent, verleiht ihr Kraft, Ausrichtung und Wirkung in ihr Umfeld hinein. Der Glaube macht aus einer menschlichen Organisation einen geistlichen Organismus.

Eine Gemeinde ohne Glauben ist eine Totgeburt und dem Tod geweiht. Wir merken es nur nicht, weil menschlich gesehen vieles scheinbar läuft und funktioniert. Und doch bleibt es hohl und wenig erfüllend, angestrengt und in der Wirkung mittelmäßig. Erst durch Glauben wird aus Gesetzlichkeit Freiheit, aus Anstrengung Geschenk, aus dem Machbarem das Wunderbare.

Und wie kommt so ein Glaube in eine Gemeinde hinein? Woher kommt er?

Man kann ja nicht alle Fragen in einem Satz beantworten – diese schon (Römer 10,17):

Der Glaube kommt aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

Wie unendlich viel mehr ist die Predigt als ein Programmpunkt im Gottesdienst! Ihr Pfarrer, Pastoren, Andachthalter, … alle die ihr Gotteswort durch euer Wort in Menschenohr transportiert: Es geht nicht um euch, es geht nicht um Effekte, es geht nicht darum, eine vorgegebene Zeitspanne interessant aus der Bibel zu füllen!

Achtet Predigt nicht gering! Nehmt Predigt nicht leicht! Schludert nicht mit dem, was Gottes Wort sagt! Garniert nicht eine Sitzung oder eine Motivationsansprache mit einem Vers aus dem Losungsbuch! Redet nicht über Christus, sondern lasst Christus selbst sprechen durch das, was ihr sagt (das ist das, was „Vollmacht“ letztlich bedeutet)!

Langsam, schleichend über Jahre hinweg, entziehen vollmachtslose Predigten einer Gemeinde den Glauben. Wie bei einer Ehe in der Krise sieht äußerlich alles intakt aus, laufen alle Aktivitäten auf Hochtouren, scheint alles so wie es immer war. Aber unter der Oberfläche wird es hohl und leer und kalt.

Eine schlechte Predigt ist noch kein Weltuntergang. Aber dauerhaft schlechte Predigten sind der Gemeindeuntergang. Denn an der Predigt hängt der Glaube und am Glauben die Gesundheit und das Potential der ganzen Gemeinde.

Ich finde, das ist einen ehrlichen Motorcheck mehr als wert.

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Gute oder schlechte Predigt?

Als Mitarbeiter einer christlichen Organisation und meiner Gemeinde habe ich gelernt, mit einer Überdosis Verkündigung zu leben. Geistliche Impulse, Andachten, Predigten… wir produzieren sie, wir senden sie, wir hören sie, wir lesen sie, wir twittern sie. Gottes Wort, in Menschenhand, im Überfluss. Und immer durch das Sprachzentrum (oder Schreibzentrum) eines Menschen hindurch, der seinen Job meistens sehr gewissenhaft und leidenschaftlich macht – nämlich das was Gott vor vielen Jahrhunderten in Menschenworte eingepackt hat, wieder für die Zuhörer bzw. Leser auszupacken.

Mit wechselhaftem Erfolg: Manche Predigten inspirieren, ermutigen, überführen und betreffen ganz persönlich, lassen einen über Wochen nicht los. Da hat wirklich ein weitaus Größerer in mein Leben hineingesprochen als der (oder die) Verkündigende. Und es gibt es das Gegenteil: Wirkungslose Andachten, theologisch fundiert, rhetorisch ordentlich,eigentlich alles richtig gemacht – und doch in der Wirkung blutleer.

Woran liegt das?

Natürlich, das Reden Gottes durch Menschenwort oder Menschenhand lässt sich nicht erzwingen, nicht programmieren. Natürlich, es ist der Geist Gottes selbst, der reden muss, sonst bleiben nur menschliche Vorstellungen und Appelle. Natürlich, es liegt immer auch an der Offenheit des Hörer, es ist nicht immer der richtige Zeitpunkt, nicht jeden geht jedes Thema gleichermaßen an…

Natürlich. Wenn Gott durch Menschen handelt, kombiniert er immer Inspiration und Transpiration – göttliche Vollmacht und menschliche Absicht. Und doch: Der der verkündigt, kann es vermasseln. Es gibt ganz objektiv gute und schlechte Predigten.

Es gibt viele Faktoren, die die Wirksamkeit einer Predigt auf der „menschlichen Seite“ von Vornherein einschränken können. Über viele davon kann man in Büchern nachlesen. Über ein Unterscheidungsmerkmal guter von schlechten Predigten habe ich bisher aber noch nicht viel gelesen – und über ihn denke ich in letzter Zeit öfter nach. Sowohl beim Andacht- und Predigthören, als auch beim Selber-Andenken-und-Predigen. Es ist ganz einfach, und auch Laien in Homiletik (so nennt man die Lehre vom Predigen, wenn man es schick ausdrücken will) können beim Hören einer Predigt schnell ein Gefühl dafür bekommen. Ich nenne diesen Unterschied „Predigten von innen bzw. „Predigten von außen“.

Eine „Predigt von außen“ ist wie eine Laborvorlesung an der Uni. Der Professor hält den zu untersuchenden Gegenstand in der Hand, die Studenten stehen um ihn herum und hören zu. Er dreht und wendet ihn nach allen Seiten, weist auf Besonderheiten hin, setzt seine Analyseinstrumente ein und beginnt mit den Zuhörern ein Gespräch über die Eigenschaften, Gesetzmäßigkeiten und Einsatzmöglichkeiten des Gegenstands. Genau so ist eine „Predigt von außen“: Gemeinsam schaut man sich einen Bibeltext an, der Verkündiger dreht und wendet ihn nach allen Seiten (mindestens jedoch nach drei Seiten, die alle mit dem gleichen Anfangsbuchstaben beginnen). Hinterher wissen alle Zuhörer deutlich mehr über den Gegenstand. Und – wenn es gut läuft – sogar, wofür sie ihn selbst verwenden können.

Eine „Predigt von innen“ ist dagegen wie ein Innenarchitekt, der die Besitzer eines neu gebauten Hauses in ihre Räumlichkeiten hinein und umherführt. Auch er erklärt Dinge, weist auf Besonderheiten hin, setzt sein Fachwissen ein. Aber er ist mit den Zuhörern zusammen in dem Raum, über den er redet. Genau so ist eine „Predigt von innen“: Der Bibeltext ist kein „Etwas“, das man gemeinsam hin und herwendet und hinterher 80% von dem weiß, was es über diesen Text zu wissen gibt. Der Bibeltext ist wie ein Raum, in den der Verkündiger mit seinen Zuhörern hineingeht. In dem er ihnen die Augen öffnet, für das was in ihrem Leben längst ist (und was sie nur nicht gesehen haben). Und für das, was sein könnte. Ist bei der „Predigt von außen“ die Anwendung im Alltag der „letzte Punkt“, das typische „und was heißt das jetzt für uns“, so sind Verkündiger und Zuhörer bei der „Predigt von innen“ die ganze Zeit über beim „uns“. Beim Alltag. Bei der Bedeutsamkeit. Niemand der sich sein neues Haus anschaut, muss sich bewusst fragen, wozu er sich das jetzt anschauen soll.

Kleine Herausforderung an alle, die Andachten oder Predigten hören: Achte beim nächsten Mal darauf, ob du eine Innen- oder eine Außenpredigt hörst.

Größere Herausforderung an alle, die Andachten oder Predigten halten: Halte bewusst eine „Innen-Predigt“, falls du es nicht ohnehin schon tust. Und dann schau, was Gott bei deinen Zuhörern daraus macht…

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