Stichwort: Rettung

Gott lässt dich nicht zurück

Wenn jemandem etwas Gutes widerfährt… dann möchte ich nicht zurück bleiben.

Das war schon immer so: Wenn mein Bruder früher vom Kuchenteig naschen durfte, dann wollte ich auch. Wenn ein Klassenkamerad seine Hausaufgaben erlassen bekam, dann wollte ich auch. Wenn ein anderer aus dem Führerscheinkurs auf die Autobahn durfte, dann wollte ich auch.

Wenn jemandem etwas Gutes widerfährt… dann möchte ich nicht zurück bleiben.

Es scheint, als würde in allen Menschen eine Sehnsucht wohnen, das Gute nicht nur von außen zu beobachten, sondern darin einzutauchen. Das Gute ganz persönlich zu erleben, maßgeschneidert, ja selbst Teil des Guten zu werden.

So betet der Dichter von Psalm 106 im Hinblick auf Gottes Hilfe für das Volk Israel: Denke an mich, Herr, wenn du dich deinem Volk gnädig zuwendest – wenn du ihnen hilfst, dann hilf auch mir!

Wenn Gott seinem Volk etwas Gutes widerfahren lässt… dann möchte der Psalmdichter nicht zurück bleiben. Ich kann ihn gut verstehen.  Wenn Gott wirklich Leben zum Guten verändert, dann möchte ich das mit eigenen Augen sehen, wie es in Psalm 106 weiter heißt. Mich mitfreuen und gemeinsam mit anderen dankbar sein, mit diesem Gott durch das Leben gehen zu können.

Gottes Gnade ist anders als der Kuchenteig meiner Kindheit: Sie ist immer groß genug, dass auch für mich noch mehr als genug davon da ist. Mein Gott lässt mich nicht zurück.

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Theologie einer Hure

Sie ist eine mutige Frau. Sie ist eine Vorfahrin von Jesus. Und sie eine der bekanntesten Huren der Weltgeschichte.

Die Rede ist von Rahab. Eine Frau, die kurz vor der Eroberung Kanaans durch die Israeliten in der Stadt Jericho lebt (deren Mauern durch sieben Tage Volksmusik zum Einsturz gebracht wurden). Ihre Situation wird uns im Alten Testament überliefert (Josua 2): Der Fall ihrer Stadt liegt irgendwie schon in der Luft, die Mächtigen beäugen mißtrauisch jeden Fremden – als zwei Kundschafter des israelischen Anführers Josua in Rahabs Haus in Jericho Zuflucht suchen (interessant, dass sie ausgerechnet im Haus der stadtbekannten Hure landen; vermutlich war das der einzige Ort, in dem Fremde ein- und ausgehen konnten ohne aufzufallen).

Rahab weiß fast nichts vom Glauben der Israeliten, kennt nicht den „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“, sie hat nur Gerüchte gehört von der Teilung des Schilfmeers beim Auszug aus Ägypten. Und doch versteckt sie israelischen Kundschafter, belügt die Mächtigen Jerichos und ermöglicht den Spionen Josuas so das Entkommen. Aus der „Hure Rahab“ wird die „Hochverräterin Rahab“.

Warum geht diese mutige Frau ein solches Risiko ein? Ist sie einfach nur eine Opportunistin, die sich von den alten Machthabern ab- und den neuen Machthabern zuwendet, solange sie noch die Gelegenheit dazu hat? Aber warum sollten die beiden israelitischen Spione ihr Entgegenkommen überhaupt belohnen? Sie gehört schließlich zum Feind, und sie nicht etwa eine wertvolle Wissenschaftlerin, sondern „nur“ eine Hure, die im neuen Israel wohl niemand vermissen würde.

Ich glaube: Ihr Antrieb ist letzlich ihr Glaube. Es ist nur ein kleiner Funken, aber er reicht, damit sie und ihre ganze Familie gerettet wird. In Josua 2,11 erklärt sie den Kundschaftern:

Der HERR, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf Erden.

Das ist alles an Theologie, was sie weiß – und es reicht. Gott ist oben im Himmel, das heißt: Gott ist allmächtig, keiner ist größer als er. Was dieser Gott beschließt, das führt er aus. Aus seiner Feder allein entsteht die gesamte Menschheitsgeschichte. Kein König von Kanaan und keine Stadtmauer von Jericho kann sich gegen diesen Gott stemmen. Aber Gott ist auch unten auf Erden, das heißt: Gott ist nahe, er sieht auch die Stadt Jericho. Das kleine Haus an der Stadtmauer. Er sieht auch die Frau, die von allen in der Stadt nur „Rahab, die Hure“ genannt wird. Er sieht, dass sie sich mit ihrem Verrat an den gegenwärtigen Mächtigen dem Gott des Himmels und der Erde ausliefert.

Der Rest ist Geschichte, wie man so sagt:

Das Unwahrscheinliche passiert, und die Spione halten Wort, erzählen ihre Geschichte.
Das Unwahrscheinliche passiert, und der Anführer Josua erteilt Befehl, Rahab und ihre Familie zu verschonen.
Das Unwahrscheinliche passiert, und Rahab wird im Chaos der Eroberung kein Haar gekrümmt.
Das Unwahrscheinliche passiert, und Rahab darf mit ihrer Familie unbehelligt neben dem Volk wohnen bleiben.
Das Unwahrscheinliche passiert, und Rahab wird Ur-Ur-Großmutter von König David.
Das Unwahrscheinliche passiert, und Rahab wird in Matthäus 1 als eine von nur zwei Frauen im Stammbaum von Jesus erwähnt.

Rahab ist nicht länger „Rahab, die Hure“. Sie ist eine Frau, die sich entschieden hat mit dem „Gott oben im Himmel und unten auf der Erde“ zu rechnen. Eine Frau, deren dieser Gott sich nicht geschämt hat, sie dem Stammbaum seines Sohnes zuzurechnen.

Gott liebt es, das Unwahrscheinliche Wirklichkeit werden zu lassen für die, die seiner Allmacht und seiner Nähe völlig vertrauen.

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Weisheit 30 – Vertrauensfrage

Weisheit #30: Alle Worte Gottes sind durchläutert; er ist ein Schild denen, die auf ihn trauen. (Sprüche 30,5)

Einsicht: Rettungsschirm, Euro-Bonds, Hilfspaket – als Gesellschaft suchen wir in der Krise nach einem Schild, der uns in Schutz nimmt. Vor den Folgen unserer eigenen Fehlentscheidungen und denen anderer. Und wir ahnen dass die Grundfrage ist, wessen Zusagen man in diesen Zeiten trauen kann. Gut, dass Gott tut was er sagt. Dass er deshalb ein zuverlässiger Schild ist. Dass wir ihm deshalb trauen können.

Herausforderung: In welchem Lebensbereich willst du Gott heute neu das Vertrauen aussprechen?

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