Stichwort: Technik

Alles wird Touchscreen

Kinder sehen manche Dinge besser als Erwachsene. Unverfälscht, unsortiert, unvoreingenommen. Jahrzehnte Lebenserfahrung geben uns Erwachsenen Intuition für unzählige Entscheidungen des Alltags. Und gleichzeitig versperren sie manchmal den Blick auf Neues – weil sie uns auch die Zukunft immer durch die Brille der Vergangenheit sehen lassen.

Zum Beispiel auch die technischen Veränderungen: Was viele Erwachsene heute als Spielzeug betrachten und manche als Werkzeug einsetzen, wird für die nächste Generation unhinterfragte Kulturumgebung sein. So wie wir heute im Westen mit Strom aus der Steckdose und rechnen und damit, jederzeit und überall telefonieren zu können, werden unsere Kinder z.B. in der festen Gewissheit leben, dass man Computer durch Gesten und Sprachen steuern kann. Dass Alltagsgegenstädne miteinander vernetzt sind und ständig Daten austauschen.

Alles Science-Fiction? Hat die Menschheit nicht wichtigere Probleme zu lösen?

Mag sein. Dennoch zeichnet sich ab, dass wir mit Computern und Technik in wenigen Jahren grundsätzlich anders umgehen werden als wir es bisher gelernt haben. Und das wird – zumindest für die nächste Generation – völlig selbstverständlich sein. Der Journalist Janko Röttgers hat seine vierjährige Tochter beobachtet, wie sie mit Technik umgeht (5 things my 4-year-old taught me about technology). Hier ist die Zusammenfassung dessen, was ihm dabei klar geworden ist:

  1. Touchscreens verändern die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen. Wir erwarten zunehmend, dass alles was irgendwo angezeigt wird, auch auf Berührung reagiert und steuerbar ist. Die Bedienung eines Computers verliert an Abstraktion, der alte Microsoft-Slogan wird Realität – information at your fingertips.
  2. Computer werden zunehmend über natürliche Sprache gesteuert. Auch wenn die Spracherkennung oft noch hakelig ist und auch Apples vielgerühmte virtuelle Assistentin Siri nicht fehlerfrei versteht, was der Nutzer will – Kinder dürften in Zukunft mit der selbstverständlichen Erwartung aufwachsen, dass sie mit Smartphones, Computern und Fernsehern über Sprache kommunizieren können. Der nächste Schritt in diese Richtung ist die Integration von Sprachsteuerung in Spielkonsolen wie die XBOX Kinect von Microsoft, die sich heute bereits berührungslos durch Gesten bedienen lässt.
  3. Lineares Fernsehen ist tot. Bewegtbild lebt weiter, Fernsehen als großer Schirm vor bequemer Couch lebt weiter – aber die nächste Generation wird sich nicht mehr vorschreiben lassen, wann sie welche Beiträge (oder Werbung) anzusehen hat, nur weil der Programmdirektor eines Senders das so beschlossen hat. Wer on demand als Nutzungsverhalten mit der Muttermilch aufgesogen hat, wird nicht mehr bereit sein, auf  Dauer lineares Fernsehen zu akzeptieren.
  4. Spiele werden sozial. Computerspiele gibt es schon lange (Ziel: Den Computer bezwingen), Mehrspieler-Versionen ebenfalls (Ziel: Die Freunde bezwingen). In Zukunft werden Spiele immer stärker in soziale Netzwerke eingebunden sein. So wie ein Freundeskreis bei einem Glas Wein spontan auf die Idee kommt „Laßt uns doch mal wieder was spielen“, so werden Spiele fester Bestandteil der sozialen Netzwerkkultur, in der ohnehin immer mehr Menschen zu Hause sind. Die gegenwärtigen oft nervigen Facebook-Spiele dürften da nur der Anfang sein.
  5. Online und Offline werden sich weiter vermischen. Schon heute gibt es Anwendungen für GPS-fähige Mobiltelefone, die den Freundeskreis beim Joggen auf dem Laufenden halten, wie man sein Pensum gerade schafft. Durch Skype via Facebook oder Google Hangouts wird es immer einfacher, quasi „beiläufig“ mit Freunden und Bekannten technisch in Verbindung zu bleiben. Integriert in den ganz normalen Alltag. Der Begriff der menschlichen „Präsenz“ wird flacher (sind wir noch wirklich „ganz“ in einer Situation, wenn wir gleichzeitig virtuell mit Abwesenden in Verbindung stehen?), aber auch breiter – ich kann mit wesentlich mehr Menschen Beziehungen pflegen, als ich das von Angesicht zu Angesicht könnte.

Das alles kann man gut oder schlecht finden. Manches mag man zu Recht kritisieren, oder auch Angst davor bekommen. Nur eins scheint zur Zeit wirklich sicher zu sein: Unsere Welt, die unsere Kinder heute durch Kinderaugen sehen, wird sich an manchen Stellen völlig verändern zu der Welt, die sie später einmal verantwortlich gestalten müssen.

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Künstliche Intelligenz und die Gottesfrage

Können Maschinen denken? Oder anders gefragt: Woran würde man merken, dass das Gegenüber in einer Kommunikation eine Maschine ist und kein Mensch?

Bereits 1950 schlug der englische Mathematiker Alan Turing ein Testverfahren zur ermittlung der „Intelligenz“ einer Maschine vor. Kurz gefasst funktioniert der Turing-Test so: Eine Testperson kommuniziert in zufälliger Reihenfolge per Bildschirm und Tastatur mit einem Computer und mit einem Menschen. Wenn die Testperson bei seinem Gegenüber nicht sicher zwischen Mensch und Maschine unterscheiden kann, ist der Computer „intelligent“.

Was vor 60 Jahren noch eine eher akademisches Gedankenexperiment war, ist inwzischen längst Alltagspraxis: Jeder, der schon einmal die Kundenhotline eines großen Unternehmens angerufen hat, kennt automatische Callcenter-Systeme, die die Kundenprobleme anhand einer einfachen „Unterhaltung“ vorsortieren oder mit vorgefertigten Antwort-Bausteinen zu lösen versuchen. Das klappt noch nicht wirklich so gut, dass man den Call Center-Computern tatsächlich Intelligenz vorwerfen könnte.

Dennoch sind viele Forscher fasziniert von der Idee, mit immer mehr Rechenpower Turings Idee einer „künstlichen Intelligenz“ (KI) näher zu kommen. Ob das ein erstrebenswertes Ziel ist, und ob es überhaupt erreichbar ist – da habe ich so meine Zweifel.

Interessant wird es auf jeden Fall, wenn man zwei Call Center-Computer zusammenschaltet und sie sich miteinander „unterhalten“ lässt. Wissenschaftler der Cornell University in den USA haben es ausprobiert und zwei baugleiche KI-Computersysteme aufeinander losgelassen. Die Unterhaltung ist zunächst ein höfliches Abtasten, wird dann leicht erratisch als die beiden Maschinen die Gottesfrage diskutieren und eskaliert zum Schluß, als die Computer sich gegenseitig vorwerfen, nicht die Wahrheit gesagt zu haben (klingt irgendwie wie die Kurzbeschreibung eines gescheiterten Missionierungsversuchs 🙂

Wie dem auch sei – hier ist das äußerst unterhaltsame Video dieses Experiments:

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Frisst die digitale Revolution ihre Kinder?

Wir befinden uns mitten in einer Medienrevolution. Das Internet verändert nicht nur das Berufsleben (und die Art und Weise, wie wir Bücher kaufen oder unseren Urlaub buchen) – unsere Kinder wachsen in eine völlig andere Welt hinein wie die, in der ihre Eltern aufgewachsen sind.

Wie wirkt sich Multitasking auf unser Lernen aus? Wie wächst sich Internetsucht zu einer landesweiten Gesundheitskrise in Südkoreo aus? Wie hilft das Internet dabei, eine Schule in der Bronx zu retten? Wie dumm macht das Internet unsere Kinder?

?Rachel D???retzin und Douglas Rushkoff gehen wichtigen und unbequemen Fragen in einer 90-minütigen (englischsprachigen) Dokumentation ??sehr authentisch auf den Grund. Und sie legen offen, dass es tatsächlich Welten sind, die die Generationen von digital natives und digital immigrants voneninander trennen:

http://video.pbs.org/video/1402987791

?Absoult sehenswert. Und absolut nachdenklich stimmend. Mein persönliches Fazit: Wie auch immer man die digitale Revolution bewerten mag – ihre Langzeit-Effekte werden dramatisch unterschätzt.

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