Stichwort: Team

Mehr als Aber – wie man Skeptiker gewinnt

Wir Deutsche sind Weltmeister. Zur Zeit zwar nicht im Fußball, aber dafür in einer anderen wichtigen Sportart: Dem Aber-Sagen. Kaum ein Volk auf diesem Planeten, das uns an Kreativität schlägt, angesichts neuer Ideen oder anstehender Veränderungen Einwände zu finden, Bedenken zu äußern oder überzeugend zu erklären, warum das gar nicht geht, was jemand anderes vorschlägt. Bis jemand kommt, der unserem „Aber“ gar nicht glaubt, sich einfach darüber hinweg setzt – und unter Beweis stellt, dass es doch geht.

Einwände und Bedenken aus der Umgebung durchbrechen – das ist nicht nur eine Herausforderung für Erfinder und Pioniere. Es ist tägliches Geschäft für alle Leiter, die ein Team von Mitarbeitern führen sollen. Leiter brauchen in der Regel nicht lange, um die üblichen Rollen in ihrem Team zu erkennen: Wer macht sofort mit? Wer springt auf jeden neuen Zug? Wer lässt sich gerne überzeugen? Wo sind die Bedenkenträger? Und dann gibt manchmal auch noch den Zyniker, dem es wichtiger ist, Recht im Team zu haben als Erfolg mit dem Team. Wie geht man als Leiter damit um? Wie überwindet man die „Aber-Mentalität“? Wie gewinnt man Skeptiker?

Intuitiv versuchen es Leiter zuerst mit einer Diskussion, erklären die Sachlage, werben um Einsicht und Umschwenken des Skeptikers. Nicht selten stellen sie dann fest, dass sie mit der Diskussion über Sachfragen in solchen Situationen nicht wirklich weiter kommen. Das ist auch kein Wunder – denn Sachargumente sind selten die einzige Quelle von Skepsis. Hinter dem „Aber“ von Mitarbeitern stehen oft auch sehr subjektive und emotionale Faktoren, zum Beispiel:

  • Schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit
  • Verletzte Eitelkeit, die Idee nicht selbst gehabt zu haben
  • Das Verlustgefühl, über die Idee nicht selbst entschieden zu haben
  • Mangelndes Vertrauen in die Fachkompetenz des Leiters
  • Mangelndes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, mit dem Neuen klarzukommen

An diese Faktoren kommt ein Leiter durch eine Diskussion über Sachfragen nicht wirklich heran. Deshalb raten manche Autoren in der Managementliteratur, die Skeptiker einfach zu ignorieren. „Da müssen Sie so viel Energie reinstecken, investieren Sie die lieber in die Leute, die mitziehen“.

Ich glaube, wer so handelt, verpasst eine Chance.

Auch wenn Skeptiker besonders den dominanten und/oder ideengetriebenen Leitern mächtig auf die Nerven gehen können – sie leisten einen wichtigen Beitrag für ein besseres Gesamtergebnis. Diesen Beitrag erntet der Leiter aber nicht durch endlose Diskussion und auch nicht durch Ignorieren. Einen besseren Fahrplan für den Umgang mit Skeptikern beschreibt Susan Mazza in ihrem Artikel How to Win Over a Skeptic (wie man einen Skeptiker gewinnt) so:

  1. Unterbreche den Streit darum, wer Recht hat. Wer Bedenken äußert ist nicht böse, wer den Leiter nervt ist nicht schlecht für die Organisation, wer nicht sofort mitzieht ist kein Gegner. Wenn der Leiter über Skeptiker in Kategorien von „richtig“ und „falsch“ denkt, wird es am Ende auf jeden Fall mindestens einen Verlierer geben.
  2. Erkenne den Wert der Skepsis. Wer sich skeptisch äußert, dem ist die gemeinsame Sache nicht egal. Bedenken und Einwände formulieren die Probleme und Hürden sehr klar, die genommen werden müssen. Skeptiker können dem Leiter helfen, wirklich gute Entscheidungen zu treffen: Weiß ich wirklich genug über die Probleme? Habe ich genug Zeit investiert um die Lösung zu Ende zu denken? Ob das wirklich so ist, entscheidet sich sicher nicht am Verstummen der Skepsis. Aber ich kann Skepsis als Erinnerung nutzen, noch einmal genau hinzusehen.
  3. Gewinnen statt Überzeugen. Der Skeptiker wird sich in der Regel erst durch die neue Realität überzeugen lassen (und manche selbst dann nicht). Erst wenn der Beweis erbracht ist, dass etwas funktioniert, verstummt das „Aber“. Deshalb ist es meist unmöglich, Skeptiker vorher mit Sachargumenten zu überzeugen (das wäre wieder das Modell „Endlos-Diskussion“). Es ist aber durchaus möglich, den Skeptiker zu gewinnen – auf der Basis dessen, was ihm oder ihr persönlich wichtig ist.

Wie gewinnt man einen Skeptiker für etwas Neues? Noch einmal Susan Mazza:

Figure out what matters to them and help them discover how working together can make a difference in what they care most about.

Zu Deutsch:

Finde heraus, was dem Skeptiker wirklich wichtig ist. Und dann hilf ihm zu entdecken, wie das gemeinsame Neue gerade auf dem Gebiet positive Auswirkungen hat, das dem Skeptiker wichtig ist.

Ich finde, es ist zumindest den Versuch wert.

Wie gehst du mit Skeptikern um?

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Ärger an der Arbeit?

Zwei Dinge gelten für alle Arbeitsplätze der Welt gleichermaßen:

1. Es gibt etwas zu tun.

2. Es gibt Ärger.

Arbeitnehmer verbringen ein Drittel ihrer besten Jahre am Arbeitsplatz. Sie investieren im bürgerlichen Normalfall 8 Stunden am Tag in ihren Beruf – das sind bis zum 10-jährigen Betriebsjubiläum dann immerhin rund 18.000 Stunden (Urlaub und Krankheitszeiten schon abgezogen). Und einen nicht geringer Teil davon verbringen wir damit, Ärger bei Kolleginnen und Kollegen auszulösen – oder Ärger der von anderen ausgelöst wurde abzubekommen – oder gemeinsam zu versuchen, Ärger zu bewältigen und Probleme zu lösen.

Wie geht das am besten? Wie geht man so um mit dem Ärger an der Arbeit und Konflikten mit den Kollegen, dass am Ende nicht allzuviele dieser 18.000 Stunden von Ärger und Konflikten beeinträchtigt werden?

Perry Noble – als Pastor mit Ärger an der Arbeit mehr als vertraut – nennt in einem Beitrag für The Resurgence ein wichtige Punkte für gutes Ärger- und Konfliktmanagement am Arbeitsplatz. Hier sind meine Favoriten – aus eigener Erfahrung als Konflikt-Opfer und -Täter:

E-Mail funktioniert nicht.
Noble bezeichnet das Verfassen von E-Mails, um Konflikte zu lösen, sogar als den „Akt eines Feiglings“. In der Regel verlängern E-Mails Konflikte und schaffen in einer emotional aufgeladenen Atmosphäre durch missverständliche Formulierungen eher neue Konflike, als alte zu lösen. Telefon ist besser, persönliches Gespräch unter vier Augen ist noch besser. Vielleicht auf den ersten Blick schwieriger, aber auf jeden Fall effektiver. Wer ist schon gerne ein Feigling?

Nimm das Beste über deine Kollegen an
Die Anzahl der Menschen auf diesem Planeten, die morgens aufstehen und beschließen allen anderen das Leben zur Hölle zu machen, ist tatsächlich relativ begrenzt. Es ist eher unwahrscheinlich, dass dir einer von ihnen an deinem Arbeitsplatz begegnet (vom Mobbing einmal abgesehen, s. unten). Von daher dürften es auch die anderen Konfliktbeteiligten, über die du dich gerade ärgerst, sehr wahrscheinlich wirklich gut meinen.

Keiner kann deine Gedanken lesen
Eigentlich ist es logisch – und doch falle ich immer wieder auf diese Tatsache herein: Keiner kann die Gedanken der anderen lesen. Jeder beurteilt sich selbst nach seinen (guten) Absichten, aber die anderen nach ihren (schlechten) Verhaltensweisen. Wenn ein Baby verletzt ist, wird das sofort für alle in 100 Meter Umkreis akustisch deutlich. Als Erwachsene haben wir gelernt, unsere Gefühle zu verbergen. Dementsprechend wissen Konflikbeteiligte manchmal gar nicht, dass sie tatsächlich Konfliktbeteiligte sind. Wenn du dich ärgerst, ist es deine Verantwortung, aktiv zu werden!

Geh zügig den ersten Schritt
Für deinen Ärger mögen tatsächlich in erster Linie andere verantwortlich sein – und trotzdem solltest du zügig den ersten Schritt gehen zur Lösung. Denn du bist es doch, der sich ärgert! Von alleine wird es nicht weggehen. Die alte Volksweisheit „Die Zeit heilt alle Wunden“ gilt halt nicht für alle Wunden. „Der Andere hat angefangen, deshalb soll er sich zuerst entschuldigen“ gehört in den Sandkasten und ist kein erwachsenes Verhalten. Nicht jede Konfliktlösung beginnt mit einer Entschuldigung; manchmal ist das „Anmelden von Gesprächsbedarf“ bereits ein guter erster Schritt.

Achtung Mobbing!
Übrigens: Mobbing begegnet man nicht einfach nur dadurch, dass man persönlich redet statt E-Mails zu schreiben. Oder in dem man das Bester über seine Kollegen denkt. Oder den ersten Schritt zur Konfliktlösung geht. Wenn du den Eindruck hast, Opfer von Mobbing zu sein, hol dir Hilfe – und zwar schnell.

Ärger an der Arbeit, Konflikte mit Kollegen – was fällt dir dabei besonders schwer? Und was funktioniert bei dir besonders gut auf dem Weg zur Konfliktlösung?

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Die wichtigste Sitzung aller Zeiten

Was war die wichtigste Sitzung, an der du jemals teilgenommen hast? „Kann eine Sitzung überhaupt wichtig sein?“, mag da mancher aus dem eigenen Erleben und Erleiden heraus zurückfragen. Aber tatsächlich sind einige Sitzungen wichtig. Manche sind wegweisend. Und einige wenige sind tatsächlich bahnbrechend, öffnen neue Horizonte und schlagen neue Kapitel auf. Für alle Beteiligten und weit darüber hinaus.

Wie zum Beispiel die Sitzung, von der im Neuen Testament in der Apostelgeschichte 13 berichtet wird (Apg 13, 1-3):

Es waren aber in Antiochia in der Gemeinde Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaën, der mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus. Als sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe. Da fasteten sie und beteten und legten die Hände auf sie und ließen sie ziehen.
Es ist fast 2000 Jahre her, es ist im heutigen Syrien und die Leute haben seltsame Namen (Manaën? Noch schräger als die auf den Trikots der spanischen Fussball-Nationalmannschaft!). Und doch ist es – eigentlich – eine Art Sitzung. Fünf Mitarbeiter der christlichen Gemeinde in Antiochia sitzen da zusammen: Barnabas, Simeon, Luzius, Mana-Dingsbums und Saulus. Sie treffen sich nicht zufällig in der Kantine, sondern mitten in ihrer Gemeindearbeit: Als sie aber dem Herrn dienten… Gleichzeitig ist es eine ungewöhnliche Sitzung. Drei Dinge fallen mir auf:
  1. „Als sie dem Herrn dienten und fasteten…“ Fasten war in der frühen Christenheit (und mancherorts bis heute) ein bewusstes Abschalten von allzu alltäglichen Tätigkeiten, um sich auszurichten auf ein wichtiges geistliches Ziel. Um die geistlichen Antennen auf Empfang zu schalten. Um besonders sensibel zu werden für das leise Reden Gottes. Diese fünf Mitarbeiter taten das gleichzeitig. Vermutlich gemeinsam. Wahrscheinlich haben sie sich gemeinsam darauf verständigt: Lasst uns mal eine Weile fasten und hören, was Gott uns zu sagen hat.
  2. Da sprach der Heilige Geist… Die Apostelgeschichte handelt an der Oberfläche von den Erlebnissen und Taten der Apostel, der ersten Nachfolger von Jesus – aber in der Tiefe ist diese Zeit eigentlich eine Heiliger-Geist-Geschichte. Der Heilige Geist, unfassbare dritte Person des dreieinen Gottes, treibt die erste Gemeinde an, begeistert, befähigt und begabt die Christen auf eine Art und Weise, die rein menschlich nicht zu erklären ist. Ob es nur am Fasten liegt oder nicht – die fünf „Sitzungsteilnehmer“ bekommen auf jeden Fall mit, was der Heilige Geist spricht. Und der Heilige Geist spricht sehr konkret: Er spricht zwei unter ihnen direkt mit Namen an. Er spricht Berufung aus. Er hat einen Plan („das Werk, zu dem ich sie berufen habe“).
  3. Sie legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen… Nach noch ein bisschen Fasten (haben wir wirklich den Heiligen Geist gehört?) und Beten (wir müssen unsere Fragen und Sorgen schon noch loswerden!) lassen sie Barnabas und Saulus ziehen. In eine unbekannte Zukunft, raus aus einer bekannten, berechenbaren, erfolgreichen Gemeindesituation in Antiochia. Zwei von fünf gehen – das schlagkräftige Team löst sich auf, in einer dramatischen Sitzung.

Der Rest ist (Kirchen-)Geschichte. Und zwar noch wesentlich dramatischer, als sich die fünf das in der Sitzung haben vorstellen können: Ein neues Kapitel der Kirchengeschichte wird aufgeschlagen; nachdem sich das Evangelium bisher nur durch Verfolgung und Einzelaktionen im heutigen Nahen Osten ausgebreitet hat, entsteht nun eine Missionsbewegung, die in kurzer Zeit die ganze damals den Nachfolgern von Jesus bekannte Welt erreicht.

Es war schon eine ziemlich wichtige Sitzung, damals in Antiochia. Zugegeben, nicht jede meiner Sitzungen hat das Potential zu ähnlich weitreichenden Konsequenzen. Sicher die meisten nicht. Vielleicht überhaupt keine. Und doch lässt mich ein Gedanke nicht los im Hinblick auf die Sitzungskultur in Gemeinden und christlichen Organisationen:

Was würde passieren, wenn wir tatsächlich gemeinsam fasten würden um sensibler zu werden für das, was Gott zu sagen hat? Was, wenn der Heilige Geist anfängt in diese Sitzung hinein zu sprechen? Was, wenn wir seiner leisen Stimme tatsächlich mutig Folge leisten, auch wenn das Ende noch nicht absehbar und die Machbarkeit menschlich nicht zu garantieren ist?

Was, wenn wir die wichtigste Sitzung aller Zeiten nur deshalb verpassen, weil wir für diese drei Dinge nicht bereit sind?

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