Liebes Facebook,

es war mit uns keine Liebe auf den ersten Blick. Weißt du noch wie es war, damals? Ich stand mit dir auf Kriegsfuß. Und wenn noch so viele in dich verschossen waren, ich konnte mit dir nicht viel anfangen. Zu umständlich zu bedienen, zu unklar warum ich mich überhaupt auf eine Beziehung zu dir einlassen sollte.

Aber von Berufs werde ich dafür bezahlt, bei solchen wie dir ein Early Adoptor zu sein. Also habe ich es nochmal versucht: Ich habe mich dir persönlich vorgestellt. Und dir ein wenig von dem verraten, was ich mag. Es war der Beginn einer wunderbaren Freund-Schaft.

Über die nächsten Monate und Jahre habe ich durch dich viele neue Leute kennen gelernt. Und manche, die ich schon kannte, mit ganz anderen Augen sehen gelernt. Deine Anziehungskraft beruht keineswegs auf Hype, Hybris und Herdentrieb, wie manche sagen. Du dockst an so viele Grundbedürfnisse an, die wir alle teilen: Identität. Kommunikation. Gemeinschaft.

Aber jetzt sind wir irgendwie in der Krise gelandet, du und ich. Ich kann immer weniger mit dem anfangen, was du mir von anderen erzählst. Dauernd willst du mich überreden, dass ich mit meinen Freunden auf Veranstaltungen gehe. Oder dass ich neue Spiele spiele. Oder du erzählst mir dreimal am Tag, wie toll sich ein anderer findet. Und wie viele von seinen Freunden toll finden, dass er sich toll findet. Facebook, ich frage dich, wo die ganzen interessanten Themen geblieben sind. Die offenen Fragen. Die interessanten Kontakte. Du weißt inzwischen alles über meine Chronik, aber meine Schmetterlinge im Bauch sind weg. Haben wir uns nur aneinander gewöhnt? Hast du mir nicht mehr zu sagen?

Facebook, was soll nur aus uns werden?

Ich frage mich, ob es anderen mit dir auch so geht…