KI in der Predigtvorbereitung

Am 5. Mai habe ich beim zweiten Abend der GOTTDIGITAL KI-Werkstatt mit einer Gruppe von 30 Verkündigerinnen und Verkündigern arbeiten. Daran, wie man KI gewinnbringend und verantwortlich in den verschiedenen Schritten der Predigterarbeitung einsetzt. KI Werkstatt bedeutet dabei: Kein Vortrag, sondern eine echte Werkstatt über Zoom: Zeigen, ausprobieren, zeigen, ausprobieren.

Den Einstieg habe ich ganz bewusst falsch gesetzt. Der erste Prompt des Abends lautete: „Schreibe mir eine Predigt zu Psalm 91.“ Er funktioniert technisch. Das Ergebnis klingt auch irgendwie nach Predigt. Aber eben nach einer Predigt – und damit für niemanden. Zu allgemein, zu glatt, zu austauschbar. KI ist eben kein Orakel, dass auf eine Frage die bestmögliche Antwort liefert. Sondern wie ein sehr belesener und strukturiert denkender Assistent, der manchmal auch mit großer Selbstsicherheit falsch liegt. Aber der Dialog mit diesem Assistenten hilft mir mit enormer Zeitersparnis, meine eigenen Gedanken (z.B. bei der Predigtentwicklung) zu klären, zu strukturieren, abzuwägen.

Das war der Ausgangspunkt, von dem aus wir uns dann vorgearbeitet haben: mit einem Metaprompt, der die KI mit dem eigenen Stil, der eigenen Gemeinde und dem eigenen Kontext versorgt – bevor überhaupt die erste inhaltliche Aufgabe an die KI gestellt wird. Danach sind wir gemeinsam durch den vollständigen Workflow einer Predigterarbeitung gegangen: Ideation, Exegese, Kontextualisierung, Struktur, Flow, Nachbereitung.

Dabei habe ich auch eine Grenze benannt, die ich für wichtig halte: In den frühen Phasen – Ideenfindung, Texterschließung, Gegenwartsrelevanz – und auch bei Qualitätssicherung und Gegenchecken in der Schlussphase einer Predigtentwicklung kann KI wertvolle Perspektiven öffnen, die man allein vielleicht nicht gesehen hätte. Ab dem Moment aber, wo die Predigt konkret Form annimmt, möchte und muss ich als Mensch aktiv in der Schleife sein. Wer Struktur, Sprache und Aussage vollständig der KI überlässt, bekommt eine mittelmäßige Predigt aus dem Internet. Nicht die eigene. Ich habe das im Workshop so formuliert: „KI hilft dir, die Predigt zu durchdenken. Du gibst der Predigt Leben.“

Am Ende des Workshops hatten die Teilnehmenden  Zeit, das Gelernte in Breakout Sessions direkt auszuprobieren – mit eigenen Predigtideen und mitgebrachten Texten. Das war mir wichtig: Nicht nur zuschauen, sondern selbst erleben, was die Prompts mit dem eigenen Material machen. So ein Zoom-Workshop kann da nur der Anfangspunkt einer eigenen learning journey mit KI in der Predigtvorbereitung sein.

Falls du dich selbst auf diese Reise begeben willst: Die beiden Handouts aus dem Abend – der komplette Prompt-Workflow und die Hinweise zum ethisch verantwortlichen Umgang mit KI in der Predigtvorbereitung – stelle ich dir hier gerne für deinen persönlichen Gebrauch zum Download zu verfügung:

KI & Predigt (PDF)
KI & Predigt – ethisch verantwortlich (PDF)

 

Übrigens: Die GOTTDIGITAL KI-Werkstatt läuft noch zwei weitere Abende – am 12. Mai mit Joachim Stängle zu KI-Tools und am 19. Mai mit Michael Zettl zum Thema KI-Agenten. Jeweils dienstags, 19–20 Uhr. Alle Infos und Anmeldung findest du auf der Website von GOTTDIGITAL.

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