Stichwort: Gefühl

Warum es gut ist, Gott anzuschreien

Hast du Gott schon einmal angeschrien? So richtig laut, aus tiefster Seele, mit voller Kraft?

Gott hält das aus – und manchmal halten Menschen ihre Situation nur aus, wenn sie Gott ihr ganzes Herz ausschütten können. Mit allen Gefühlen, aller Verzweiflung und allen Fragen.

Der alttestamentliche König David hat das getan, und hinterher sogar ein Lied darüber geschrieben – Psalm 31. Verfolgt von politischen Gegnern, verleumdet in der Öffentlichkeit, wendet er sich an den Einzigen, der ihm noch geblieben ist. Er betet zu Gott:

Ich sprach wohl in meinem Zagen: Ich bin von deinen Augen verstoßen. Doch du hörtest die Stimme meines Flehens, als ich zu dir schrie. (Psalm 31,23)

David war verzagt – und er steht dazu. An Gott zu glauben, bedeutet nicht, allen Stürmen des Lebens immer mutig und heldenhaft zu trotzen. David fühlt sich von Gott verlassen, „von seinen Augen verstoßen“ – weiß Gott etwa nicht, wie es ihm gerade ergeht? An Gott zu glauben bedeutet nicht, sich seiner Nähe immer zweifelsfrei sicher zu sein. David schreit seine Angst heraus. Seine Verlassenheit. Sein Verlangen nach Gottes Eingreifen. Seine Sehnsucht nach Gottes Nähe. David schreit zu Gott – und Gott hält das aus.

Gott hält es aus, wenn wir ihm unser Herz ausschütten. Mit allen Gefühlen, aller Verzweiflung und allen Fragen. Manchmal ist genau das die Wende zum Guten.

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Wenn Gott Gefühle will

„Glaube ist kein Gefühl“, habe ich mal gelernt, „sondern eine Entscheidung“. Ich finde diesen Satz heute falsch.

Nicht falsch in dem Sinn, dass das Gegenteil richtig wäre (denn nicht alles, was Menschen fühlen, hat etwas mit Glauben zu tun). Gott ist die Liebe, aber deshalb ist noch lange nicht in allem, was Menschen als Liebe empfinden, Gott drin.

Aber falsch deshalb, weil er eine unzulässige Verkürzung darstellt. Eine Verengung auf die Ratio, den Verstand, den Willen. Um mit Adrian Warnock zu sprechen: Ich glaube nicht, dass wir in unseren Gemeinden Angst davor haben sollten, wir könnten Gefühlen einen zu großen Stellenwert beimessen.

Natürlich gibt es so etwas wie „Gefühlsduselei“, und nur weil mir mal ein Schauer über den Rücken gelaufen ist, heißt das noch nicht dass morgen die Erweckung ausbricht. Was ich meine ist etwas anderes: Solche Gefühle, von denen Gott in der Bibel sagt, dass wir sie haben sollen. Und das ist eine ganz große Bandbreite:

Freut euch an Gott! (Philipper 4,6)

Hoffe auf Gott! (Psalm 42,12)

Seid dankbar! (Epheser 5,20)

Als moderne (oder postmoderne) Menschen empfinden wir es als unsinnig oder unverschämt, Gefühle befehlen zu wollen. Wenn ich Freude empfinde, dann freue ich mich – aber doch nicht deshalb weil es jemand (und sei es Gott selbst) anordnet! Sind Gefühle nicht etwas, das in uns entsteht als Reaktion auf etwas, das außerhalb unserer selbst zu finden ist? Wie kann man sie dann anordnen? Wie kann Gott Gefühle erwarten?

Jonathan Edwards, einer der großen Theologen des 18. Jahrhunderts, hat zu dieser Frage sinngemäß gesagt: „Gott hat seine Menschen mit zwei Fähigkeiten geschaffen – der Fähigkeit etwas zu wollen (Verstand), und der Fähigkeit sich an etwas zu freuen (Gefühle). Gott offenbart dem Menschen seine Wahrheit durch das verstandesmäßige Lesen der Bibel – aber er offenbart die Herrlichkeit dieser Wahrheit, damit sich der Mensch mit seinen ganzen Gefühlen an ihr freut. Gott wird nicht wirklich dadurch verherrlicht, dass wir die Wahrheit über ihn mit unserem Verstand erfassen, aber uns nicht mit unserem ganzen Gefühlsleben an ihm freuen.“

Wo die Bibel Aufforderungen enthält, sich zu freuen – zu hoffen – dankbar zu sein… kurz, Gefühle zu zeigen, dann meint ist genau das damit gemeint: Mensch, lass die Gefühle doch mal in der Bandbreite zu, wie Gott sie in dich hineingelegt hat! Mensch, begegne Gott doch nicht nur mit deinem staubtrockenen Verstand!

(Ein großer Teil der weltweiten Christenheit hat das übrigens wesentlich stärker verinnerlicht als wir in Deutschland.)

Wenn Gott Gefühle will, dann ist nicht eine Aufforderung zur Gefühlsduselei, die etwas vorspielt oder hochputscht, was gar nicht da ist. Sondern seine Einladung an uns, seine Eigenschaften mit unserem Verstand in der Bibel zu erkennen – und ihm gleichzeitig mit der ganzen Bandbreite unserer Gefühle zu begegnen. Ich glaube wirklich, wir haben das Gott angemessene Maß an Gefühlen der Freunde, Hoffnung und Dankbarkeit in unseren Gemeinden noch nicht einmal ansatzweise zum Ausdruck gebracht.

Wann fangen wir damit an?

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Das Schweigen der Anderen

Interessanter Artikel bei Spiegel Online von Reinhard Mohr: In „Das Schweigen der Anderen“ beleuchtet er den aktuellen Zustand unserer Mediendemokratie. Er kritisiert, dass es Journalisten „statt um Information und Aufklärung […] eher um die Konstruktion von Plausibilität“ geht. Und die Medienkonsumenten „haben von fast allem keine Ahnung […] Und so zählt schließlich nur noch das Gefühl, etwas zu wissen oder zu meinen“.

Ich frage mich:

  1. Wo habe ich als Christ eine bessere Chance (oder die Aufgabe), anders, realistischer, offener, unbequemer mit der Gesellschaft um mich herum umzugehen?
  2. Wo gerate ich als Christ in meiner geistlichen Weltsicht in eine vergleichbare Schieflage?
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