Stichwort: Sorgen

Was wir bedauern, wenn wir sterben

„Wenn du stirbst, zieht dein Leben wie ein Film an dir vorbei…“ – wenn das stimmt, was für ein Film ist das eigentlich? Glänzende Siege? Tragische Augenblicke? Eine Achterbahn?

Die australische Sängerin und Songwriterin Bronnie Ware hat über mehrere Jahre Sterbende begleitet und arbeitet zur Zeit an einem Buch über die Erfahrungen und Gespräche mit Menschen, die ihr Leben an der Schwelle des Todes Revue noch einmal passieren lassen. In ihrem Blog-Beitrag Regrets of the Dying (danke für den Hinweis, Marcus) benennt Bronnie fünf Dinge, die Sterbende ihr gegenüber am häufigsten bedauert haben:

  1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben anstatt den Erwartungen anderer gerecht zu werden.
  2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.
  3. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.
  4. Ich wünschte, ich hätte intensivere Beziehungen mit meinen Freunden gelebt.
  5. Ich wünschte, ich hätte mir selbst erlaubt, glücklicher zu sein.

Dass kaum jemand auf dem Sterbebett bedauert, nicht mehr Zeit im Büro verbracht zu haben, ist wohl naheliegend. Bemerkenswert finde ich aber, dass sich die meisten Punkte um die eigene Identität drehen: Wer bin ich wirklich? Und welche Rolle spielen „die anderen“ dabei, meine Identität zu leben?

Meine Vermutung: Wir reden uns ein Leben lang ein, zuviel zu verlieren zu haben. Und erst in unseren letzten Minuten wird uns absolut klar, dass wir in Kürze tatsächlich alles verlieren werden, was nicht wirklich wichtig ist. Und dann sehen wir klarer, wie alles hätte sein können, wenn wir nicht so viel Angst gehabt hätten.

Wie viel Prozent aller Dinge, um die du dir im letzten Jahr Sorgen gemacht hast, sind tatsächlich eingetreten? Was wäre, wenn wir tatsächlich so gelassen leben könnten, als würden wir Jesus wirklich glauben, dass „unser himmlischer Vater weiß, was wir brauchen“ (Matthäus 6)?

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Die häufigste Sünde

Was ist die häufigste Sünde? Was tun die meisten Menschen (auch die meisten Christen), das an Gottes guten Absichten für ihr Leben völlig vorbeigeht?

Ich glaube: Sorgen.

Jesus ist da ganz eindeutig: „Sorgt euch nicht…“ (Matthäus 6,25) – das ist keine optionale Empfehlung, kein beiläufiger Ratschlag, keine subjektive Stildefinition für seine Nachfolger. Sondern eine klare Aufforderung: Sorgt euch nicht… – denn Sorgen ist Sünde. Warum?

Die Antwort liegt letztlich in dem Bild begründet, das Jesus von Gott hat und hier seinen Nachfolgern vor Augen malt:  „Euer Vater im Himmel weiß…“ (Matthäus 6,32). Gott weiß, und Gott kümmert sich. Gott weiß, und Gott ist wichtig was uns wichtig ist. Gott weiß, und Gott sorgt.

Wenn das wirklich stimmt, dass Gott sich um mich sorgt und für mich sorgt – dann ist das eigene Sorgen völlig sinnlos und eigentlich auch ein Ausdruck meines Misstrauens Gott gegenüber. „Gott ich glaube nicht, dass du mein Leben wirklich in deiner Hand geborgen hast, deshalb mache ich mir selbst permanent Gedanken über Dinge, die ich eigentlich nicht in der Hand habe.“

Sorgen ist letzten Endes eine Frage nach der Kontrolle. Wer sich sorgt, versucht eine ungewisse Zukunft zu kontrollieren: Wie würde ich reagieren? Wie wird das Gespräch ablaufen? Was werde ich dann tun? Sorgen ist eine interne Simulation der befürchteten Zukunft, um sie gedanklich in den Griff zu bekommen.

Jesus sagt dazu: Versuche es gar nicht erst. Du kannst als Mensch deine  Zukunft nicht sicher kontrollieren. Dein Einflussbereich ist begrenzt. „Nach all dem trachten die Heiden…“ – aber wer Gott als seinen liebenden Vater kennt, der kann, darf und muss die Kontrolle immer wieder bewusst diesem Vater zu überlassen.

Corrie ten Boom, die kleine, mutige, von den Nazis verfolgte holländische Frau, hat einmal gesagt: „Zögere niemals, Deine unbekannte Zukunft in die Hände eines bekannten Gottes zu legen“.

Wer das tut, der wird nicht länger versuchen Kontrolle über Umstände zu erlangen, die er ohnehin als Mensch nicht kontrollieren kann. Wer das tut, der wird wahrhaft frei leben. Wer das tut, der braucht sich keine Sorgen zu machen.

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