Klavierstunde

„Hoffentlich ist bald wieder Klavierstunde, ich muss mal wieder üben…“ – sagt unser Junior gestern zu mir. Gut, dass es der Klavierlehrer nicht gehört hat. Schließlich ist die Klavierstunde ja nicht zum Üben da – sondern um das Üben zu Hause zu coachen, zu motivieren, zu koordinieren. Der eigenen musikalischen Weiterentwicklung Richtung zu geben. Ich glaube, das ist für Kinder die Haupthürde beim Lernen eines Instruments: Verantwortung zu übernehmen für den eigenen Fortschritt, statt sich auf „die Klavierstunde“ zu verlassen…

Genau wie beim geistlichen Wachstum: Der Gottesdienst wird mein Leben nicht verändern. Eine Predigt wird mein Verständnis vom Wort Gottes nicht revolutionieren. Sonntags mit anderen zu beten wird mich nicht im Alltag näher zu Gott bringen. All das ist gut und wichtig und hilfreich – aber es kann meiner geistlichen Entwicklung nur Richtung geben, ist nur Lenkrad, kein Motor. Wirkliche Veränderung eben kann nur zwischen den Sonntagen stattfinden. Durch Ausprobieren, Anwenden, Einüben.

Wenn wir das tun, können Gemeine und Gottesdienst und Predigten unglaublich hilfreich sein. Tun wir es nicht, bringen uns all diese Dinge auch nicht deutlich voran. Wie bei der Klavierstunde…

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Der größte Feind

Habe ein neues Buch angefangen: Humility von C. J. Mahaney. Der Schreibstil ist vielleicht nicht überragend, aber alleine dass sich jemand im Zeitalter der „Ten Easy Steps“, christlicher Romane und dem hundertsten Andachtsbuch überhaupt traut, ein Buch über Demut zu schreiben… Mahaney zitiert einen Satz von John Stott, der mir immer noch nachgeht:

No matter in which stage of growth we are christians – pride is always our greatest foe, and humility always our greatest friend.

Was kann ich in mein Leben einbauen, um diesen Feind „Stolz“ zurückzudrängen und diesen Freund „Demut“ zu unterstützen? Bin gespannt auf die Ideen und Anregungen von Mr. Mahaney…

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Lauf-Zeit

Wurde heute im Auto von einem Jogger überholt. Ich stand an einer Ampel im Stau, und da lief er vorbei: Gleichmäßig trabend, locker, sportlich federnd… und dünn. Sehr dünn.

„Warum joggt der eigentlich, der hat es doch offensichtlich gar nicht nötig“ – mein erster Gedanke. Und dann hat er sich plötzlich herumgedreht, der Gedanke: „Genau deshalb ist er wohl so dünn, weil er regelmäßig joggt“. Für den fleißigen Läufer war Joggen kein einmaliges Mittel, um einmalig etwas zu schaffen. Sondern eine regelmäßige Gewohnheit, um jemand zu sein.

Viel zu oft sind wir vermutlich damit beschäftigt, uns anzustrengen um ein gestecktes Ziel zu erreichen – und vieles davon geschieht ja auch bewusst im Namen Gottes, um sein Reich zu bauen. Aber zumindest in meiner ganz persönlichen geistlichen Entwicklung – geht es da nicht viel mehr darum, wer ich werde?

Die Lauf-Zeit eines Christen reicht bis zum letzten Atemzug. Dann, wenn wir „den Lauf vollendet“ haben werden, wie Paulus das einmal beschreibt. Ich möchte sie neu entdecken und wertschätzen, „Heilige Gewohnheiten“ im Leben mit Jesus. Nicht um ein definiertes strategisches Ziel zu erreichen. Sondern um auf lange Sicht die Person zu werden, die ein klein bisschen mehr als heute so ist wie Jesus.

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