Der bezahlte Traum von Gemeinde

Willow startet in der Rittal-Arena – mit Worship von Danny Plett und seinem Team. Direkt nebendran, im Einkaufszentrum „Forum“, tobt der ganz normale Shopping-Wahnsinn. Ein skurriler Gegensatz finde ich: Hier singen viele hundert Menschen „Groß ist der Herr“, nebenan „Groß ist der Kosum“…

Ich weiß, ich weiß – ist sehr schwarz-weiß. Trotzdem finde ich es gut, wenn die Veranstalter ausdrücklich mit gemeinsamem Singen und Worship beginnen. Nicht einfach als schmückendes Beiwerk eines christlichen Groß-Events, nicht einfach als spirituelle Bühnenshow für die Frommen.

Sondern als bewusste Ausrichtung auf Jesus als Erfinder, Erhalter und Herr der Gemeinde. Es geht eben nicht zuerst um Strategien und Marketing, sondern um das, was in einem Gebet so formuliert wird: „Jesus, wir wollen das lieben, was Du liebst…“

Hängen bleibt bei mir auch ein paar Worte aus der Vorstellung des ersten Referenten Gene Apple:

„Er ist ein Mann mit einer großen Leidenschaft für Gemeinde – und für diesen Lebenstraum hat er einen Preis bezahlt.“

Ich glaube, diese Kombination ist eher selten: Die meisten von uns träumen wohl eher risiko- und schmerzfrei – oder leiden heftig an ihrer Gemeinde ohne jeden Traum und Leidenschaft…

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Pre-Willow

Morgen geht’s los – in Wetzlar startet der Willowcreek-Kongress „Gemeinde gemeinsam gestalten„. Bin ja eher Willow-Fan, aber gleichzeitig auch immer ein wenig skeptisch, schon aufgrund der reinen Anwesenheit berühmter Namen aufgeregt sein zu sollen. Reines Event-Christentum an sich hat schließlich noch kaum einen persönlich weitergebracht. Aber in der Kombination (und Konfrontation) von Willow-Herz mit der real existierenden Gemeindearbeit könnte es spannend werden.

Ich bin als Besucher in der Rittal-Arena dabei, und werde mir die wichtigsten Gedanken, Impulse und Anfragen in Sachen Jesusnachfolge erst durch Kopf und Herz und dann möglichst zeitnah auch durch mein Blog gehen lassen. Habe mir vorgenommen, aus der Veranstaltung heraus dreimal am Tag einen Post abzusetzen. Mal sehen wie’s klappen wird…

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Supermarkt-Theologie

Die besten (Selbst-)Erkenntnisse bekommt man oft nicht in der Kirche, sondern an ganz überraschenden Orten. Zum Beispiel im Supermarkt.

Gestern abend beim Anstellen an der Kasse: Die Schlangen an allen Kassen gleich lang. Ich schaue nach rechts und links, merke mir die Leute die in den anderen Schlangen da stehen, wo ich stehen würde, wenn ich mich für deren Schlange entschieden hätte… Nach ein paar Minuten sind die Nachbarschlangen deutlich weitergerückt, nur meine kommt einfach nicht aus dem Quark.

Ganz vorne sitzt eine Kassiererin. Eine sehr junge Kassiererin. Eine sehr junge Kassiererin, die wohl gerade erst angefangen hat in diesem Supermarkt. „Na toll“, denke ich, „ich komme spät von der Arbeit, zu Hause warten die Kids, und jetzt erwische ich ausgerechnet diese eine Angestellte…“ – manchmal hat man die dunkelsten Gedanken beim Einkaufen. Und auch die ehrlichsten.

Dann noch ein Gedanke: Warum sehe ich das eigentlich nur aus meiner Perspektive? Wenn ich geduldig in der Schlange warte und beim Kassieren dann immer noch freundlich bin zu ihr – nimmt sie dann nicht eine gute Erfahrung mit nach Hause? Ist beim nächsten Mal ein klein bisschen mehr motiviert? Bekommt ein klein bisschen schneller Routine? Und in Zukunft müssen Leute bei ihr in der Schlange ein klein wenig weniger lang warten…?

Ich fürchte, viel zu oft bin ich, sind wir im Supermarkt, in der Familie, in der Gemeinde, im Leben überhaupt zuerst mit der Frage beschäftigt: Was habe ich davon? Warum kommt mir der andere jetzt in die Quere?

Aber Jesus dreht für mich diese Frage herum: Was hat der andere von mir?

Jesus hat nie gefragt, was er davon hat auf die Erde zu kommen. Seine Göttlichkeit einzuschränken. Mit uns Menschen zu schuften, zu schwitzen, zu bluten, sie zu trösten, sie zu ertragen, sich alles aufzuladen, was wir mit uns herumschleppen. Nur für uns. Nur für mich. Und wie viel habe ich davon!

Je mehr ich das Leben durch die Brille des Was-habe-ich-jetzt-davon betrachten, desto mehr kleine unscheinbare Gelegenheiten Gottes verpasse ich, wirklich geistlich zu wachsen. Ich wünsche mir, dass Jesus mehr auf mich abfärbt – auch im Supermarkt…

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