Jeder ein Richter

„Land der Dichter und Denker“ wird Deutschland oft genannt – weil viele berühmte Persönlichkeiten wie Goethe oder Schiller die europäische Geistesgeschichte geprägt haben.

Darauf anspielend, hat der Satiriker Karl Kraus anlässlich der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten im Mai 1933  das von einem „Volk der Richter und Henker“ gesprochen. Und hat damit aufs Korn genommen, wie erbarmungslos wir Deutschen manchmal wohl auch sein können.

„Volk der Richter“ – diese Wirklichkeit finde ich auch heute wieder, im Zeitalter der sozialen Netzwerke. (mehr …)

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Es gibt einen Gott, und er ist nicht du

Mögen Sie Kriminalfilme? Dann kennen Sie bestimmt die Szene, in der einem Verdächtigen nach der Verhaftung erklärt wird, dass er nun das Recht auf einen Anruf hat. In so einer Situation wird jeder genau überlegen, wen man anruft. Nicht auf die Tätigkeit des Telefonieren an sich kommt es an, sondern auf das Gegenüber am anderen Ende der Leitung.

Genauso ist das mit dem Glauben. Glauben habt ein Gegenüber, der ich Glauben entgegenbringe. Wer das ist, ist wichtig. Nicht auf die Tätigkeit des Glaubens an sich kommt es an, sondern auf das Gegenüber. Das ist das, was Christen glauben: Glaube ist kein Selbstgespräch, Gott ist tatsächlich am anderen Ende der Leitung, es lohnt sich, ihn anzurufen.

Man kann das auch so ausdrücken: (mehr …)

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Was möchtest du wirklich?

Was möchtest du wirklich?

Diese Frage stellen sich Menschen meistens an entscheidenden Weggabelungen im Lebenslauf: Welcher Beruf interessiert dich? Möchtest du ihn wirklich heiraten? Wie denkst du über Kinder? Und natürlich in der Midlife-Crisis: Was möchte ich noch erreichen im Leben?

Was möchtest du wirklich?

Diese Frage stellt mich vor die Wahl, was mir wirklich wichtig ist. Gott hat diese Frage einmal einem Menschen gestellt. Ungefähr im Jahr 1000 vor Christus war das, als Gott dem jungen König Salomo im Traum erschien und ihn aufforderte: „Bitte, was ich dir geben soll!“

Salomo, was möchtest du wirklich?

Es ist nicht überliefert, wie lange Salomo überlegt hat. Am Ende bittet er Gott um ein belehrbares Herz und Weisheit im Umgang mit seiner Macht. Gott gefiel dieser Wunsch offenbar, denn er antwortet Salomo: Du hättest dir langes Leben oder Reichtum oder den Tod deiner Feinde wünschen können. Stattdessen hast du mich um Einsicht gebeten, damit du gerecht regieren kannst. Darum werde ich deine Bitte erfüllen.

Salomo hätte um eine langjährige Herrschaft bitten können. Oder um eine glorreiche Herrschaft. Oder um eine unangefochtene Herrschaft. Eigennützige Ziele, die manche Menschen mit Macht immer wieder gesucht haben und bis heute suchen. Aber Salomo entscheidet sich anders. Er sucht nicht den eigenen Vorteil, sondern will seine Macht zum Wohl der Menschen einsetzen, die ihm anvertraut sind.

Wie gut, wenn Menschen mit Macht das wirklich wollen. An Salomo erkenne ich: Gott will das auch.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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