Heimat auf Zeit

Die Stadt war der schlimmste Ort, den sie sich als gottesfürchtige Menschen nur vorstellen konnten: Überall Machtmissbrauch, Korruption, Religionsvermischung, kaum einer fragte nach Gott und seinen Wertvorstellungen. Die Rede ist von Babylon, zur Zeit des alttestamentlichen Propheten Jeremia. Gottesfürchtige Juden waren gewaltsam umgesiedelt worden in die heidnische Vielvölkermetropole. Ohne Versammlungsfreiheit, Religionsfreiheit oder freie Wahlen.

Da gibt Gott seinen Leuten durch den Propheten die Wegweisung:

Bemüht euch um das Wohl der Stadt, in die ich euch wegführen ließ, und betet für sie! Wenn es ihr gut geht, wird es auch euch gut gehen. (Jeremia 29,7)

Mit heutigen Begriffen ausgedrückt: Engagiert euch politisch, als Glaubende mitten in einer zweifelnden und gottfernen Gesellschaft!

Ich finde: Wenn Gott solch ein Engagement für fromme Juden im „Sündenpfuhl Babylon“ für zumutbar hielt – wie viel mehr ist es das heute für Christen in unserer demokratischen Gesellschaft mit Versammlungsfreiheit, Religionsfreiheit, freien Wahlen?

Wenn ich mich als Christ um das Wohl der umgebenden Gesellschaft bemühe, dann darf und muss ich dabei auch kritisch benennen, was meiner Überzeugung nach schlecht läuft – ganz klar. Nur führt am Ende kein Weg an der Erkenntnis vorbei: Christen sind aufgerufen, heute und hier diese Gesellschaft mitzugestalten – auch wenn sie insgesamt immer weniger so christlich geprägt sein mag, wie das dem ein oder anderen wünschenswert erscheint.

Also, nehmen wir als Christen die Wegweisung aus Jeremia 29,7 ernst und übernehmen wir Verantwortung! Indem wir uns haupt- oder ehrenamtlich engagieren. Indem wir für unsere Gesellschaft und für ihre Verantwortungsträger beten. Indem wir unser freies Wahlrecht in Anspruch nehmen.

Unsere Gesellschaft ist nicht der Himmel und wird es auch nie sein. Sie ist nur eine Heimat auf Zeit. Aber solange wir als Christen in ihr leben, ist ihr Wohl auch unsere Aufgabe.

 

 

(erschienen im Medienmagazin ERF ANTENNE 0910/2017)

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Bibel? Ganz normal.

Wissen Sie, was ich an der Bibel unter anderem schätze? Dass sie Gottes Wort an seine Menschen umfasst und gleichzeitig ganz… normal ist. Wirklich, ich finde das faszinierend: In den Seiten der Bibel ist die große Geschichte Gottes mit dieser Welt niedergelegt – und mittendrin, zwischendurch, finden sich immer wieder ganz normale Menschen mit ganz normalen Sorgen.

Zum Beispiel im Alten Testament, im  1. Buch Samuel Kapitel 17. Israel befindet sich im Krieg mit den Philistern, und dem israelischen Heer  steht ein Riese gegenüber – Goliath. Die Israeliten zittern vor Angst, auch die älteren Brüder des späteren König Davids, die sich für diesen Kampf gerüstet haben. Nur der Jüngste ist noch zu Hause, David.

Mitten in der Beschreibung dieser Schlacht findet sich das Normale: Davids Vater Isai macht sich Sorgen um seine Jungs an der Front. So wie es alle Eltern in allen Kriegen zu allen Zeiten tun. Und da es damals noch keine Post und kein Satellitentelefon gibt, schickt er den Jüngsten los, um zu hören, ob sie noch am Leben sind:

Isai sprach zu David: Sieh nach deinen Brüdern, ob’s ihnen gut geht!

Ein einfacher Satz. Ein Satz, in dem es um die Sorge eines liebenden Vaters um seine Söhne an der Front geht. Ganz normal eben.

Isai, der Vater Davids, steht in dieser Normalität keineswegs alleine da, sondern in einer Reihe mit vielen Männern und Frauen der Bibel. So faszinierend und ungewöhnlich diese das Handeln Gottes erfahren haben, so normal sind sie doch als Menschen. Mit allen Höhen und Tiefen, mit Stärken und Schwächen, mit Licht und Schatten.

Mir macht das Mut. Denn wenn Gott mitten in ihrer Normalität auftaucht und seine Geschichte schreibt – dann kann er das mit mir heute auch.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Neustart der Welt

„Nach uns die Sintflut!“ – so beschreiben wir die Haltung von Menschen, die keine Rücksicht auf die Folgen ihres Handelns nehmen. Denen alles so egal ist, als würde ohnehin der Weltuntergang bevorstehen.

Es lohnt sich, mal kurz hinzuhören auf dieses Wort „Sintflut“.

Es stammt wie so manche unserer Begriffe und Redewendungen aus der Bibel. Ziemlich zu Beginn wird dort erzählt, wie sich die Schöpfung gegen ihren Schöpfer wendet. Die Menschheit gerät so sehr auf Abwege,  dass Gott eine große Flut schickt, um die weitere Fehlentwicklung seiner Schöpfung zu stoppen.

Diese Erzählung von einer weltweiten Flutkatastrophe gibt es in verschiedenen Varianten in vielen Kulturen der Antike. Für die einen ist das Grund genug, die Sintflut-Geschichte der Bibel im Bereich der Mythologie anzusiedeln. Für die anderen ist es ein Beleg dafür, dass so ein Ereignis tatsächlich stattgefunden haben muss.

Wie auch immer man in dieser Frage denkt – das besondere an der Sintflut in der Bibel ist, dass sie gerade keinen Weltuntergang darstellt, sondern einen Neustart. Denn den Überlebenden rund um Noah gibt Gott ein Versprechen mit auf den weiteren Weg:

Ich schließe einen Bund mit euch und mit allen euren Nachkommen … und das ist mein Versprechen: Nie wieder werde ich eine so große Flut schicken, um die Erde und alles, was auf ihr lebt, zu vernichten.

Das macht die Sintflutgeschichte der Bibel so besonders – sie berichtet, dass Gott ein Gott des Neuanfangs ist. Ein Gott, der sich mit seinen Menschen verbündet. Niemand soll sagen: „Nach uns die Sintflut“. Denn es wird keine mehr geben. Denn Gott hat einen Bund mit den Menschen geschlossen.

Auch mit mir und mit Ihnen.

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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