3 Irrtümer über Strategie

Es gehört zu den Wörtern, über die Leiter am liebsten reden, wenn eine Organisation mal aufhört einfach nur ihr Tagesgeschäft herunter zu spulen und beginnt, sich selbst zu reflektieren: Strategie.

Was ist eigentlich unsere Strategie? Wir brauchen erstmal eine Strategie! Am besten einen Strategie-Workshop. Oder eine Strategie-Beratung? Strategisch gesehen macht das Sinn…

Und so weiter.

Die Diskussion über „Strategie“ kann einem Team helfen, ziellosem Aktivismus eine Richtung zu geben. Aber hinter dem Wort „Strategie“ kann man sich auch prima verstecken. Und manchmal erschöpft sich ein Team denn auch selbst durch endlose Debatten, und „Strategie“ wird so weit zur Unkenntlichkeit zerredet, dass man sich am Ende lieber wieder dem Tagesgeschäft zuwendet. Da weiß man wenigstens, was man hat.

Warum sind Gespräche über Strategie so oft ermüdende Diskussionen ohne echte Ergebnisse?

„Weil die Leute missverstehen, was Strategie ist und was nicht“ – sagt der Autor und Unternehmer Nick Tasler in einem Blog-Post für Harvard Business Review. Und er identifiziert drei irreführende Vorstellungen darüber, was Strategie eigentlich ist:

1. Irrtum: Es geht bei Strategie darum, dass meine Anstrengung ein Ergebnis erzielt.

Anstrengung hat zum Ziel, dass ich etwas schaffe. Ein Ziel, ein Produkt, einen Umsatz, eine Wirkung. Bei Strategie geht es aber darum , die richtigen Anstrengungen zu unternehmen um die richtigen Dinge zu schaffen. Das bedeutet: Wenn ich eine Strategie verfolge, gibt es automatisch auch falsche Anstrengungen. Sie führen zwar auch zu einem Ziel, einem Produkt, einem Umsatz, einer Wirkung – aber dennoch will ich sie nicht haben. Leider ist es für jeden Menschen sehr befriedigend und daher verführerisch, etwas zu schaffen – und meistens sehr schwer, Arbeit unvollendet liegen zu lassen, die man eigentlich zum Ziel hätte führen können. Strategie bedeutet: Anstrengung und Fleiß sind nicht automatisch richtig, sie können sogar grundfalsch sein. Obwohl sie ihre Ergebnisse liefern. Aber eben nicht die, die man vor allen anderen möglichen Ergebnissen haben wollte.

Management-Guru Peter Drucker hat das einmal so formuliert: “There is nothing quite so useless as doing efficiently that which should not be done at all.“ Nichts ist so nutzlos, wie effizient eine Arbeit zu tun, die überhaupt nicht getan werden sollte.

2. Irrtum: Es geht bei Strategie darum, nur die wichtigen Dinge zu tun.

Manchmal mag sich ein Team darin einig sein, welche seiner Aufgaben wirklich wichtig sind – und auf welche man auch getrost verzichten könnte. Meistens aber hilft die Kategorie „wichtig“ nicht zu einem strategischen Vorgehen – denn jedem im Team kann ein anderes Ziel wichtig sein. Die meisten Projekte, die ein Team verfolgt, sind für irgendjemanden oder irgendetwas wichtig.  So wie bei einem Menschen, der nichts wegwerfen kann: Zu jedem halbkaputten Gegenstand fällt ihm noch irgendetwas ein, wofür das „mal wichtig sein könnte“. Strategie bedeutet nicht zu überlegen, an welche Projekte man das Schild „wichtig“  hängen kann und an welche nicht. Sondern zu entscheiden, auf welches von mehreren wichtigen Projekten man sich konzentrieren will. Und dafür andere wichtige Projekte hintenanzustellen.

Es war Napoleon Bonaparte, der die Rolle von Strategie auf dem Schlachtfeld einmal so beschrieben hat: „Um eine Übermacht an einer Stelle der Front zu konzentrieren, muss man an den anderen Stellen mit weniger Kräften auskommen“. Strategie heißt, sich für die Stelle zu entscheiden, an der das passieren soll.

3. Irrtum: Es geht bei Strategie darum, einen klugen Plan aufzustellen.

Auch wer strategisches Denken perfekt beherrscht und seine Kollegen regelmäßig mit Flowcharts, Flipcharts und sonstigen Charts bombardiert, muss irgendwann entscheiden. Das ist wie beim Elfmeter: Irgendwann ist genug gezielt, dann muss man anlaufen und schießen und sehen, was passiert.

Meistens ist dieses „irgendwann“ deutlich früher als der Zeitpunkt, an dem alle Daten vorliegen, alles zu Ende geplant wurde und absolute Klarheit herrscht. Wenn Pläne und Ideen nie die Endlosschleife einer Planungsgruppe verlassen, kann man das nicht Strategie nennen. Höchstens „Endlose Analyse aus Angst vor der Entscheidung“.

Nochmal Napoleon: „Nichts ist schwerer und deshalb wertvoller, als fähig zu sein Entscheidungen zu treffen“. Strategie bedeutet, zu entscheiden. Auch auf die Gefahr hin, dass das Ergebnis auch mal falsch ist.

Und das kannte der große Stratege Napoleon ja auch aus eigener Erfahrung.

 

 

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Davon will ich mehr

Ich will mehr. Ich gebe das ganz offen zu. Ich will mehr. Wie klingt das in Ihren Ohren? Ich will mehr. Woran denken Sie, wenn Sie das hören?

Vielleicht denken Sie dabei an die Eurokrise und hören vor allem Gier: Mehr Geld verdienen, mehr Rendite, mehr Reichtum. Oder Sie denken an Umweltzerstörung und hören vor allem Rücksichtslosigkeit gegenüber der Schöpfung: Mehr Konsum, mehr Müll, mehr Umweltverschmutzung.

Nein, das alles meine ich nicht. Es gibt ein „mehr“, das durch und durch positiv ist. „Mehr“ Selbständigkeit bei heranwachsenden Kindern zum Beispiel.  Mehr Vertrauen zwischen Ehepartnern in der Krise. Mehr Vertrauen auf Gottes Nähe für alle, die zweifeln. Mehr Trost und Geduld und Zuversicht für alle, die krank sind.

Dieses „mehr“ will ich. Dieses „mehr“, das wahren Reichtum bedeutet und wahre Lebensqualität. Und es ist die Erfahrung unzähliger Menschen, die sich auf das Abenteuer Glauben eingelassen haben: Auch Gott will dieses „mehr“ . Gott schenkt dieses „mehr“. Gott selbst ist dieses „mehr“.

In Psalm 115 wird das einmal als Wunsch so formuliert: Der Herr wird euch noch zahlreicher werden lassen, euch und eure Kinder. Da begreift jemand mehr Kinder als ein Zeichen für die Zuwendung Gottes. Für andere mag seine Zuwendung anders aussehen – aber daran will ich festhalten: Gott schenkt ein wahre Lebensqualität. Davon will ich mehr!

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Schutzmacht gesucht

„Wartet nur, bis ich meinen großen Bruder hole!“, schleudert der Fünfjährige einer Gruppe Gleichaltriger entgegen. Wütend, trotzig – und gleichzeitig verletzt, überfordert, in die Enge getrieben.  Es ist ein Schrei nach Hilfe, nach Rache, nach einer Schutzmacht: Wer setzt sich für mich ein? Mit einer Macht, die mir selbst fehlt?

Das ist nicht nur eine Frage für die Sandkiste.  Die ganz normalen Menschen in der Ukraine stellen sie: Wer setzt sich für mich ein? Die gemobbte Kollegin in der Abteilung stellt sie: Wer setzt sich für mich ein? Der von seiner Partei geschasste Politiker stellt sie: Wer setzt sich für mich ein?

Wie gut wenn man weiß, dass es da draußen tatsächlich jemanden gibt, der größer ist als meine Notlage! Jemanden, der meine Wut versteht und meine Verletzung ernst nimmt. Wie gut, dass es da draußen tatsächlich eine Schutzmacht gibt für mein Leben!

Fünfjährige wenden sich an ihn und genau so Menschen in Krisengebieten, Mobbingopfer und geschasste Politiker. Und sogar Könige – wie der alttestamentliche König David, der in Psalm 21 betet: Erhebe dich, Herr, in deiner ganzen Stärke!

Manchmal dauert es lange, bis Gott eingreift. Manchmal handelt er anders, als ich es für notwendig halte.  Aber mit König David halte ich daran fest, und sei es wütend, trotzig, verletzt oder überfordert: Gott ist meine Schutzmacht! Erhebe dich, Herr, in deiner ganzen Stärke!

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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