Luther und die theologische Arroganz

Lese gerade mit Faszination Texte von Martin Luther. Natürlich ein Kind seiner Zeit, aber was für ein mutiger und konsequent glaubender Mann!

Kleine Kostenprobe:

O lieber Gott, bewahre uns, dass wir nicht in Hochmut fallen. Lass Juristen, Ärzte und andere hochmütig sein. In der Theologie hat Hochmut keinen Platz, weil sie Leute fordert, die geistlich arm sind, die Gott anrufen sollen und die Gott retten wird.

Diese Worte sind inzwischen fast 500 Jahre alt. Sie müssen heute immer noch gesagt werden und wir müssen sie heute immer noch hören.

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Gott ist kein Paparazzo

Es passiert in der Politik. Immer wieder. Oder im Profi-Fußball. Ach ja, und bei Schauspielern geschieht es auch ständig. Die Rede ist von … Enthüllungen. Davon, dass etwas ans Licht kommt, was die betroffenen Politiker, Sportler oder Schauspieler so gar nicht in einem vorteilhaften Licht erscheinen lässt.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass ganze Zeitschriften oder andere Medien aus nichts anderem bestehen als dem Aufdecken von Fehlern, Versäumnissen und Skandalen. Von wirklichen und manchmal auch aufgeblasen inszenierten.

Warum das so gut funktioniert?

Weil die meisten Menschen schier unstillbar neugierig sind auf das, was andere falsch machen. Ein Flugzeug stürzt ab, die Trümmer rauchen noch – und wir diskutieren, wer daran Schuld hatte. Als würden wir nur dann normal weiterleben können, wenn wir absolut sicher sein können, dass es kein Zufall war. Sondern dass etwa ein Pilot oder ein Fluglotse oder ein Wartungstechniker einen schlimmen Fehler gemacht hat.

Ich glaube, so sind wir Menschen oft. Wir führen Buch über die Fehler, das Versagen, die Schuld der anderen. Und reden mit wieder anderen nicht ungern darüber. Und ganz ehrlich: Zu oft genießen wir das Ganze.

Wie gut, dass Gott anders ist. Er findet Unrecht nicht spannend und genießt nicht das Versagen. Für Gott ist Schuld kein Thema für Klatsch und Tratsch. Für Gott ist Schuld etwas, das Menschen von Gott entfernt, und das Menschen voneinander entfernt. Schuld ist etwas, das durch Vergebung beseitigt gehört.

Im Alten Testament formuliert der Prophet Jeremia Gottes Ziel mit menschlicher Schuld einmal so: Ich will ihnen ihren Ungehorsam vergeben und nie mehr an ihre Schuld denken. (Jeremia 31,34)

So ist Gott. Er freut sich nicht an meiner Schuld, er genießt auch nicht das Buchführen über meine Fehler oder das Anprangern meines Versagens. Er freut sich, wenn Schuld nicht zu Voyeurismus, Klatsch und Schadenfreude führt, sondern zu echter Vergebung und Versöhnung.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Versöhnung oder Vergiftung?

Wo Menschen zusammen leben, da ist Streit. Je umfassender Menschen mit verschiedenen Erwartungen aufeinander treffen, desto höher schlagen oft die Wellen. Zum Beispiel in der Familie.

Dabei hat jede Familie ihre ganz eigene Art zu streiten. Manche Familien beherrschen eine gute Art von Streit. Sie setzen sich auf gesunde Art und Weise mit dem auseinander, was unter der Oberfläche schwelt. Diese gute Art von Streit bringt Beziehungen voran. Aber es gibt auch schlechten Streit, und in manchen Familien scheint er sich geradezu eingenistet zu haben. Schlechter Streit lähmt, verletzt oder macht krank. Beziehungen können sich nicht entwickeln, sondern werden vergiftet, manchmal jahrelang.

Eine Familie mit einer solchen ungesunden Streitkultur ist die von Josef, beschrieben im Alten Testament. Josef wird ständig von seinem Vater bevorzugt, weswegen ihn seine Brüder aus Neid in die Sklaverei verkaufen. Danach plagen sie Gewissensbisse, und sie schieben sich gegenseitig die Verantwortung dafür zu.

Nach Jahren treffen Josef und seine Brüder zufällig wieder aufeinander. Was dann passiert, ist ein Wunder in einer Familie mit einer ungesunden Streitkultur: Josef verzeiht seinen Brüdern. Er versöhnt sich mit denen, die ihm Unrecht angetan haben.

Als sie sich voneinander verabschieden, gibt Josef seinen Brüdern noch eine Mahnung mit. Sie lautet: Zankt nicht auf dem Weg! (1. Mose 45,24)

Josef sagt das, weil er weiß: Versöhnung bringt Beziehungen voran – aber sie ist kein einmaliges Gespräch, sondern ein Prozess. Josef wünscht sich, dass die Versöhnung Kreise zieht. Dass aus der Versöhnung zwischen ihm und seinen Brüdern auch eine Versöhnung der Brüder untereinander erwächst. Dass seine Brüder nicht wie gewohnt weiter destruktiv streiten, sondern die Chance nutzen, die im Geschenk der Versöhnung steckt.

Die Chance der Versöhnung nutzen, wo immer Gott sie schenkt – dafür möchte auch ich heute die Augen offen halten.

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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