Wer Jesus nachfolgt, betrachtet sein Leben als einen Dienst für seinen Herren – richtig?
Wer Jesus nachfolgt, entwickelt eine Ausdauer im Beten – richtig?

Zumindest charakterisiert Paulus das im Neuen Testament (Römer 12,10-13) in einer ganzen Salve die die Gemeinde in Rom auf ein Leben ausrichten soll, das acht Kapitel Theologie in die Tat umsetzt. Vers 10: Dient dem Herrn! Vers 11: Betet ohne Unterlass!

Und dann in Vers 12: Übt Gastfreundschaft.

Gastfreundschaft? Beten ist OK, mit Dienen tun wir uns schon schwer – aber Gastfreundschaft? Ist das nicht etwas aus längst vergangenen Zeiten, als Reisen noch gefährlich und man monatelang mit einer Kutsche auf schlammigen Pfaden unterwegs war? Ist das nicht etwas für abgelegene Dörfer, in denen jeder jeden kennt und es sich gehört, dass man zusammen gehört?

Paulus nennt das in Römer 12 in einem Atemzug: Dient dem Herrn. Betet ausdauernd. Übt Gastfreundschaft.

Vielleicht ist es ganz passend, dass Martin Luther hier das altbackene Wort „übt“ im Sinne von „ausüben“, „ausleben“ verwendet – denn wir haben als westlich-individualistische Gastfreundschaft zu großen Teilen verlernt. Und müssen sie wieder üben, einüben – bevor wir sie ausüben können.

In einem Artikel für Christianity Today wirbt Stephen Winzenburg für eine neue Kultur der Gastfreundschaft in christlichen Kirchen und Gemeinden. Für ihn ist Gastfreundschaft auch keine Frage von Gemeindegröße – sondern eine Frage der inneren Haltung vieler Einzelner.

Dabei geht es nicht um eine Strategie oder eine Methode, damit sich Gäste schneller zu Hause fühlen (das ist höchstens ein positiver Nebeneffekt). Sondern viel mehr darum, in der Nachfolge Jesu das zu tun, was Jesus auch getan hat: Menschen in seine Nähe einzuladen. An sich heran zu lassen. Am Leben anderer teilzuhaben. „Komm und sieh…“ – das kann nur sagen, wer selbst gastfreundlich ist.

Gastfreundschaft – wo fange ich an zu üben?