Ein bisschen ungewohnt – und ein bisschen wunderbar

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Weißt du inzwischen eigentlich, wie es für dich weitergeht…? Hast du eigentlich inzwischen…? Bestimmt nervt es dich, wenn ich frage…?

Solche und so ähnliche Sätze fallen zur Zeit immer wieder in persönlichen Begegnungen mit Menschen, seit ich im Januar bekannt gegeben habe, dass meine Berufung als Vorstandsvorsitzender von ERF – der Sinnsender Ende September 2024 enden wird (wieso, weshalb, warum).

Und um die letzte Frage zuerst zu beantworten: Nein, es nervt mich überhaupt nicht, immer mal wieder auf meine Perspektive für die Zukunft angesprochen zu werden – im Gegenteil. Für mich sind solche Fragen Zeichen der Anteilnahme und Verbundenheit mit Menschen, mit denen ich beruflich oder privat gemeinsam unterwegs bin, oft schon seit vielen Jahren. Dafür bin ich dankbar.

Und weiß ich inzwischen eigentlich…?

Nein, noch nicht. Und das hängt auch mit der Art und Weise zusammen, wie ich mich mit der Frage nach meiner weiteren Berufung auseinander setze.

„Berufung“ im geistlichen Sinn – die Story, die Gott mit deinem Leben schreibt – ist ein scheues Reh. Sie entzieht sich der strategischen Planung und dem kontrollierten Prozess. Sie ist mehr Resonanz als Resultat. Eigentlich bin ich eher Stratege als Gemütsmensch, ich mag klaren Fokus, konsequentes und stringentes Vorgehen. Und ja – natürlich liege ich nicht einfach mental in der Hängematte, träume mir die blaue Zukunft vom Himmel zusammen und hoffe auf einen glücklichen Zufall. Ich führe bewusste Sondierungsgespräche mit vielen verschiedenen Menschen aus meinem Netzwerk und auch mit spannenden Leuten, die ich neu kennen lerne. Ja, all das braucht auch Organisation und Vorbereitung und mehr, was nur mit Intention und Disziplin zu bekommen sind.

Aber ich habe mich bewusst entschieden, mir selbst Zeit zu geben und Zeit zu lassen, um Resonanz wahrzunehmen. Mehr hinzuhören als hektisch zu handeln. Und nachdem ich Gottes Herausforderung erstmal verdaut hatte, dass er mir das Ende des bisherigen Kapitels zeigt aber nicht schon weit im Voraus das nächste aufblättert, geht es mir auch richtig gut damit. Für mich als traditionellen Kopfmenschen ist das ein bisschen ungewohnt – aber auch ein bisschen wunderbar. Ich habe die innere „grünen Wiese“ schätzen gelernt, auf der ich in meinen Gedanken, Begegnungen und Gesprächen unterwegs sein darf. Ich übe mich im Hineinspüren und Beten und Reflektieren mit engen Freunden: Wo ist Resonanz, wo koppelt etwas an das an, was ich an Vision in mir trage? Wo spricht Gottes leise Stimme Ermutigung hinein, sich einzulassen? Wo baut der Heilige Geist Rückenwind auf, und lässt es in mir „klick“ machen?

Und „klick“ gemacht hat es bisher – noch – nicht so richtig. Ich habe den Eindruck, dass sich die eine oder andere Perspektive langsam verdichtet, aber noch habe ich auf der gedanklichen grünen Wiese kein festes Lager aufgeschlagen. Und ich vertraue weiter darauf, dass Gott Berufung aussprechen wird – spätestens rechtzeitig.

8 Antworten
  1. Kann ich voll und ganz nachvollziehen. Als sich abzeichnete, dass sich für mich die beruflichen Wege nach Corona auch 2023nicht wieder so herstellen lassen, wie 2019, musste ich mich unfreiwillig auch auf den Weg machen und überlegen wie es weitergeht. Insgesamt neun Optionen kamen bis Anfang 2024 zusammen – ein paar zu viele, jede Einzelne mit Vor- und Nachteilen, unterschiedlichen zeitlichen Einkommenshorizonten (sofort, mittelfristig, langfristig). Allmählich lichtet sich der Nebel – dachte ich. Gerade die letzten Tage setzte Ernüchterung bei einer Option ein. Das es da wohl nicht so laufen wird, wie erhofft. Also weiter dran bleiben, Weisheit suchen, klug handeln. Seit 38 Jahren Freiberufler im künstlerischen Bereich und Ernährer meiner kleinen Familie ist es seit 4 Jahren ein Gang auf Messers Schneide. Und Gott ist nicht linear oder kausal sondern souverän und für mich oft nicht nachvollziehbar. Erst in der Rückschau auf mein Leben hat es bisher immer tatsächlich Sinn gegeben – dafür bin ich äußerst dankbar. Ich kenne Menschen, die sind an der Sinnlosigkeit eines Ereignisses zerbrochen. Auch das für mich eigentlich nicht versteh- und nur schwer aushaltbar.
    So kann ich nur mein Herz und meinen Geist hinhalten und bitten, dass Gott mich da, wo er mich gerade verändern möchte, verändert wie er es für richtig hält und mir den nächsten richtigen Schritt irgendwann zeigt. Mein „Aushaltemuskel“ wurde während Corona stark strapaziert aber auch trainiert und ich kann besser von Tag zu Tag leben, als vorher. So wie es Milliarden Menschen auf der Welt auch tun müssen, ohne eine Wahl zu haben.

    Mir haben „mehr Resonanz als Resultat“ und „Berufung ist ein scheues Reh“ sehr gut gefallen. Danke für den Bericht und von meiner Seite: weitergehen, dran bleiben, ereignisoffen bleiben, hin- und zuhören. Ich bin gespannt, wo ich dich das nächste Mal sehe 🙂 Letztes Mal war es in der FeG Limburg.

    Herzliche Grüße vom „Mann auf der Bank“,

    Peter

  2. Gott sei Dank sind die Rehe gar nicht so scheu lieber Jörg! Ich glaube Gott bleibt an uns dran auch wenn wir andere Wege gehen. So wie seine Weisheit – da und verfügbar, ruft sogar laut aber wird uns nicht vereinnahmen. Berufung ist eine wunderbare Sache! So oft aber scheint Gott zu schweigen. In diesen Zeiten versuche ich das was ich weis weiter zu tun und geduldig auf lauteres Sprechen oder besseres Hören zu warten. Gott mit dir und mit uns allen die nach seinem Willen streben.

  3. Peter Frenzer

    Lieber Jörg,

    auch von mir alle guten Wünsche verbunden mit der Hoffnung, dass es bald „klick“ macht.

    Für mich hat sich diese Situation nie ergeben: Nach Studium und Referendarzeit in den öffentlichen Dienst und vor ca. 1/2 Jahr in Pension – abgesichert, aber zugegebenermaßen etwas langweilig.

    Herzliche Grüße
    Peter

  4. Martin Oberkinkhaus

    Liebe Anteilnehmende an der Entwicklung des weiteren Berugungdwegs von Jorg Dechert,

    ‚Gott hat erwas vor mit neuer Berufung“ bedeutet betend fragen und Schritte zu gehen, um herauszufinden, an welcher Stelle andere eine meue Berufung bestatifen. “ Du sollst gehen, eijim ich Dich sende!“ ist die Basis fûr das Leben berifener Menschen.
    Das bedeutet manchmal warten und betreffende Verantwortliche zu segnen fur ihre Entscheidungen.
    „Gott kann machen, dass die Sachen gehen, wie es heilsam ist“ heisst es in einem alten Choral….
    In diesem Sinn auf dem teilweise gemeinsamen Weg viel Geduld und Vertrauen

    in dieser Phase. befinde ich mich als Jounalist, Kaufmann mit Ausbilderprufung, Theologe und Jugendarbeiter auch. Auch wenn Gott die neue Berufung schon kennt, brauchen wir Geduld und Vertrauen …
    So soll es sein
    in dieser Gewissheit
    Martin Oberkinkhaus

  5. Axel Graser

    Lieber Jörg,

    Dein Weggang vom ERF und die Frage „Wie weiter“ klingt für mich nur allzu vertraut. Meine Erfahrungen von Jahrzehnten sind, dass das Leben ein Auf und Ab ist, vor allem das Leben von uns Christen (falls wir es mit dem Glauben wirklich ernst meinen!).
    Ich habe vor etwas mehr als zwanzig Jahren nicht nur einen Job“ verloren, sondern als Unternehmer meine gesamte Existenz. Und auch heute beziehe ich eine lächerliche Rente. Ich habe alles mögliche versucht, wieder auf die Beine zu kommen, wie es so schön heißt, inklusive einer Auswanderung, und einmal auch fast mein Leben verloren, aber eines habe ich ich verloren: Mein Vertrauen auf meinen Herrn und Heiland. Im Gegenteil, in den schwierigsten Phasen meines Lebens habe ich seine Nähe ganz besonders erfahren.
    Nun habe ich meinen 75sten hinter mir und an einen Ruhestand ist nicht zu denken. Aber der Herr ist bei mir! Jeden Tag!
    Darf man noch eine Vision haben, auch wenn man bereits als ausgemustert gilt? Ja!
    Ich arbeite seil längerem an einem Buch über mein Leben. Keine Autobiographie im klassischen Sinne, dazu bin ich zu unbedeutend, sondern als Hilfestellung für Menschen gedacht, die (wie ich damals und eigentlich bis heute) keine eigentliche Perspektive mehr haben.

    Ich wünsche Dir nun einfach ein großes Gottvertrauen für Deine weiteren Entscheidungen. Er wird Dich sicher leiten!

    Herzliche Grüße und dem Herrn befohlen

    Axel Graser

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