Ich glaube – hilf meinem Unglauben!

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Dieser Satz – die Jahreslosung 2020 aus dem 9. Kapitel des Markusevangeliums – ist bemerkenswert. Denn er wurde nicht von theologischen Kommissionen erarbeitet, nicht von geistlichen Würdenträgern geprägt, nicht in der Redaktionsstube eines christlichen Verlags oder Radiosenders erdacht.

Ich glaube; hilf meinem Unglauben! – dieser Satz ist der Ausruf eines verzweifelten Vaters, der um die Gesundheit und das Leben seines Kindes bangt. Das ist schon rund 2.000 Jahre her, wir wissen nicht einmal den Namen dieses Vaters, aber diesen einen Satz, den kennen wir heute noch.

Warum ist das so?

Ich glaube, dieser Satz bringt in vielen, die ihn hören, innerlich etwas zum Schwingen. Er löst eine Resonanz in der Tiefe unserer Seele aus. Er dockt an mein eigenes Herz an. Dieser Satz erinnert mich daran, wie es sich anfühlt, zerrissen zu sein zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Erwartung und Enttäuschung, zwischen Glauben und Zweifel.

Und dieses Gefühl, das kenne ich auch.

Ich glaube; hilf meinem Unglauben! – dieser Satz ist nicht präzsie abgewogen, feinsäuberlich fromm abgeschliffen, nicht zur Aufführung vor einem Publikum ausstaffiert.

Ich glaube; hilf meinem Unglauben! – das ist der ungefärbte, rohe, existentielle Schrei eines Menschen, der sich mit seinem ganzen Herzen und aller Hoffnung die er noch hat, an Jesus Christus wendet. Der Vater, der um sein Kind bangt, er weiß nicht was er noch glauben soll, worauf er noch hoffen darf; er weiß nicht, wie das alles ausgehen wird.

Dieser Vater weiß nur eins: Jesus ist die einzige Adresse, an die er sich noch wenden kann mit dem, was ihn umtreibt.

Und Jesus?

Jesus nimmt den Satz wie er ist. Er nimmt den Vater, wie er ist. Mit all seinem Hoffen und Bangen, Erwartung und Enttäuschung, Glauben und Zweifel. Und Jesus nimmt sich der Not an, die der Vater auf dem Herzen hat. Er macht das Kind gesund.

Ich weiß nicht, welche Situationen das neue Jahr 2020 mit sich bringen wird. Ich weiß das nicht für mich, und ich weiß das auch nicht für Sie. Ich weiß nicht, wie Jesus in diesen Situationen eingreifen und handeln wird, wenn ich mich an ihn wende. Und ich weiß das auch nicht für Sie.

Aber eins weiß ich: Jesus ist immer noch da. Jesus nimmt sich immer noch der Not von Menschen an, die sich aus ehrlichem Herzen an ihn wenden. Mit all unserem Chaos aus Hoffen und Bangen, Erwartung und Enttäuschung, Glauben und Zweifel.

Dann ist dieses eine, kurze Gebet nicht das schlechteste, das ich beten kann: Jesus – Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Mit Blick auf diese Gewissheit wünsche ich allen ein gutes, gesegnetes, neues Jahr 2020!

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Der Traummieter meines Herzens

Neulich haben mir Freunde erzählt, dass sie eine Ferienwohnung vermieten. Dabei haben sie schon die verschiedensten Menschen kennen gelernt. Darunter waren leider auch einige wenige, die die Wohnung vermüllt zurückgelassen haben. Für meine Freunde lautet daher eine wichtige Frage: Wem gebe ich da eigentlich Raum?

Wem – oder was – gebe ich Raum – das ist auch mit Blick auf mein Leben eine wichtige Frage. Haben Sie Ihr Leben schon einmal aus dieser Perspektive betrachtet? Wem oder was geben Sie Raum? In ihrem Leben? In Ihrem Herzen?

Der Apostel Paulus empfiehlt, diese Frage ernst zu nehmen. Er schreibt in Epheser 5,18:

Berauscht euch nicht mit Wein – das macht zügellos –, sondern lasst euch vom Geist erfüllen!

Wem oder was ihr Raum in eurem Leben gebt, so Paulus, dem gebt ihr auch Einfluss. Gebt nicht etwas Raum, nur weil es euch gute Gefühle macht – so wie übermäßig viel Wein. Denn wem oder was ihr Raum in eurem Herzen gebt, das wird sich über kurz oder lang auf euer Wesen auswirken, es vielleicht sogar zumüllen.

Paulus setzt dagegen: Gebt den Raum eures Herzens bewusst dem, von dem und für den ihr eigentlich geschaffen seid: Gott selbst, der mit seinem Heiligen Geist in euch wohnen möchte.

Ich glaube: Paulus Recht. Denn – um im Bild von Mieter und Vermieter zu sprechen: Gott wird die Wohnung meines Herzes nicht vermüllen, sondern auf eigene Rechnung reparieren und renovieren. Gott ist einfach der Traummieter meines Herzens.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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