Stichwort: Charakter

7 Gewohnheiten, die ein Leiter besser loswerden sollte

Sie sind schwerer zu bezwingen als der Mount Everest für einen Bergsteiger oder der Ärmelkanal für einen Schwimmer. Sie abzulegen ist schwieriger als üble Nachrede Unkraut oder Knieschmerzen. Und sie neu einzuüben ist ähnlich herausfordernd wie Tanzen zu lernen oder ein neues Instrument.

Die Rede ist von Gewohnheiten.

„Management is all about behaviour“, sagt Management-Trainer Mark Horstman. Bei Management geht es vor allem um Verhalten. Und mein Verhalten wird angetrieben von meinen Gewohnheiten – im Guten wie im Schlechten. Deshalb stehen Männer und Frauen, die in Leitungsverantwortung hinein geraten, vor der Herausforderung, neue Gewohnheiten und neues Verhalten einzuüben: Wie motiviere ich meine Mitarbeitern, ihr Bestes in die gemeinsame Sache zu investieren? Wie kläre ich Konflikte fair, transparent und konstruktiv? Wie kommuniziere ich gemeinsame Ziele?

Es gibt allerdings auch Gewohnheiten, die man als Leiter besser loswerden sollte. Manche von ihnen gewöhnt man sich irrtümlich bei, weil man meint das müsse mit Leitungsverantwortung wohl so sein. Andere Gewohnheit bringt man mit, weil sie schon immer zu einem gehört haben.Sieben dieser Gewohnheiten, die ein Leiter besser loswerden sollte, hat Ron Edmondson aus seiner eigenen langjährigen Praxis wie folgt zusammen gefasst (Details im Original-Post von Ron):

  1. Ich messe meinen Erfolg am Erfolg Anderer
  2. Ich tue so, als hätte ich Antworten auf alle Fragen
  3. Ich versuche, beliebt zu sein
  4. Ich leite alleine
  5. Ich lasse niemanden meinen Schmerz wissen
  6. Ich kontrolliere jedes Ergebnis
  7. Ich ignoriere die Vorboten von Burnout

Welche dieser sieben Gewohnheiten gehören zu deinen üblichen Verhaltensmustern? Und – wer kann dir dabei helfen, sie abzulegen?

Mehr

Die Herodes-Falle

Es ist eine Affäre um Macht und Moral, ein Tanz zwischen Interessen und Intrigen – und eine Auseinandersetzung zwischen Religion und Politik. Ein Lehrstück für alle, die Leitungsverantwortung tragen. Die Berichterstattung darüber ist schonungslos – wir finden die Einzelheiten im Neuen Testament in Markus 6:

Hauptperson ist Herodes Antipas, der vor 2000 Jahren zusammen mit seinen zwei Brüdern Herodes Archelaus und Herodes Philippus die Herrschaft über die römische Provinz Judäa inne hat. Er hat die Autorität über einen Teil der Provinz – Galiläa und Peräa – von seinem Vater Herodes der Große übernommen und übt die Verwaltung als Vasall der im Volk ungeliebten römischen Besatzungsmacht aus (man mag sich das ein wenig ähnlich vorstellen wie im Fall von Ramsan Kadyrow in Tschetschenien heute). Bis auf die Loyalität gegenüber dem Kaiser in Rom kann Herodes Antipas tun und lassen, was er will. Und da es vor 2000 Jahren keine freien Wahlen und keinen Enthüllungsjournalismus gab, tut er das auch – lässt sich von seiner Frau Phasaelis scheiden und nimmt Herodias, die Frau seines Bruders, zur Frau.

Für den Volk ist das nur ein weiteres Zeichen der moralischen Verfallenheit der Herodes-Sippe – aber ein Mann namens Johannes sieht sich in der Verantwortung, die Maßstäbe Gottes für Ehe und Leiterschaft öffentlich klar zu benennen. Johannes bezieht klar Position gegen Entscheidung und Lebensstil des Regenten. Johannes beweist Rückgrat; er muss sagen, was ein Mann Gottes sagen muss. Und wird dafür – es kann Johannes nicht wirklich gewundert haben – aus dem Verkehr gezogen und ins Gefängnis geworfen. Herodes traut sich aber nicht, ihn hinzurichten, denn er kann den Eindruck nicht abschütteln, es mit einem Mann Gottes zu tun zu haben. Er mag Johannes Kritik nicht annehmen, aber irgendetwas lässt ihn die Nähe zu diesem seltsamen Mann Gottes suchen:

„Herodes fürchtete Johannes, weil er wusste, dass er ein frommer und heiliger Mann war, und hielt ihn in Gewahrsam; und wenn er ihn hörte, wurde er sehr unruhig; doch hörte er ihn gern.“ (Markus 6,20)

Eines Tages spitzt sich die Lage dramatisch zu. Und Herodes, der große Leiter, sieht es nicht kommen. Dafür macht er umso größere Versprechungen:

„Und es kam ein gelegener Tag, als Herodes an seinem Geburtstag ein Festmahl gab für seine Großen und die Obersten und die Vornehmsten von Galiläa. Da trat herein die Tochter der Herodias und tanzte und gefiel Herodes und denen, die mit am Tisch saßen. Da sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, ich will dir’s geben. Und er schwor ihr einen Eid: Was du von mir bittest, will ich dir geben, bis zur Hälfte meines Königreichs.“ (Markus 6, 21-23)

Niemand zwingt Herodes, seine Stieftochter so für ihren Auftritt zu belohnen. Niemand zwingt ihn, sich öffentlich mit einem Eid an sie zu binden. Und schon gar nicht wegen eines einzigen Tanzes. Vielleicht hat sich Herodes gedacht, der Weg zum Herzen einer Frau führt über das Belohnen ihrer Tochter. Vielleicht wollte er vor der High Society in Galiläa damit prahlen, wie innig die Beziehungen zur Familie seiner neuen Frau sind. Vielleicht war er auch einfach nur betrunken und nicht mehr voll zurechnungsfähig. Was auch immer die Gründe gewesen sind – das Unheil für den Gefangenen Johannes nimmt seinen Lauf:

„Und sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes des Täufers. Da ging sie sogleich eilig hinein zum König, bat ihn und sprach: Ich will, dass du mir gibst, jetzt gleich auf einer Schale, das Haupt Johannes des Täufers. Und der König wurde sehr betrübt. Doch wegen des Eides und derer, die mit am Tisch saßen, wollte er sie keine Fehlbitte tun lassen. Und sogleich schickte der König den Henker hin und befahl, das Haupt des Johannes herzubringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnisund trug sein Haupt herbei auf einer Schale und gab’s dem Mädchen und das Mädchen gab’s seiner Mutter.“ (Markus 6, 24-28)

Eine gehorsame Tochter fragt ihre Mutter um Rat. Und die sieht ihre Chance, den unliebsamen Kritiker Johannes ein für alle Mal zum Schweigen zu bringen. Wenigstens war Herodes „sehr betrübt“ – aber dennoch tut er etwas, das er ursprünglich nie wollte. Er, der nur vom Kaiser in Rom Anweisung entgegen nehmen musste, der als „Leiter“ uneingeschränkte Macht und Autorität besitzt, hat sich in eine Sackgasse manövriert, aus der er nicht mehr herauskommt.

Leiter können das – sich in eine Sackgasse manövrieren. So wie bei Herodes sind es oft nicht die Umstände an sich – die Entwicklung des Marktes, schwierige Mitarbeiter, die schwachen Finanzen – die einen Leiter unfrei machen, sondern es ist eine Kette eigener Fehlentscheidungen.

Die „Herodes-Falle“ besteht aus einer Verkettung von vier Fehlern, die Herodes Antipas als Leiter gemacht hat (die Tatsache, dass er kein lupenreiner Demokrat war, mal ganz außen vor gelassen):

1. Fehler: Herodes Antipas trifft eine unmoralische Entscheidung und heiratet Herodias. Nur weil niemand die Macht oder das Interesse hat, ihm in den Arm zu fallen, heißt das nicht dass sein Handeln richtig ist. Oder dass es frei von späteren Konsequenzen sein würde.

2. Fehler: Im Konflikt mit Johannes zeigt Herodes Antipas keine klare Reaktion. Er lässt ihn einsperren, aber nicht hinrichten. Er hört Johannes zu, aber er zieht keine Konsequenzen aus seinen Worten. Er will dem Mann Gottes nahe sein, aber die Autorität Gottes erkennt er nicht an.

3. Fehler: Im Überschwang des Augenblicks gibt Herodes Antipas öffentlich ein unvorsichtiges Versprechen ab. Er überlegt nicht vorher, was „halbes Königreich“ alles bedeuten könnte. Er macht sich ohne Not unfrei. Er verleiht jemandem Macht ohne einschätzen zu können, was diese Person mit der verliehenen Macht tun wird.

4. Fehler: Im entscheidenden Moment hat Herodes Antipas Angst vor einem persönlichen Gesichtsverlust – und trifft eine Entscheidung, deren Konsequenzen er nicht zurückholen kann. Er mag in diesem Moment wirklich Einsicht in seine bisherigen Fehler haben – aber ihm ist wichtiger, was die Leute denken, als umzukehren und sich aus der Sackgasse zu befreien.

Und so stirbt Johannes der Täufer, der letzte Mann Gottes in einer langen Tradition des Alten Testaments. Er stirbt, weil Herodes Antipas sein Gesicht in den Augen seiner Gäste wahren wollte. Wenn Leiter Fehler machen, leiden Menschen. In der „Herodes-Falle“ gerät nicht nur der Leiter selbst in Not, sondern zieht andere in Mit-Leiden-Schaft.

Unmoralische Entscheidungen, keine klare Reaktion auf Konflikte, unvorsichtige Versprechungen, Angst vor Gesichtsverlust – die Charakterschwächen des „Leiters Herodes“ werden hier mehr als deutlich. Denn Charakter ist nicht Image. Sondern was in meinem Herzen vorgeht, auch wenn es äußerlich niemand sieht. Ich wünsche allen Leitern, wo auch immer sie in dieser Welt oder im Reich Gottes Verantwortung tragen, dass sie die Herodesfalle vermeiden und sich nicht in eine Sackgasse manövrieren. Unmoralische Entscheidungen, keine klare Reaktion auf Konflikte, unvorsichtige Versprechungen, Angst vor Gesichtsverlust – wo bist du als Leiter am meisten gefährdet?

Mehr

9 Dinge, die ein Leiter tun muss

Eigentlich wissen wir die wichtigen Dinge des Leben. Wir tun sie nur nicht. Weil wir sie durch Angst, Ablenkung oder eingefahrene Gewohnheiten in den Hintergrund unseres Bewusstseins geschoben haben. Da liegen sie dann im Winterschlaf, bis jemand kommt und uns die einfachen Wahrheiten neu vor Augen führt.

Wie zum Beispiel der Autor und Psychologe Henry Cloud in seinem Buch „9 Things a Leader must do„. Eigentlich alles klar, eigentlich alles selbstverständlich, eigentlich nicht der Rede wert. Wie kann man das nur als Buch vermarkten?

Und doch tun wir sie eher selten und nicht wirklich konsequent, diese „9 Dinge“:

  1. Das Innere ausgraben. Leiter schaffen einen offenen Zugang zu ihren Träumen und ihren Ängsten. Sie lassen nicht zu, dass ihr Herz und ihre Seele durch andere Dinge im Leben verschüttet werden.
  2. Den faulen Zahn ziehen. Leiter lassen nicht zu, dass negative Dinge einen wesentlichen Platz in ihrem Leben einnehmen. Die posititven Dinge nehmen schon genug Zeit und Energie in Anspruch.
  3. Den Film bis zu Ende abspielen. Leiter haben im Blick, in welche Zukunft eine heutige Entscheidung führen wird. Das Endziel ist wichtiger als die kurzfristige Befriedigung.
  4. Etwas tun. Leiter lassen sich nicht in die Opferrolle drücken. Unabhängig davon, wessen Schuld eine kritische Situation ist – Leiter behalten die Initiative in der Hand.
  5. Kleine Schritte gehen. Leiter wissen, dass auch große glänzende Erfolge meistens nur in vielen kleinen, mühsamen Schritten zu haben sind. Wer immer alles gleich und sofort erreichen will, wird nirgendwo ankommen.
  6. Die richtigen Dinge hassen. Leiter haben einen klaren Blick für Defizite und Zustände, die nicht so bleiben können. Dieser Blick ist ein wichtiger Motor für die positive Entwicklung des eigenen Charakters.
  7. Mehr zurückgeben. Leiter horten nicht Erfahrungen, Gefallen, Wissen, Macht – sie geben anderen mehr zurück, als sie selbst bekommen haben.
  8. Demütig sein. Leiter versuchen nicht, mehr zu sein als was sie sind. Wenn jemand scheitert, begegnen sie dem Betreffenden mit Verständnis, weil sie wissen, dass auch in ihrem eigenen Leben Scheitern Teil des Lernens und des Lebens ist.
  9. Keine Angst vor anderen.Leiter treffen Entscheidungen nicht aus Angst davor, was „die anderen“ sagen könnten, werden oder tatsächlich sagen.

Das alles hätte meine Oma mir auch sagen können (vielleicht hat es dir deine Oma ja gesagt). Und dennoch braucht es manchmal einen Anstoß, diese so selbstverständlichen Dinge aus dem Winterschlaf in meinem Hinterkopf wieder aufzuwecken. Vielleicht einen Anstoß, wie das Buch von Henry Cloud.

Oder dieser Blogbeitrag.

Mehr