„Herr, du kannst … mach doch dass vielleicht … doch der eine oder die andere … ein Stück weit … aber nicht wie ich will sondern wie du willst. Amen“.

Schon mal so gebetet? Schon mal jemanden so beten gehört? Ich schon. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger weiß ich, ob ich darüber traurig sein soll oder entsetzt oder wütend (oder alles drei).

Große Teile dessen, was Jesus seinen Freunden über Gott beigebracht hat, bestehen daraus ihnen immer wieder zu versichern: Gott ist wie ein Vater. Ein liebender, zugänglicher, euch zugewandter Papa. Wenn ihr mir nachfolgt und euch auf das einlasst, was ich am Kreuz für euch tun werde, gehört ihr zu seiner Familie. Lebt in seiner Nähe. Alles was euch bewegt, interessiert ihn auch. Er weiß, was ihr braucht. Macht nicht viele Worte. Sagt’s ihm einfach – und seid sicher dass er sich absolut wohlwollend um euch kümmern wird.

Soll ich noch weitermachen?

Paulus beschreibt in Epheser 3,12 drei Merkmale der Beziehung zwischen Jesusnachfolgern und ihrem Vater im Himmel:

„Durch Christus haben wir Freimut, Zugang und Zuversicht“

Freimut, Zugang, Zuversicht. Und wie beten wir?

  • Wir zählen Gott auf, was er alles tun kann, bitten ihn aber nicht darum, etwas zu tun. Bitten Kinder so um Taschengeld:  „Papa, du hast ganz viel Geld. Du kannst es denen geben, die es brauchen“?
  • Wir relativieren was wir bitten mit „vielleicht“. Ist uns wirklich egal, wie Gott auf unser Gebet reagiert? Falls ja – warum beten wir dann überhaupt?
  • Wir relativieren mit „ein Stück weit“, „einige“… bloß nicht zu viel Antwort Gottes! Bloß nicht zu viel Segen. Ist das wirklich unsere Absicht? Und Gott schuf… und es wurde ein Stück weit ein bisschen gar nicht so ganz schlecht…?
  • „Nicht unser Wille geschehe sondern Deiner“ – logo! Er ist Gott, ich bin es nicht. Und das ist gut so. Was wie eine demütige Positionsbestimmung klingt, ist aber oft die Handbremse beim Gebet: Ich hab ja hier gar nichts zu wollen. Ich bin unwürdig. Welcher Vater ließe es zu, dass seine Kinder sich selbst so auf Distanz halten? Welcher Vater wäre nicht traurig über so wenig Freimut, Zugang und Zuversicht?

Kleine Herausforderung:

  1. Wenn du das nächste Mal andere beten hörst, achte mal darauf: Hörst du Freimut, Zugang und Zuversicht?
  2. Wenn du selbst das nächste Mal betest – betest du mit Freimut, Zugang und Zuversicht? (Für die ganz Mutigen: Einfach mal eigenes Gebet aufnehmen und hinterher anhören.)

Es geht hier nicht um Stilfragen. Und auch nicht nur um verschiedene Persönlichkeiten (obwohl das mit hineinspielt). Es geht um nicht weniger als darum, ob wir Gebet als gruppendynamische Rhetorikübung mit Handbremse und ganz viel Sicherheitsabstand zum Herzen Gottes leben.

Oder als Kinder, die zu ihrem  liebenden Vater im Himmel beten – mit Freimut, Zugang und Zuversicht.