6 Spannungsfelder für Leiter

  1. Anspruch
  2. Nähe
  3. Wissen
  4. Konsens
  5. Action
  6. Zumuten

„Der tut nichts, der will nur spielen“ – aus dem Mund von Hundebesitzern soll das für Jogger beruhigend klingen. Wenn so aber das seufzende Fazit von Mitarbeitern über ihren Leiter lautet, verlieren alle.

Wer das als Leiter anderes leben will, begibt sich in das Spannungsfeld zwischen Aktivität und Aktionismus. Hier ist also unsere Nr. 5:

Sei aktiv, aber verursache keinen Aufruhr.

Nur aktive Leiter sind wirklich Leiter. Die meisten Mitarbeiter finden die ersten vier entspannten Wochen mit einem passiven Leiter vielleicht „wie Urlaub“ und freuen sich über ein paar entspannte Tage. Auf Dauer finden sie es aber gar nicht lustig, wenn wichtige Entscheidungen nicht getroffen und Weichen für die Zukunft nicht gestellt werden. Passive Chefs, die ihre Position und Macht dazu benutzen, sich selbst von produktiver Arbeit abgelenkt zu halten, bringen die Organisation nicht vorwärts und die einzelnen Mitarbeiter in ihrer jeweiligen persönlichen Entwicklung auch nicht. Wer alles immer nur laufen lässt, ist kein Leiter sondern ein überbezahlter Tourist in seinem eigenen Team. Und er riskiert, dass jemand anders aus dem Team die Macht nimmt, die da ungenutzt auf dem Tisch liegt, und für seine eigene persönliche Agenda einsetzt statt für die gemeinsamen Ziele und Prioritäten.

Also – Aktivität ist angesagt. Leiter sind innerlich und/oder äußerlich aktiv. Das bedeutet nicht, alles selbst in die Hand zu nehmen. Leiter, du sollst nicht alles selber machen. Du sollst nicht alles selber wissen. Du sollst nicht alles selber entscheiden. Du sollst aber ganz aktiv dafür sorgen, dass die wichtigen Dinge im Team gemacht, gewusst und entschieden werden.

Auf der anderen Seite des Spannungsfeldes steht der Aufruhr: Leiter, die jede Woche eine neue Sau durchs Dorf treiben. Die in aller persönlichen Experimentierfreudigkeit aus dem Blick verlieren, dass es wirkliche Menschen sind, die ihre Ideen nachher umsetzen, und wirkliche Arbeit, die davon betroffen ist. Wohl dem Leiter, der die Tuchfühlung mit dem Tagesgeschäft seiner Mitarbeiter nicht völlig verliert. Je größer die Organisation, je mehr „Hauspolitik“ eine Rolle spielt, desto eher stehen Leiter in Gefahr, die eigene Bedeutung und Existenz durch immer neue Initiativen und Umstrukturierungen unter Beweis stellen zu wollen.

Also heißt die Herausforderung, das Spannungsfeld zwischen Aktivität und Aufruhr zu meistern. Es kann für den Leiter eine Hilfe sein, sich selbst dabei immer mal wieder die Frage zu stellen:

Wozu bist du wirklich berufen, es zu tun?